Lesung im Neubrandenburger Güterbahnhof:

Beobachter Kaminer – beliebter Gast im Norden

Wladimir Kaminer ist Schriftsteller und Discjockey, Journalist und Vater, und er ist unser aller Russland-Erklärer. Vor allem aber ist er ein begnadeter Entertainer.

Wladimir Kaminer bei seinem letzten Auftritt in Neubrandenburg vor knapp zwei Jahren. Er liest nicht nur aus seinen Büchern, er quasselt sich durch unser aller Alltag.
Frank Wilhelm Wladimir Kaminer bei seinem letzten Auftritt in Neubrandenburg vor knapp zwei Jahren. Er liest nicht nur aus seinen Büchern, er quasselt sich durch unser aller Alltag.

Ja wie oft war denn Wladimir Kaminer nun eigentlich schon in Neubrandenburg? Im „Güterbahnhof“, wo der Autor am Sonntag gastiert, zuckt man mit den Schultern. „Mindestens zweimal ...“ Ob das reicht? Fragen wir Kaminer selbst: „Ich glaube, ich war eher zehnmal da. Schließlich bin ich schon seit vorigem Jahrhundert unterwegs.“ Eine Antwort typisch Kaminer. Bei dem aus der Sowjetunion stammenden Autor, der in den Wirren der Wende mit seinen Freunden nach Berlin übersiedelte, kann man sich nie so sicher fühlen, ob er es ernst oder doch augenzwinkernd meint.

„Sommerlesung best of“ – so ist seine aktuelle Lesereise angekündigt. Wer Kaminer schon einmal live erlebt hat, weiß, dass er nicht am Tisch sitzt und referiert, dezent beleuchtet von einer Leseleuchte. Nein: Kaminer liest nicht, er tritt als Entertainer auf. Ausgerüstet mit einem kleinen Stichwortzettel quasselt er sich klug und gewandt durch unser aller Alltag, den er permanent ironisch bricht.

Kaminers Konzept: Er beobachtet seine Mitmenschen

Kaminers Konzept ist denkbar einfach: Er beobachtet den Alltag seiner Familie, seiner Nachbarn in der Hauptstadt und in seinem brandenburgischen Wochenenddorf „Glücklitz“ (Nicht suchen, der Ortsname ist fiktiv!). Er schaut sich die Macken der Schrebergärtner seiner Ex-Kleingartensparte oder aber der Lehrer seiner Kinder an und schreibt die Geschichten auf. Der Humor entstehe aus der „schreienden Diskrepanz zwischen der gewünschten Welt und der Realität“, erläutert er sein Konzept.

Kaminer hat „verrückte Orte“ im Nordosten besucht

Nach Güstrow am Samstag und Neubrandenburg bringt Kaminer natürlich auch wieder aktuelle, unveröffentlichte Geschichten mit. Zusammen mit einem Fernsehteam hat Kaminer in der Rolle des Journalisten einige „verrückte Orte“ im Nordosten aufgesucht, unter anderem das Technik-Museum in Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten. „Dort stehen alle sowjetischen Panzer seit der Erfindung der Kriegstechnik“, witzelt Kaminer. Man kann sich jetzt schon auf die dazu passende Geschichte freuen.

 

Kaminers Sommertour

• 27. Juni, 19.30 Uhr, Güstrow, Theater
• 28. Juni, 20 Uhr, Neubrandenburg, Güterbahnhof
• 30. August, 19.30 Uhr, Zinnowitz, Blechbüchse
• 31. August, 19.30 Uhr, Heringsdorf, Theaterzelt Chapeau Rouge
• 1. September, 19.30 Uhr, Ueckermünde, Kino An der Volksbühne

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