Bei ihm gewannen stets die Guten:

Bestsellerautor Tom Clancy tot

Unglaublich, dass ausgerechnet er nie gedient hat: Tom Clancy trug, zumindest offiziell, nie Uniform. Aber keiner schrieb wie er über Atom-U-Boote, Kampfpanzer und Flugzeugträger. Allerdings: Clancy war vielfältiger als sein Image. Jetzt ist er mit 66 gestorben.

Tom Clancy bei einer Buchpräsentation 2003 in New York. Für ihn war das Schreiben auch eine Flucht aus der langweiligen Realität.
Andrew Gombert Tom Clancy bei einer Buchpräsentation 2003 in New York. Für ihn war das Schreiben auch eine Flucht aus der langweiligen Realität.

Die Brille war sein Schicksal. Deshalb wurde der Postbotensohn Tom Clancy nicht Kommandant eines Kampfpanzers oder U-Boots, sondern Versicherungsvertreter. Bis er sich „intellektuell unterfordert“ fühlte und über die Welt schrieb, die ihn selbst faszinierte: das Militär. Bücher wie „Jagd auf Roter Oktober“ haben Clancy berühmt und auch reich gemacht. Jetzt ist der Bestsellerautor mit 66 gestorben.

Mit Anfang 30 hatte Clancy keine Lust mehr auf Policen und tauchte in die Welt der Marine ab. Er verschlang Karten und Handbücher, sprach mit Experten und stellte Seeschlachten nach. Ja selbst in den ersten Videospielen übte er sich in Taktik. Das Ergebnis war ein Buch über einen Sowjetkapitän, der mit seinem Atom-U-Boot zu den Amerikanern überläuft: „Jagd auf Roter Oktober“. Das Buch verkaufte sich blendend und Millionen wollten Sean Connery und Alec Baldwin im Film sehen. In den letzten Zügen des Kalten Krieges erzählte Clancy den Konflikt glaubwürdig, fast unblutig und vor allem spannend.

Geheime Informationen sind eine Frage der Logik

Selbst Marineexperten waren erstaunt, woher der Versicherungsagent sein Wissen hatte. Einfache Antwort Clancys: Harte Arbeit. „Die Informationen sind ja alle da, wenn man nach ihnen sucht. Und das geheime Zeug bekommt man ganz einfach, wenn man das nicht geheime nimmt und einfach die Punkte verbindet.“

Für Clancy war es eine Flucht aus der langweiligen Realität in eine Welt, die er für viel spannender hielt: „Ich mag Schreiben“, sagte er schon 1986 in einem Fernsehinterview. „Ich hatte noch nie so viel Spaß. Man kann seine eigene kleine Welt bauen, wie als Kind mit der Eisenbahn. Aber statt Eisenbahnen habe ich Panzer und Schiffe und Flugzeuge und all dieses Zeug.“ Er könne alles so arrangieren, wie er wolle.

Die Leser mochten, was der Amerikaner da schrieb. Er ließ hohe Sowjetoffiziere für die Amerikaner spionieren, schmuggelte Atombomben in die USA und ließ seinen Star, CIA-Agent Jack Ryan, den britischen Thronfolger retten, eine Verschwörung um Drogenkartelle aufdecken und ihn sogar zum Präsidenten aufsteigen.

Kritik: Er verherrliche Waffen und das Militär

Natürlich gewannen die Guten, wie immer bei Clancy. Genau das warfen ihm seine Kritiker auch vor, dass letztlich die Handlung vorhersehbar ist und zu guter Letzt CIA oder Marines oder Weißes Haus – oder wer auch immer mit den Stars and Stripes rumfuchtelt – gewinnt. „Clancy hat eine ziemlich einfache Sicht auf die Welt“, sagte zum Beispiel der britische Komiker Bill Bailey: „Gut gegen Böse. Das Böse scheint die Oberhand zu gewinnen, aber letztlich gewinnt das Gute, weil es die besseren Sturmgewehre hat.“

Unumstritten war Clancy nie. Er verherrliche Waffen und Militär, war die häufigste Kritik. In der Tat sah das lebenslange Mitglied des Waffenclubs NRA gern einfache Antworten auf komplexe Fragen: Wenn die Guten, also die USA, die Stärksten seien, müsse man sich doch um Feinheiten nicht kümmern.

Manchmal war Clancy fast so etwas wie ein Prophet: In „Ehrenschuld“, sieben Jahre vor dem 11. September 2001 erschienen, lässt ein – allerdings japanischer – Terrorist eine Boeing in das Capitol in Washington stürzen, Hunderte sterben. Die Handlung habe einfach auf der Hand gelegen, sagte Clancy. „Aber wenn mein Kram plötzlich Realität wird, ist das schon ein bisschen gruselig.“