Tabubruch oder Trauerarbeit?:

Bilder aus der Asche Verstorbener

Eine Malerin bietet an, aus einem Teil der Asche Verstorbener ein Gedenkbild für die Hinterbliebenen zu malen. Nicht alle halten das für eine gute Idee. Aber sie heizt die Diskussion um die Grenzen deutscher Bestattungskultur an.

Die gebürtige Sächsin Ina Pause-Noack malt in ihrem Atelier an ihrem neusten Werk – mit Farbe, die auf der Basis von Asche angerührt wird.
Frank Rumpenhorst Die gebürtige Sächsin Ina Pause-Noack malt in ihrem Atelier an ihrem neusten Werk – mit Farbe, die auf der Basis von Asche angerührt wird.

Die Bestattungskultur ist im Wandel: Ob Beisetzung im Friedwald, QR-Code für Smartphones auf dem Grabstein oder Trauerseiten im Internet – das Bedürfnis nach individuellem Gedenken wird immer stärker. Eine Künstlerin aus dem hessischen Hanau hat ein Bild aus der Asche einer Toten gemalt. Ina Pause-Noack will solche Kunstwerke als „neue Form der Bestattungskultur“ etablieren.

Der Vorstoß wird kontrovers diskutiert, rechtlich ist die Sache kompliziert. Auch die Reaktionen von Privatleuten könnten unterschiedlicher nicht sein. Die einen finden die Vorstellung schön, „dass aus mir mal ein Kunstwerk wird“, die anderen finden es „geschmacklos“.

Dass es Menschen gibt, die ihre Idee ablehnen, kann die Künstlerin verstehen. „Ich habe die Vorstellung am Anfang ja selbst abgelehnt, aber dann ließ mich die Idee nicht mehr los, und so habe ich mich langsam an das Thema rangetastet.“ Schon seit Jahren arbeitet Pause-Noack, die in Dresden geboren wurde und seit 1998 in Hessen lebt, mit Asche. Sie malt mit Kohleasche oder Holzasche, auch mit Tierasche hat sie experimentiert.

In Deutschland besteht Bestattungszwang

Über Umwege erfuhr im vergangenen Jahr ein Witwer aus der Schweiz von ihren Arbeiten. Der Mann, der anonym bleiben will, bat Pause-Noack, aus einem Teil der Asche seiner verstorbenen Frau ein Bild zu malen. Sie habe lange mit ihm telefoniert, ihn später zu Hause besucht, um sich von der Persönlichkeit und dem Leben der Verstorbenen ein Bild zu machen.

Juristisch bewegt sich die Künstlerin mit ihrem Angebot in einer Grauzone. In Deutschland ist es streng genommen nicht zulässig, Kremationsasche zu Hause zu lagern – es besteht Bestattungszwang. „Die Aschenreste jeder Leiche sind in ein amtlich zu verschließendes Behältnis aufzunehmen und in einer Urnenhalle, einem Urnenhain, einer Urnenwand, einer Urnengrabstelle oder in einem Grab beizusetzen“, heißt es etwa in Paragraf 20 des hessischen Bestattungsgesetzes.

Allerdings sind „in besonderen Fällen“ Ausnahmen möglich. Manche Bestatter und Krematorien sind bereit, auf Wunsch der Hinterbliebenen einen Teil der Asche zu entnehmen; andere lehnen das ab. Der Bundesverband Deutscher Bestatter ist dagegen. Damit juristische Klippen umschifft werden können, hat die Künstlerin einen Kooperationspartner in der Schweiz gefunden: Um dem deutschen Bestattungszwang zu umgehen, kann man sich über einen Naturfriedhof-Betreiber die Urne über die Schweiz nach Hause liefern lassen.

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