Der Abstieg:

Blue Jasmine

Als würde das Leben für ihn mit 77 erst anfangen, legt Woody Allen mit dem Drama „Blue Jasmine“ einen seiner besten Filme überhaupt vor.

Cate Blanchett als Jasmine.
Warner Bros. GmbH Cate Blanchett als Jasmine.

Jasmine (Cate Blanchett) war ein typisches Vorzeigeweibchen. Ihr Mann Hal (Alec Baldwin) hat als Investmentbanker Millionen gescheffelt, was mit ehrlicher Arbeit bekanntermaßen nicht zu machen ist. Das Paar nannte ein mondänes Domizil an New Yorks nobler Fifth Avenue sein Eigen und war in der feinen Gesellschaft gut gelitten. Was immer Jasmine an Klamotten oder Glitzerkram begehrte, sie hat es bekommen. Bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem Hal die gerechte Strafe für sein Tun ereilt und seine Frau plötzlich allein und völlig mittellos dasteht. Jasmines gesellschaftlicher Abstieg ist rasant. Weil sie fürchtet, im Big Apple ehemaligen „Freundinnen“ zu begegnen, flüchtet sie nach San Francisco, wo sie im bescheidenen Heim ihrer Schwester Ginger (Sally Hawkins) Unterschlupf findet.

Auf sich selbst gestellt zu sein, ist für Jasmine eine neue und beängstigende Situation, die sich nur mit viel Wodka ertragen lässt. Aber während sie den Blick auf die eigenen Defizite konsequent verweigert, kritisiert sie auch noch den Lebenswandel der einzigen Frau, die sich um sie kümmert. Für Jasmine ist Gingers Freund Chili (Bobby Cannavale) ebenso ein Versager wie Gingers Ex-Mann Augie (Andrew Dice Clay). Mit einfachen Männern, die dreckig und verschwitzt nach Hause kommen, hat sie nichts am Hut. Nicht einmal ein Zahnarzt wie Dr. Flicker (Michael Stuhlbarg), bei dem Jasmine kurzzeitig als Sprechstundenhilfe anheuert, wird als standesgemäß erachtet. Der durchaus interessierte, aber ungelenke Doc blitzt bei der Schönen ab. Vielleicht naht ja mit dem smarten Diplomaten Dwight (Peter Sarsgaard) Jasmines letzte Chance auf ein Comeback…

Woody Allen scheint das Drehbuch auf den Leib von Cate Blanchett geschrieben zu haben, die voll und ganz in der Rolle der gefallenen Frau aufgeht. Die Oscar-Preisträgerin stemmt den Kraftakt, den Zuschauer stets mit Jasmine mitfühlen zu lassen, obwohl dieses Luxusgeschöpf doch so viele charakterliche Schwächen hat und schon der Name eine Lüge ist. Zumindest die Erfahrung des Scheiterns ist eben eine universelle.

Verleih: Warner Bros.     
Bundesstart: 07. November 2013 
Genre: Drama

Mehr Infos unter: www.BlueJasmine.de

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