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Bond gegen "Spectre" - Craig und Waltz in 007-Höchstform

Er ist zurück: Bond. James Bond. Daniel Craig kämpft gegen eine fast allwissende Terrororganisation und die Schatten seiner Vergangenheit. Ein Filmgenuss, nicht nur für 007-Fans.

Trotz des Tiefgangs bietet "Spectre" den Zuschauern auch wieder viel Action in gewohnter Bond-Manier.
Sony Trotz des Tiefgangs bietet "Spectre" den Zuschauern auch wieder viel Action in gewohnter Bond-Manier.

Kann man heute einen James-Bond-Film aus den 60er, 70er oder auch 80er Jahren halbwegs ernst nehmen? Die Macho-Sprüche sind nicht mehr lustig. Die hilflosen Frauen sind nicht mehr sexy. Das Agenten-Spielzeug ist nicht mehr cool. James Bond hätte in der Mottenkiste landen können. Aber dann kam Daniel Craig. Er rettete nicht nur die Welt, wie es sich für Bond gehört, sondern auch die Marke 007. Nach dem Megaerfolg von „Skyfall“ vor drei Jahren musste das Team nachlegen. Mit „Spectre“ hat es geliefert.

Zuschauer bekommen nicht mehr nur Verfolgungsjagden, schöne Frauen und Schurken, die am Ende verlieren. Bonds Vergangenheit ist inzwischen ein zentrales Erzählelement. So auch in „Spectre“. Der Film schließt an „Skyfall“ an und damit auch an den Tod von MI6-Chefin M (Judi Dench). Sie hat dem Agenten einen Auftrag hinterlassen, der ihm allerhand Ärger mit seinem Arbeitgeber einbringt, den Zuschauern aber eine erste atemberaubende Actionszene in einem Hubschrauber über Mexiko-Stadt beschert.

Regisseur thematisiert totale Datenüberwachung

Der neue M (Ralph Fiennes) ist deshalb sauer und suspendiert Bond vom Dienst, dennoch kommt er einer geheimen Terrororganisation mit Oktopus-Logo auf die Spur – „Spectre“. M hat derweil eigene Probleme: Mit C (Max Denbigh) taucht ein Bürokrat auf der MI6-Bildfläche auf, der nicht an Doppelnull-Agenten glaubt, sondern an Kontrolle durch totale, international vernetzte Überwachung – NSA und GSHQ, Prism und Tempora lassen grüßen. Regisseur Sam Mendes, setzt das Thema Datensicherheit und Überwachung kühl und furchteinflößend in Szene. Nicht mehr die stärksten Waffen geben Menschen Macht, sondern Informationen. Auch wenn Bonds Widersacher natürlich ein anderer ist: Christoph Waltz.

Vom ersten Licht, das in einem Palazzo auf sein Gesicht fällt bis zur alptraumhaften Szenerie, die er für seinen Intimfeind in der verlassenen MI6-Zentrale entwirft: Waltz ist ein meisterhaft stilvoller Schurke, der Bond erst richtig glänzen lässt. Craigs Bond dagegen ist, wie ihn die Fans (inzwischen) lieben: ein Gentleman, männlich und humorvoll, aber verletzlich. Er trägt schwer an der Last seiner Vergangenheit und scheut keinen Körpereinsatz.

"Spectre" - Ein lohnendes Gesamtpaket

Die schönen Frauen an Bonds Seite sind diesmal die italienische Witwe Lucia Sciarra (Monica Bellucci) und die Psychologin Madeleine Swann (Léa Seydoux). Eine weitere Frauenrolle gewinnt in „Spectre“ erneut an Tiefe: Moneypenny ist von der dümmlichen Vorzimmerdame der 60er und 70er inzwischen zur Agentin im Innendienst avanciert.

Was macht diesen Film so gut? Nicht die Logik der Handlung oder die psychologische Tiefe, schließlich ist „Spectre“ ein Bond-Film. Es ist das Gesamtpaket. Craig und Waltz in Bestform, funktionierende Gags ohne Albernheit, spektakuläre Stunts und Materialschlachten ohne Größenwahn, großartige Filmmusik, beeindruckende Aufnahmen aus Mexiko, Marokko, Rom, London und den österreichischen Alpen. Kurz: Zweieinhalb Stunden Kinovergnügen.