Zeitreise in Sachen Liebe:

Camille – Verliebt nochmal!

Wenn in einem Film reife Menschen plötzlich wieder jung sind (und umgekehrt), ist das oft mit allerhand Klamauk verbunden. Ein mehrfach preisgekrönter französischer Film nähert sich dem Thema mit großer Ernsthaftigkeit. Aber es darf auch geschmunzelt werden.

Szene aus "Camille - Verliebt noch mal!"
Warner Bros. Television Szene aus "Camille - Verliebt noch mal!"

Fünfundzwanzig Jahre lang durfte Camille (Noémie Lvovsky) die große Liebe leben. Nun steht sie mit Anfang 40 vor den Trümmern ihres Daseins. Der Job als Schauspielerin ist eine Farce und die Wohnung steht kurz vor einer Zwangsräumung. Schlimmer noch: Camilles Mann Eric (Samir Guesmi), mit dem sie seit Schulzeiten liiert ist, kann ihre Alkoholeskapaden nicht länger ertragen und sucht Trost in fremden Armen. Zur Silvesterparty mit alten Freundinnen erscheint Camille wieder einmal schwer angeheitert. Als man das neue Jahr einläutet, bricht sie zusammen – und erwacht im Jahre 1985. Nur für den Zuschauer ist sie weiterhin die Frau mittleren Alters, alle anderen sehen sie als Teenager um den sechzehnten Geburtstag herum. Camilles Eltern, in der Gegenwart längst verstorben, holen die Tochter aus dem Krankenhaus nach Hause, in das rosa Kinderzimmer, das Fotos von Madonna und „Flashdance“ zieren. Camille verdaut die unfreiwillige Zeitreise erstaunlich schnell und spielt das Spiel mit. In der Schule trifft sie die Freundinnen von damals, aber auch den jungen Eric. Damit ihr Herz nicht noch einmal gebrochen wird, geht sie seinen Avancen aus dem Weg…

Die französische Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Noémie Lvovsky hat sich Rolle der Camille auf den Leib geschrieben. Leider bleibt ihr Film nach der köstlichen Eröffnungsszene und dem wunderbaren Vorspann hinter den geschürten Erwartungen zurück. Die Geschichte schöpft weder ihr komisches Potential aus, noch führt der Zeitsprung zu einem nennenswerten Erkenntnisgewinn. Trotzdem hat die liebevoll ausgestattete Reise in die 80-er Jahre ihren Reiz. Für ein Exemplar des „Was wäre, wenn?“-Genres setzt sich der Film recht ernsthaft mit der Frage auseinander, ob die Chance auf eine Korrektur der Vergangenheit zwangsläufig zu einer anderen, besseren Zukunft führt. Kaum ein Zuschauer, der auf dem Nachhauseweg nicht die eigene Jugend Revue passieren lassen wird.

Verleih: Movienet    
Bundesstart: 15. August 2013
Genre: Tragikomödie
Mehr Infos unter: www.movienetfilm.de

Wertung:
Anspruch: 2
Spannung: 2
Action: 1
Humor: 2
Erotik: 1