Klassik und Golf im Land Fleesensee:

Chefdirigent Malzew schwingt nicht nur denTaktstock

Neubrandenburgs Generalmusikdirektor Stefan Malzew hat immer wieder verrückte Ideen. Einmal im Jahr lässt er sogar Golfer zusammen mit seinem Orchester aufspielen.

Stefan Malzew mit seinen Golfonics, die ihn auch am Sonnabend wieder in Göhren-Lebbin begleiten werden. Inzwischen kann der Chefdirigent der Neubrandenburger Philharmonie auch selbst Golf spielen. Foto: TOG
Theater Stefan Malzew mit seinen Golfonics, die ihn auch am Sonnabend wieder in Göhren-Lebbin begleiten werden. Inzwischen kann der Chefdirigent der Neubrandenburger Philharmonie auch selbst Golf spielen.

Neubrandenburg. Die besten Ideen entstehen oft zwischen Tür und Angel – oder aber während eines lockeren Gesprächs bei einem Kaffee. Ein solcher Plausch begründete vor einigen Jahren auch die Tradition der Veranstaltung Golf & Classics. Neubrandenburgs Chefdirigent Stefan Malzew hatte sich mit Daniel Bojahr, dem Geschäftsführer des Radisson Blue im Land Fleesensee auf einen Kaffee getroffen, erinnert sich der umtriebige Generalmusikdirektor. Er kannte Bojahr noch aus seiner Zeit als Hotel-Manager in Neubrandenburg. „Und bei unserer Kaffeetrinken-Plänkelei sprachen wir dann darüber, ob man nicht was zusammen mit Golfern machen könnte“, erinnert sich Malzew.

Der „richtig schöne Klack, wenn der Driver auf den Ball trifft, passt doch sehr gut zur Musik“, sagt Malzew. Während er mit dem ersten Konzert auf dem Golfplatz im Jahr 2008 sportliches und musikalisches Neuland betrat, bereiten ihm die Fachbegriffe des Golfens mittlerweile keine Probleme mehr. „Wissen Sie, was ein Driver ist?“ Kopfschütteln. Malzew schmunzelt. Ein bisschen macht ihn das schon stolz, dass er die Erklärung parat hat: Der Driver ist der Schläger, den der Golfer für den ersten, weiten Abschlag nutzt. Der besonders große und harte Schlägerkopf erzeugt das satte Klacken, das Malzew in die Musikstücke einbaut. Malzew weiß, wovon er spricht: Nach der Premiere von Golf & Classics hat er die „Platzreife gemacht“ – also die Einsteigerprüfung fürs Golfen, die überhaupt erst dazu berechtigt, einen Golfplatz zu betreten.

Spätestens seitdem weiß er auch, was die 14 Golfer, die links und rechts auf der Bühne stehen, leisten. Je nach Musikstück muss jeder Sportler kurz hintereinander 25 bis 40 Bälle abschlagen – natürlich immer im Takt der Musik. Da tun sich laut Malzew auch erstaunliche Parallelen zwischen der Beherrschung eines Instruments und eines Golfschlägers auf. „Die kleinste Abweichung in der Methodik führt zum Misslingen“, sagt er. Spielt der Musiker die Saite oder die Taste falsch oder zur Unzeit an, gibt’s Misstöne. Trifft der Golfer den Ball nicht korrekt, landet er weit im Aus.

Da liegt es auf der Hand, dass die Golfspieler genauso wie die Musiker auch proben müssen. Malzew nimmt die Musikstücke auf Band auf einschließlich der Signale für den Abschlag. „Allerdings sind Golfer – anders als Musiker – Einzelgänger. Und, im Gegensatz zu Musikern, schlagen sie normalerweise nicht nach Kommando, sondern nach einer individuellen Konzentrationsphase“, erklärt Malzew. Deshalb war er bereits im Juni das erste Mal für das aktuelle Golf-Konzert im Land Fleesensee. Dieser Tage steht der Dirigent auch wieder auf dem Platz, um den Feinschliff zu proben.

Dabei kann sich Malzew auf eine im doppelten Sinne des Wortes eingespielte Truppe verlassen. Bei den Golfern handelt es sich um Profis, die als Trainer im Land Fleesensee arbeiten. Der Bekannteste der Truppe wird in diesem Jahr allerdings nicht mehr mit von der Partie sein: Sebastian Rühl arbeitet jetzt als Golf-Bundestrainer.

3000 leuchtende Bälle über Göhren-Lebbin

Im vergangenen Jahr wechselten Malzew und Rühl für ein Musikstück sogar Taktstock und Schläger. Es ging alles gut, trotzdem verlässt Malzew am kommenden Samstag seinen Platz am Pult nicht. Auch wenn er immer einen Golfschläger im Kofferraum liegen hat, stehe er derzeit nicht besonders gut im Training, sagt er.

Natürlich muss auch die Musik passen – rhythmische, metrische Kompositionen seien ideal. Schostakowitsch, Rimski-Korsakow und Brahms werden erklingen, ebenso wie der berühmte Bolero von Ravel. Und natürlich der Hummelflug zum Finale. Dann schlagen 60 bis 80 Golfer auf. Innerhalb von eineinhalb Minuten jagen rund 3000 leuchtende Bälle durch den Himmel. Die Musiker können das Schauspiel übrigens nicht mit erleben, weil es sich neben der Bühne abspielt. Dafür müssen sie aber auch keine Angst vor einschlagenden Bällen haben. Beim ersten Golf & Classics-Konzert schlug ein Ball gegen eine Stange der Bühne, prallte zurück und flog ins Orchester. Zum Glück blieb’s bei einem blauen Fleck. Seitdem wird das Orchesterzelt hermetisch abgeschirmt.

Golf & Classics am 7. September um 20 Uhr im Land Fleesensee, Göhren-Lebbin. Kartenbestellung unter Tel. 0180 5288244

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