Neu im Kino:

Das Dschungelbuch: Spektakuläre Bilder, altbekannte Geschichte

„Das Dschungelbuch“ gehört zu den Filmklassikern. Doch das Werk von 1967 wird bald 50 Jahre alt. Zeit für eine Neuauflage, dachte man sich wohl bei Disney. Das neue „Dschungelbuch“ punktet mit tollen Bildern. Doch irgendwie fehlt auch etwas.

Mogli und Baghira im neuen Kinofilm.
©2015 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved Mogli und Baghira im neuen Kinofilm.

Ein weiterer Klassiker kehrt auf die Leinwand zurück: „The Jungle Book - Das Dschungelbuch“. Disney legt seinen berühmten Zeichentrickfilm von 1967 neu auf, als visuell beeindruckende Mischung aus real gedrehtem Film und Computertechnik.

Inhaltlich ist es „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau allerdings leider nicht gelungen, sich von dem alten Kultfilm zu lösen und Rudyard Kiplings Werk eigenständig zu interpretieren. So ist das neue „Dschungelbuch“ zwar technisch hervorragend umgesetzt, letztlich aber doch nur eine Nacherzählung eines längst bekannten Stoffs. Auch die Leichtigkeit und den Charme der fast 50 Jahre alte Zeichentrick-Vorlage kann der neue Film über weite Strecken nicht erreichen.

Düsterer und aufregender erzählt

Ein paar starke Akzente setzt Favreau dennoch. So ist Moglis Welt dieses Mal nicht so süßlich und gemütlich, wie in Disneys altem Film. Die Geschichte, wie der bei den Wölfen aufgewachsene Menschenjunge gegen den Tiger Shir Khan kämpft, ist wesentlich düsterer und aufregender erzählt - und rückt damit näher an Kiplings Bücher heran. Elefanten-Colonel Hathi ist auch kein trotteliger Anführer. Wenn er mit seiner grauen Herde anrückt, verneigen sich die Urwald-Bewohner ehrfürchtig.

Außerdem ist Moglis Verhältnis zu seinen Freunden in der neuen Fassung weniger sorglos. Balu (deutsche Stimme: Armin Rohde) etwa ist nicht nur der nette Onkel, mit dem er Spaß hat. Der Bär ist widersprüchlicher; unter seiner Freundlichkeit verbirgt sich einiges an Opportunismus. Auch mit dabei: die Schlange Kaa (Jessica Schwarz), der Panther Baghira (Joachim Król), der böse Shir Khan (Ben Becker) und der Affenkönig Louie (Christian Berkel).

Auch die alten Lieder kommen vor

Ein wichtiges Element im neuen „Dschungelbuch“ ist die Spannung. Immer wieder gerät Mogli im Urwald in Gefahr, dramatische Szenen spielen sich ab, für jüngere Kinder vielleicht etwas beängstigend. Einige komische Momente lockern die Stimmung dennoch auf, ebenso wie die altbekannten Lieder, die durch den Zeichentrickfilm zu Kultsongs wurden. Angesichts der oft düsteren Tonalität des Films wirken sie allerdings eher aufgesetzt und fast fehl am Platz.

Wenn Balu im alten Zeichentrickfilm unbekümmert durch den Urwald trampelt, Ameisen unter Steinen aufleckt und sich mit Mogli amüsiert, kann er gar nicht anders kann, als vor Lebensfreude loszusingen: „Probiers mal mit Gemütlichkeit“. In der Neuauflage ist das nicht so. Zwar freunden sich Mogli und Balu hier auch an, doch innig wirkt ihre Beziehung nicht. Balu ist ohnehin kein Ausbund an Frohsinn, dem man diesen Freudenausbruch so ohne Weiteres abnimmt. Authentischer wirkt Affenkönig Louie, wenn er neidvoll singt: „Ich wäre gern wie du“. Hörenswert im englischen Original ist übrigens Scarlett Johansson als die Sinne verwirrende Riesenwürgeschlange Kaa, die Mogli einwickeln will. Leider verschwindet ihr wunderbar verführerisch gesungener Song im Abspann: „Trust in me - Vertraue mir!“.