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Das ist ja zum Kugeln

Es klickt, kracht und rattert. Flipperautomaten lassen im Zeitalter von Smartphones und Spielekonsolen eine alte Kultur aufleben. Im Schweriner Flippermuseen rasen die Kugeln noch mechanisch über die Spieltische.

Mehr als 90 funktionstüchtige Flipper machen die seit 2008 aufgebaute Sammlung inzwischen zu einem Hort für Spielwütige der alten Schule.
Jens Büttner Mehr als 90 funktionstüchtige Flipper machen die seit 2008 aufgebaute Sammlung inzwischen zu einem Hort für Spielwütige der alten Schule.

Flippern verlangt vollen Körpereinsatz. Da wird gerüttelt und geschüttelt, gehüpft und geschickt geschnipst. „Der Flow muss stimmen, die Kugel braucht den richtigen Drive“, meint Arne Hennes. Konzentriert lässt der 49-jährige Diplom-Informatiker Stahlmurmeln über schiefe Ebenen rasen, Rampen hochrollen und in Löchern verschwinden. Er jagt Drachen, Wikinger, Ungeheuer, löscht Brände oder trifft Basketballkörbe. Zu gewinnen gibt es Punkte, Freirunden, Extrabälle, jedoch niemals Geld. Historische Spieltische aus aller Welt hat Hennes – gebürtiger Rheinländer – im ersten norddeutschen Flippermuseum in Schwerin zusammengetragen.

An allen Automaten kann noch gespielt werden

In Deutschland gibt es mittlerweile zwei Flippermuseen – eins in Neuwied bei Koblenz (Rheinland-Pfalz) und seit 2008 ein weiteres in Schwerin. Obwohl die Sammlung nur an Wochenenden oder für angemeldete Schulklassen und Touristengruppen geöffnet hat, kämen jährlich bis zu 4000 Besucher in die umgestalteten Räume einer ausgedienten Berufsschule, erzählt Hennes. „Wir haben erwachsenes Stammpublikum aus Hamburg oder Berlin, Fans, Fachleute, Manager, Nostalgiker, Familienväter, die hier ausgelassen ihrer Jugendkultur frönen.“ Denn alle Exponate könnten ohne Münzeinwurf gespielt werden. An dem amerikanischen Game-Oldtimer „Fire!“ hatte sich ein Besucherpaar einst kennengelernt, wie es erzählt, und Jahre später dann „ihren“ Flipper in Schwerin wiedergefunden.

Der Schweriner Fundus reicht von hundert Jahre alten, hölzernen Murmelbrettchen, den Vorläufern der gewaltigen Kugelspiellandschaften, bis hin zu glitzernden, blinkenden Hightech-Wundern mit fantasievoller Bemalung, diversen Spielebenen, ausgeklügelten Funktionen und Effekten. „Flipper erzählen Geschichten, von Reisen, Traumwelten, der Tiefsee und dem Weltall, von Sportevents, Autorennen, Action, Fantasy und Filmen“, schwärmt Hennes. In jedem Fall viel Platz brauchten die schwergewichtigen Maschinen, die locker bis zu 200 Kilogramm auf die Waage bringen.

Auch die DDR entwickelte Flipper

Der Boom des Spielriesen begann in den 30ern und erreichte in den 1970er Jahren seinen Höhepunkt. Ende der 80er verschwanden sie langsam. Kurioserweise entwickelte die DDR noch kurz vor ihrem Ende in den 80er Jahren den eigenen Spielautomaten „Poly Play“, an dem sich „Hase und Wolf“ jagen oder das Agieren bei einem „Wasserrohrbruch“ simuliert wird. Von den damals rund 2000 Geräten, die im VEB Polytechnik Karl-Marx-Stadt zusammengelötet wurden, findet sich in Schwerin die Baunummer 1545. Auch dieser letzte ostdeutsche Spielautomat fordert dem Nutzer Geschick und Konzentration ab – bis zum „Game over!“