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Das Kinojahr 2013 – Ein Rückblick

Nun ist es also amtlich: Der erfolgreichste Kinofilm des Jahres heißt „Fack ju Göhte“. Damit stößt der nette Begleitfilm zum hiesigen Bildungsnotstand den großen Quentin Tarantino von seinem Thron.

"Fack Ju Göthe" ist die absolute Nummer eins in den deutschen Kinos.
Constantin Film Verleih "Fack Ju Göthe" ist die absolute Nummer eins in den deutschen Kinos.

Welche Filme lockten die Deutschen in diesem Jahr sonst noch vom heimischen Sofa in die Dunkelheit des Kinosaals, wo sie in Gemeinschaft Abenteuer erlebten, lachten oder sich gar weiterbildeten? Unter den zehn Spitzenreitern findet sich viel Austauschbares. „Hangover 3“ wollten wieder über drei Millionen Zuschauer sehen, obwohl schon der zweite Teil nicht mehr lustig gewesen war. Die einheimischen Produktionen „Kokowääh 2“ und „Schlussmacher“ boten kurzweilige Unterhaltung, auch die Fortsetzungen von „Die Schlümpfe“ und „Ich – Einfach unverbesserlich“ trafen den Nerv ihrer Zielgruppe. „Fast & Furious 6“ wird als letzter Film des tödlich verunglückten Paul Walker in trauriger Erinnerung bleiben. Einzig im Falle der Endzeit-Saga „Die Tribute von Panem - Catching Fire“ wird man aber wirklich einer Fortsetzung entgegensehnen.

Stößt Elyas M'Barek Matthias Schweighöfer vom Thron?

Matthias Schweighöfer wurde seinem Ruf als Kassenmagnet einmal mehr gerecht („Kokowääh 2“, „Schlussmacher“, „Frau Ella“), Elyas M'Barek droht ihm allerdings den Rang abzulaufen. Der 31-jährige führte nicht nur „Göhte“ zum Erfolg, er spielte auch eine kleinere Rolle in der gelungenen Fantasy-Adaption „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“. In der Literaturverfilmung „Der Medicus“, die am 25. Dezember startete, mischt M'Barek ebenfalls mit. Eine einmalige Angelegenheit wird wohl der Ausflug von Stargeiger David Garrett ins Filmgeschäft bleiben. Im Paganini-Streifen „Der Teufelsgeiger“ wurde sehr deutlich, wo seine wahren Talente liegen.

Erstaunlich: Literatur fast genauso beliebt wie Action

Manchmal geschehen aber auch noch kleine Wunder. So haben sich ähnlich viele Zuschauer die Literatur-Verfilmung „Nachtzug nach Lissabon“ angeschaut wie die Action-Spektakel „G.I. Joe - Die Abrechnung“ oder „Man of Steel“. Margarethe von Trottas leise Biografie der „Hannah Arendt“ oder der kauzige Bayernkrimi „Dampfnudelblues“ setzten sich gegen Muskelmann Vin Diesel in „Riddick - Überleben ist seine Rache“ und den Judd Apatow-Spaß „Immer Ärger mit 40“ durch. Und Edgar Reitz´ beinahe vierstündiges, schwarzweißes Werk „Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht“ schlug den guten, alten Sylvester Stallone mit „Shootout“. Das Publikum ist ganz offensichtlich anspruchsvoller, als die Filmindustrie wahrhaben möchte. Apropos.

Die aufwändigen Science-Fiction-Spektakel „Oblivion“ mit Tom Cruise und „After Earth“ mit Will Smith konnten es trotz großen Tamtams nicht mit dem nervenzerreißenden, minimalistischen und handwerklich perfekten Space-Thriller „Gravity” von Alfonso Cuarón aufnehmen. Das gute, alte Raumschiff Enterprise flog in „Star Trek - Into Darkness“ allerdings allen Mitbewerbern davon.

Weißes Haus stand auf dem Abschuss-Plan

Gleich zweimal binnen weniger Wochen wurde das Weiße Haus in 2013 zum Ziel von Terroristen. Die Filme „Olympus Has Fallen“ mit Gerard Butler und Roland Emmerichs „White House Down“ wiesen erstaunlich viele Parallelen auf. Während der zuerst gestartete „Olympus“ in Amerika die Nase vorn hatte, hielten hierzulande die allermeisten Kinobesucher dem schwäbischen Hollywood-Export die Treue.

Kleine, feine Produktionen aus aller Welt machten fremde Lebensrealitäten für das Publikum erfahrbar. „Das Mädchen Wadjda“ zeigte uns den Alltag in Saudi Arabien, „The Lunchbox“ katapultierte den Zuschauer direkt in den Moloch des indischen Mumbai  und der Berlinale-Gewinner „Mutter und Sohn“ machte deutlich, wie die Menschen in Rumänien ticken. Die Darstellerin der dealenden Omi „Paulette“, die französische Filmlegende Bernadette Lafont, verstarb völlig überraschend nur wenige Tage nach dem deutschen Start ihres letzten Filmes, der zum Publikumsliebling avancierte.

Viele Größen des Kinos 2013 verstorben

Bei der Oscar-Verleihung im nächsten Februar wird es still werden, wenn die Filmgemeinde von so beliebten Stars wie James Gandolfini, Cory Monteith, Paul Walker, Joan Fontaine und Peter O´Toole Abschied nimmt. Im deutschsprachigen Raum trauern wir u.a. um Dieter Pfaff, Eddie Arent und Otto Sander, Heinz Meier und Hans von Borsody. Auch der große Ray Harryhausen, Schöpfer bahnbrechender Spezialeffekte in Klassikern wie „Jason und die Argonauten“ oder „Sindbad und das Auge des Tigers“, hat seine berühmten Miniatur-Skelette für immer aus der Hand gelegt.

Wenn pro Woche bis zu 18 neue Produktionen an den Start gehen, kann ein Rückblick wie dieser natürlich nur an der Oberfläche kratzen. Der Cineast wird immer einen lohnenden Film in einem Kino in seiner Nähe entdecken. Bleibt zu hoffen, dass er sich das Vergnügen auch 2014 noch leisten kann.      

Ach ja: Der Preis für den absurdesten Filmtitel geht in diesem Jahr zweifellos an „Der letzte Exorzismus 2“. 

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