Film-Dokumentation über Helge Schneider:

Das Porträt eines Clowns

„Katzeklo, Katzeklo, ja das macht die Katze froh“: Helge Schneider ist für skurrilen Humor bekannt. Ein Film geht dem jetzt nach – und überrascht vor allem mit seinen leisen Augenblicken.

Wie beruhigend, dass selbst ein Helge Schneider noch Träume hat – und wenn es nur eine längere Badewanne ist.
Petra Lisson Wie beruhigend, dass selbst ein Helge Schneider noch Träume hat – und wenn es nur eine längere Badewanne ist.

Es ist ruhig geworden um Helge Schneider. Doch in einer Dokumentation hört man ihn jetzt sagen: „Ich hab’ noch Träume.“ Eine längere Wanne nämlich, die – „verdammt noch mal“ – würde er sich aktuell wünschen. Den Komiker sieht man währenddessen mit angewinkelten Beinen in einer viel zu kurzen Badewanne sitzen. Dem Zuschauer streckt er, nun ja, lasziv sein Männerbein entgegen.

Es ist eine schreiend komische Szene aus dem neuen Dokumentarfilm „Mülheim Texas – Helge Schneider hier und dort“, der nun ins Kino kommt. Vor grob einem Jahr hatte Schneider seinen vorläufigen Abschied von der Bühne angekündigt. Am 30. August wird Schneider 60 Jahre alt. Der 90-Minuten-Film über ihn kommt gerade rechtzeitig vor dem runden Geburtstag.

Er hat nicht gern, wenn man zu viel über ihn weiß

Bei Helge Schneider dürften viele immer noch zuerst an seinen Klamauk-Hit „Katzeklo“ von 1994 denken. Doch das Spektrum des Improvisationskünstlers ist viel größer: In der Doku sieht man den Jazz-Musiker etwa am Klavier, an der Gitarre, am Akkordeon oder am Saxofon; auch beim Zeichnen ist er zu sehen.

Dass Schneiders insgesamt doch recht skurriles Wirken harte Arbeit sein muss, wird deutlich, wenn er sagt: „Ich mag es, nach Richtlinien, nach strengsten Richtlinien zu musizieren und innerhalb dieser Grenzen, dieser Richtlinien auszubrechen, aber immer wieder zurückzukommen, denn sonst kann ich ja nicht mehr ausbrechen.“

Von Schneider weiß man, dass er seiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr eng verbunden ist oder dass er sechs Kinder von vier Frauen hat. Er hat es aber nicht gerne, wenn man zu viel über ihn weiß, wie er in der Doku betont: „Geheimnisse sind wichtig.“ Als Beispiel nennt er den Maler Vincent van Gogh: „Stell’ dir mal vor, die Leute wüssten, wie der so gewesen ist, wenn er einkaufen geht.“

Der Film hat oft die Ästhetik eines Roadmovies

Filmemacherin Andrea Roggon hatte es nicht leicht, Schneider näherzukommen. Die Aufgabe, einen Film über ihn zu drehen, sei eine noch viel größere Herausforderung geworden als ohnehin erwartet, resümiert die Regisseurin. Einen Eindruck davon bekommt auch der Zuschauer. „Der Widerstand Helges, sich auf dieses Porträt einzulassen wird miterzählt“, lobte die Jury beim Max-Ophüls-Festival, wo „Mülheim Texas“ einen Förderpreis gewann.

Der Film lebt auch von eher leisen Augenblicken. So sagt Helge Schneider: „Weil ich rote Haare hatte, wollten früher die anderen Jungs nicht mit mir spielen.“ Als Rothaariger habe er diese Außenseiterrolle aber kultiviert: „Ich hab’ mir dann einen grünen Anzug angezogen als ich 15 war und bin in die Stadt gegangen und hab’ mich auf die Straße gesetzt und Gitarre gespielt.“ Als Clown sieht er sich, sagt er in der Doku mehrmals.

Über weite Strecken hat „Mülheim Texas“ die Ästhetik eines Roadmovies. Gleich am Anfang sieht man Schneider auf dem Motorrad in einer Wildwest-Landschaft über Straßen und staubige Pisten fahren. An anderen Stellen des Films sitzt er am Autosteuer, und die Ruhrgebietslandschaft zieht vorbei.

Und wie so oft in Roadmovies schwingt auch die Frage nach der Freiheit mit. Schneider hat hier seine eigene Antwort: Freiheit, die müsse man sich nehmen – „tschüss“. Er sagt’s, steht auf und geht. Der Zuschauer hört nur noch das Knallen einer Tür.

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