Dirk Zöllner:

Das ständige Feiern schlaucht den Ost-Star

Kurz vor seinem Konzert in Eggesin sprach Reporterin Katja Müller mit Dirk Zöllner über die Entwicklung seiner Musik, Höhen und Tiefen sowie über die ganz besondere Freundschaft zu André Gensicke und zum Rotwein.

Dirk Zöllner macht mo in Eggesin Station. In der Kultuwerkstatt wird er zusammen mit André Gensicke singen und spielen FotoS: Die Zöllner
Dirk Zöllner macht zusammen mit André Gensicke in der Eggesiner Kulturwerkstatt Station

Die Stimme ist das Aushängeschild eines Musikers. Nun sind Sie über 50 Jahre. Haben Sie schon etwas am Stimmumfang eingebüßt oder ist die Stimme gar viel besser geworden?

Man büßt wohl immer etwas in der Höhe ein, aber ich denke, man gewinnt auch. Denn die Stimme reift mit den Jahren. Als junger Sänger versucht man, sich zu verstellen – man ist nicht so individuell. Ich höre mich heute lieber als früher.

Immer unterwegs. Ständig andere Hotelbetten. Immer auf der Bühne im Rampenlicht. Sind die Muggen anstrengender geworden als beispielsweise noch vor 30 Jahren?

Die körperlichen Kräfte lassen nach. Zudem ist der Applaus bei jedem Konzert unnatürlich schön, und diesen Augenblick versucht man mit Rotwein zu konservieren und zu feiern. Aber das ständige Gefeiere schlaucht auch. (lacht)

Im Internet gibt es alles. Musik ist nicht mehr nur die Melodie vom Tonband oder der Platte beziehungsweise live. Ist das Überleben als Musiker heute schwieriger?

Mit Sicherheit. Aber für die, die jetzt anfangen, ist es wesentlich schwerer. Der Musikmarkt im Radio wird beispielsweise von den vier großen Plattenfirmen bestimmt. Das ist nicht mehr nur Musikgeschmack, was dort gespielt wird, sondern vielmehr eine Vermarktung. Für altgediente Musiker wie uns ist das Livekonzert entscheidender als die Zahl der verkauften CDs. Und unsere Fans werden immer mehr. Das ist super.

Sie stehen mit 50 Jahren mitten im Leben und noch auf der Bühne. Wie sieht die Ferne aus – mit 70 Jahren. Welche Bühne ist dann Ihre? Wo werden Sie leben und spielen?

Das wird die Zeit zeigen. Ich lebe oft von der Hand in den Mund. Ich lebe aber gern so. Also sind weitreichende Pläne nicht drin, auch kein dickes Polster, von dem ich mir in zehn oder zwanzig Jahren einen lang gehegten Traum erfüllen kann. Das ist nicht schlimm. Ich versuche einfach weiterhin dem Winter zu entfliehen. Und wer weiß, vielleicht schreibe ich irgendwann nur noch Bücher.

Eine Autobiografie ist ja schon erschienen. Dürfen sich die Zöllner-Freunde und –Fans also noch auf weitere Zeilen von Ihnen freuen?

Ja mit Sicherheit. Denn bei der Autobiografie bleibt ja ganz viel auf der Strecke. Man will sich nicht völlig entblößen und muss auch aufpassen, dass man andere nicht verletzt. Aber man kann aus dem durchaus einen Roman machen. Und mal schauen, was das Jahr noch so bringt...

Einen Roman von Dirk Zöllner vielleicht?

Vielleicht! Die ersten Zeilen sollen auf jeden Fall noch in diesem Jahr geschrieben werden. Die Ideen schwirren schon lange in meinem Kopf. Und der Verlag ist auch überzeugt, dass durchaus noch was kommen könnte.

Wann wird das Buch erscheinen?

2015 eventuell. Mal sehen.

In einem Interview haben Sie einmal gesagt: „Ich bin kein Workaholic, ich bin ein bezahlter Urlauber.“ Dennoch gibt es Pausen mit der Familie an der See. Welche Art Urlaub ist der Ausflug ans Haff?

Ich kann das machen, was mir Spaß macht: Musik. Das ist eben wie Urlaub. Und oft verbinde ich die Tourtermine mit kleinen Verschnaufpausen, oft mit lieben Menschen. Denn meine Familie und Freunde kommen mit oder reisen hinterher. Es ist nie ein reiner Arbeitsauftrag.

André Gensicke wird sie begleiten. Von 1997 bis 2002 gab es eine Pause zwischen Ihnen beiden. Nun stimmen Sie seit gut zehn Jahren wieder gemeinsam Lieder an. Was ist noch übrig von der alten Freundschaft, den schönen alten Melodien?

Ganz viel. Denn während der Trennung hat er mir unendlich gefehlt. Wir ergänzen uns musikalisch so super. Ihn kann niemand ersetzen. Wir sind wie ein altes Ehepaar. Es geht nicht ohneeinander. Obwohl wir auch nicht ständig zusammen sind, passen wir einfach. Wir verstehen uns blind. Das ist einmalig.

Klingt es immer noch wie früher?

Ich würde sogar sagen, es klingt besser. Wir streiten uns nicht mehr so oft. Und in meine kantigen Sachen packt er die nötigen weichen Elemente und umgekehrt.

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