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Das war das Kinojahr 2014

Für 2015 bleibt noch Luft nach oben, aber im Kinojahr 2014 gab es doch auch ein paar sehr schöne Film-Highlights. Wir fassen sie zusammen.

Francois Duhamel/Tobis Film Der hochgelobte Film "12 Years a Slave" bekam 2014 den Oscar. Hier in der Szene Chiwetel Ejiofor (links) und Brad Pitt.

Auf diese Idee hätte man eigentlich auch hierzulande kommen können: Ein Vater von vier bildhübschen Töchtern muss sich in Toleranz, Respekt und Weltoffenheit üben, als seine Mädels vier Schwiegersöhne aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen mit nach Hause bringen. Allein in Deutschland wollten sich 3,6 Millionen Zuschauer die französische Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ nicht entgehen lassen – das ist gleichbedeutend mit dem Spitzenplatz der Kinohitparade 2014. Unser sympathischer Nachbar zeigt uns nach „Willkommen bei den Sch´tis“ und „Ziemlich beste Freunde“ ein weiteres Mal, wie man im Alltag kleine Geschichten entdeckt, deren komisches Potential sich, nur ein klein wenig überspitzt, auf der Leinwand zu großem Kino entfaltet.

Bei Kopfgeburten klingeln die Kinokassen nicht

Hierzulande dreht man einerseits enthusiastisch am großen Publikum vorbei. Kopfgeburten wie „Stiller Sommer“, „Die Wolken von Sils Maria“ oder „Vergiss mein Ich“ haben an der Kinokasse nicht für tumultartige Szenen gesorgt. Oftmals kam einem hier die nicht ganz ernst gemeinte Weisheit in den Sinn, dass Kunst von Können kommt und nicht von Wollen, weil es sonst ja Wunst heißen würde. Auf der anderen Seite machen Komödien, die das kleinste gemeinsame Vielfache bedienen, weiterhin Umsatz. „Vaterfreuden“ oder „Männerhort“ seien als Beispiele genannt. Aber natürlich gab es in diesem Jahr auch sehenswerte einheimische Produktionen. Das Kinodebüt des Büro-Ekels „Stromberg“ das von Fans mitfinanziert wurde, brachte eine Menge anarchischen Spaß. „Wir sind die Neuen“ thematisierte den Kampf der Generationen und traf damit einen Nerv. Der Mystery-Thriller „Stereo“ und das Hacker-Abenteuer „Who Am I - Kein System ist sicher“ wagten den gefährlichen Ausflug ins Genre-Kino. Zumindest in letzterem Fall wurde der Mut belohnt. Kleine, feine Produktionen rechneten mit dem kapitalistischen Optimierungswahn ab („Zeit der Kannibalen“) oder befassten sich mit den Nöten von Langzeitarbeitslosen („Ein Geschenk der Götter“). Leider ging der zu Recht vielfach preisgekrönte Alpen-Western „Das finstere Tal” im Filmtheater ein wenig unter. Die Zuschauer werden den packenden Heimatfilm auf dem Fernsehschirm für sich entdecken.

Es waren natürlich wieder die amerikanischen Blockbuster, die groß absahnten. Die Zerstörungsorgie „Transformers 4: Ära des Untergangs“, das etwas andere Superhelden-Abenteuer „Guardians of the Galaxy“ oder die kluge und düstere Zukunftsvision „Die Tribute von Panem: Mockingjay 1” belegten dabei Spitzenplätze neben den animierten Doubletten „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ und „Rio 2 – Dschungelfieber“. Immerhin findet sich mit Martin Scorseses „The Wolf Of Wall Street“ auch ein amerikanischer Film unter den Top Ten, der auf eine fesselnde Geschichte und exzellentes Schauspiel setzte. Spektakel wie „I, Frankenstein”, „Dracula Untold“ und teilweise leider auch „Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“ vergaßen ob ihrer Schauwerte, eine Geschichte von bleibendem Wert zu erzählen.

Diese Dokus sind eine ästhetischer Genuss

Großangelegte Filmbiografien huldigten mehr oder minder erfolgreich „Diana“, „Grace of Monaco“, „Yves Saint Laurent” oder Nelson Mandela („Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“). Aktuell kann man noch das Leben des Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ Revue passieren lassen. Der Freund des gepflegten Dokumentarfilms kam im Kino ebenfalls auf seine Kosten. Werke wie „Watermark”, Wim Wenders´ „Das Salz der Erde“ oder das erstaunliche Donald Rumsfeld-Porträt „The Unknown Known“ waren ein ästhetischer Genuss und/oder spannender als mancher Krimi.

Das aufgrund seiner Intensität nicht leicht auszuhaltende Sklaverei-Drama „12 Years A Slave“ war ein würdiger Oscar-Gewinner anno 2014. Aber auch Richard Linklater hätte eine hohe Auszeichnung verdient. In seinem unspektakulär schönem Film „Boyhood“ wird der Zuschauer Zeuge, wie ein Sechsjähriger zu einem Jugendlichen und schließlich zu einem jungen Mann reift. Und das ganz ohne Tricks und Spezialeffekte, gedreht wurde tatsächlich über einen Zeitraum von 12 Jahren hinweg. Dass man mündige Zuschauer nicht mit künstlich aufgebauschten Möchtegern-Skandalen ins Kino lockt, zeigte indes der überschaubare Erfolg von Lars von Triers „Nymph()maniac“-Streifen.

Auch 2014 galt es wieder, von zahlreichen Filmschaffenden Abschied zu nehmen. Mitunter waren die Umstände ihres Dahinscheidens besonders tragisch, so im Falle der Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman und Robin Williams. Die großen Filmemacher Richard Attenborough und Mike Nichols sind ebenso von uns gegangen wie die Schauspiellegenden Shirley Temple, Mickey Rooney und Lauren Bacall. Auch im deutschsprachigen Raum senkte sich der letzte Vorhang für einige Stars, die mehrere Generationen mit ihrer Kunst und als engagierte Menschen beeinflusst haben: Maximilian Schell, Karlheinz Böhm und Joachim Fuchsberger werden eine Lücke hinterlassen.

Die ganz große Kinosensation ist 2014 ausgeblieben, Filmgeschichte wurde wohl nur selten geschrieben. Dem Tagesbedarf an guter Unterhaltung wurde offenbar Genüge getan. Für 2015 bleibt aber noch viel Luft nach oben.

 

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