Gojko Mitic zurück auf der Bühne:

DDR-Chefindianer baut sein Tipi in der Uckermark auf

Vor 40, 50 Jahren war Gojko Mitic der Held fast aller Jungen. Wie er wollten wir alle durch die Prärie reiten und gegen die Bösen kämpfen. Während viele von uns heute einen Bauch tragen und bequem geworden sind, reitet Gojko noch immer.

So kennen wir ihn: Gojko in dem Film "Weiße Wölfe".
Nordkurier-Archiv So kennen wir ihn: Gojko in dem Film "Weiße Wölfe".

Eine Bedingung hat Gojko Mitic für ein Engagement beim Schwedter Sommerspektakel gleich zum Anfang gestellt. Es muss ein Pferd geben. Ein Pferd, auf dem der frühere DDR-Chefindianer auf die Bühne reitet. Regisseur Gerhard Kähling und Dramaturg Max Beinemann bastelten ein bisschen an ihrem schon fertigen Stück „Die Verschwörung von Chorin“, um Gojko und seinem Pferd ihren großen Auftritt zu ermöglichen.

Dies sei allerdings nicht ganz einfach gewesen, so Kähling. Der Gesetzgeber baut einem Ross, das auf die Bühne will, hohe Hürden auf. Erst als die Besitzerin schließlich auch noch ein polizeiliches Führungszeugnis nachweisen konnte, hatte Gojko sein Pferd sicher. „Ghamiro“ – so heißt der Wallach. Ein Araber, dem der reiterfahrene Mitic durchaus einen überzeugenden Auftritt vor 700 Zuschauern zutraut. Kähling ist sich noch nicht sicher, ob wirklich alles gut. Er denkt sogar schon an den einen oder anderen Pferdeapfel, der auf der Bühne liegen bleibt. „Wir werden ihn so trainieren, dass nichts passiert. Auch das nicht!“ Gojko Mitic lacht schallend.

Der Held aller Jungen und der Traum der Mädchen

Das sind für ihn alles keine Probleme. Solche Unwägbarkeiten lächelt er mit einem charmanten Lächeln und herrlicher Unkompliziertheit weg. Dieser Mann hat schon ganz andere Dinge erlebt – erst recht mit Pferden. Etwas versonnen schaut er auf ein altes Foto. Gojko reitet vor einer Pferdeherde. Das Bild stammt aus dem Film „Der Scout“, in dem Gojko den Häuptling „Weiße Pferde“ spielt. Der Defa-Film wurde 1982 in der Mongolei gedreht. 12 000 Pferde seien das damals gewesen. „Als ich mitten drin war in der Masse, war mir doch etwas mulmig“, sagt er.

Gojko Mitic schaut schmunzelnd in die Runde. Der Star, der Regisseur und der Dramaturg sitzen mit einigen Journalisten an einem Tisch auf der Odertalbühne der Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Gojko Mitic liebt es, die alten Geschichten zu erzählen. Einfach so, ohne Koketterie. Dabei dürfte er sich durchaus ein wenig Eitelkeit leisten. Kaum zu glauben, aber der DDR-Chefindianer wird am 13. Juni, einen Tag nach der Premiere von Schwedt, 75 Jahre alt. Er war der Held wohl fast aller Jungen – dank seines gestählten Oberkörpers sicher auch vieler Mädchen – in der DDR. Wie er so dahinritt durch die amerikanische Prärie, symbolisierte er wie kein anderer den Kampf des Guten gegen das Böse, den Kampf der Indianer gegen die „Weißen Wölfe“, so der Titel einer seiner Filme. Noch dazu hatte er Muskeln ohne Ende, konnte schießen wie ein Teufel, egal ob mit Pfeil und Bogen oder der Winchester.

Tod des Häuptlings sorgt für Bestürzung

In seinen Filmen trug er so klangvolle Namen wie Tokai-ihto und Chingachgook, Weitspähender Falke und Osceola. Nicht zu vergessen Tecumseh, „der größte Indianer überhaupt“. Gojko Mitic scheint fast ein wenig zu seufzen. Vor mehr als 40 Jahren wurde der Film mit historischem Hintergrund gedreht. Nachdem die Weißen den Indianerstämmen ihren Boden durch zwielichtiger Kaufverträge abgeluchst haben, schafft es Tecumseh, die Stämme zum gemeinsamen Kampf zu vereinigen. Am Ende stirbt der Häuptling.

Das traf Gojkos Fans in der DDR ins Herz, so als ob der Schauspieler selbst gestorben sei. Er weiß noch, wie schnell es Proteste gab, als der Autor der Filme seinen besten Indianer schon zuvor einmal hat sterben lassen, weil der mal was anderes spielen wollte. „Ich musste ganz schnell wieder auferstehen“, sagt Gojko.

Ihm ist bewusst, dass die Menschen mit DDR-Sozialisation gar nicht anders können, als ihn immer wieder auf die Indianerfilme anzusprechen. „Einmal Indianer, immer Indianer. Das ist doch nicht die schlechteste Schublade“, sagt er schulterzuckend. Zumal er auch in den anderen „Ostblock-Staaten“ erkannt werde. Vor wenigen Monaten sei er in Moskau und in der Kaukasus-Republik Ossetien gewesen. „Der Ministerpräsident war wie ein Kind, als wir uns trafen“, sagt Mitic. Als Schüler, so erzählte ihm der Premier, habe er sich für drei aufeinanderfolgende Vorstellungen an einem Tag Karten für den gleichen Indianerfilm mit ihm gekauft und dafür sogar die Schule geschwänzt.

Das morgendliche Schwimmen hält ihn fit

In der „Verschwörung von Chorin“ spielt Gojko Mitic natürlich keine Rothaut. Hans Georg von Arnim, so heißt der Adlige, den Gojko Mitic gibt. Auch wieder eine Figur, die zum Sympathieträger wird: Der Feldherr soll, in Wallensteins Diensten stehend, im 30-jährigen Krieg die Steuern in der Mark Brandenburg eintreiben. In der Uckermark stößt er auf die couragierte Amtfrau Bernadette von Buch, die ihn zum Kampf herausfordert. Sie unterliegt. Aus Hass wird Liebe. „Eine schöne Lovestory“, sagt Frauentyp Gojko schmunzelnd.

Auf der Bühne wird er nicht nur reiten. Er liefert sich auch heiße Kämpfe und hat in der Hauptrolle ein ordentliches Textpensum zu erledigen. Fitness, das sei für ihn kein Problem. Sein Haus liege direkt an der Dahme. „Ich schwimme jeden Morgen, danach eine kalte Dusche“, sagt er. Zudem fahre er viel Fahrrad und sei mit dem Kanu unterwegs. Und noch ein spezieller Tipp für die Männer? „Ein Bierchen weniger am Abend und keine Zigaretten.“ Das hatte ihm schon seine Großmutter geraten: Hände weg vom Feuerwasser und dem Tabak.

An so etwas wie ein Renteneintrittsalter denkt der bald 75-Jährige nicht. Im August fährt er für einen Dreh in seine Heimat, nach Kroatien. Ein Privatsender plant drei neue Karl-May-Filme. „Ich soll einen alten, etwas verkommenen Indianer spielen. Warum nicht.“ Ein Schauspieler gehe niemals in Rente, sagt Gojko Mitic. Ein Indianer auch nicht.

 

Premiere am Freitag, 12. Juni, um 20 Uhr. Folgende Vorstellungen am 20., 26. und 27. Juni (jeweils 20 Uhr) sowie im Juli. Ticketbestellung unter Telefon: 03332538-111.

www.theater-schwedt.de

 

Für die Vorstellung am 20. Juni verlosen wir zweimal zwei Freikarten, die die Uckermärkischen Bühnen Schwedt zur Verfügung stellen. Sie müssen allerdings die Frage beantworten, in welchem Land Gojko Mitic 1940 geboren wurde. Rufen Sie uns am Montag, 8. Juni, zwischen 8.30 Uhr und 8.45 Uhr unter Telefon 03954575242 an.