Neu im Kino:

La Buena Vida – Das gute Leben

Ein kolumbianisches Dorf steht einem Tagebau im Wege und soll umgesiedelt werden. Die Abgesandten der Firma reden mit Engelszungen und versprechen für das neue Heim paradiesische Verhältnisse. Während sie selbst Wein trinken, bekommen die Dorfbewohner nicht einmal das gepredigte Wasser.

Szene aus dem Film La Buena Vida.
Börres Weiffenbach Szene aus dem Film La Buena Vida.

Das Leben in unserer reichen und satten westlichen Welt ist schon deshalb nicht leicht, weil wir jeden Tag aufs Neue verdrängen müssen, dass sich unser Wohlstand auf dem Leid anderer Menschen irgendwo auf diesem Planeten gründet. Ob billige Klamotten, Rohstoffe für die Handyproduktion oder ganzjährig verfügbares Obst und Gemüse aus fernen Gefilden, immer sind irgendwo bitterarme Menschen dazu verdammt, unseren Konsum mit ihrem Lebensglück zu bezahlen. Aber aus den Augen, aus dem Sinn. Wir könnten sowieso nichts gegen die Ausbeutung tun. Ein Spielverderber namens Jens Schanze katapultiert den Zuschauer mit seinem neuen Dokumentarfilm mitten hinein in den Alltag eines kolumbianischen Dorfes, in dem indigene Traditionen gelebt werden. Schon bald wird man es für uns dem Erdboden gleich machen.

Jairo Fuentes, der Anführer der 31 Familien von Tamaquito, trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Homeland Security – Wir bekämpfen den Terrorismus seit 1492“. In den folgenden Wochen und Monaten wird ihn die Wirtschaft, unterstützt durch Politik und Militär, aus seiner Heimat vertreiben. Noch zu Anfang des neuen Jahrtausends gingen solche Umsiedlungsaktionen mit brutaler Gewalt einher. Nach internationalen Protesten hat man die Strategie geändert und bringt nunmehr Betrug zur Anwendung. Der riesige Tagebau, der täglich 100.000 Tonnen Steinkohle für Deutschland, Israel und die Niederlande fördert, hat sich bis auf wenige Kilometer an Tamaquito herangefressen. Die Bewohner sind in kargen Lehmhütten glücklich mit dem, was sie anbauen, jagen oder im nahen Fluss fischen. Nun sollen sie weg. Man verspricht ihnen komfortable Hütten, Elektrizität und auch genug Wasser. Wobei es da noch das eine oder andere Problem zu lösen gilt. Aber ja, man wird den Menschen auch nach der Umsiedlung noch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Irgendwann ziehen die Leute aus Tamaquito um. Die neuen Häuser sind aus Stein, haben Waschräume und - Halleluja! – Fernsehgeräte. Aber sie stehen inmitten einer staubigen Wüste. Immer häufiger bleibt das Wasser weg. An Ackerbau ist nicht zu denken. Und die Dame, die immer ansprechbar sein wollte, geht nicht ans Telefon.

Wenn ein Firmenangestellter stolz den luxuriösen Wohnort der Mitarbeiter mit saftig-grünem Golfplatz und zwei Schwimmbädern („Eines davon genügt olympischen Standards“) vorführt oder wenn man den eigens angereisten, verzweifelten Jairo Fuentes bei der Aktionärsversammlung in der Schweiz mundtot macht, kann man nur traurig und wütend werden. Aber leider sind uns ja die Hände gebunden. Oder?

Verleih: Camino Film
Bundesstart: 14. Mai 2015
Genre: Dokumentation
Mehr Infos unter: www.dasguteleben-film.de

Wertung

Anspruch: 4
Spannung: 2
Action: 2
Humor: 0
Erotik: 0

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