Emilia Galotti in Koserow:

Der böse Prinz und die schwarze Unschuld

Lessings Stück „Emilia Galotti“ spielt in einer Ständegesellschaft voller Grafen, Prinzen und Bürgerlicher. Doch die Thematik um Macht und Leidenschaft ist immer noch aktuell. Ab morgen wird die Koserower Dorfkirche zur Kulisse.

Prinz Hettore (Ulrich Müller-Hönow) ist besessen von der unschuldigen Emilia (Laurine Betz).
Marcel May Prinz Hettore (Ulrich Müller-Hönow) ist besessen von der unschuldigen Emilia (Laurine Betz).

Von links schreitet Prinz Hettore heran. Emilia beobachtet ihn mit großen Augen. Sie trägt schwarze Strumpfhosen mit ornamentalem Muster, ein schlichtes schwarzes Kleid mit Schnürband um die Taille. Ein unschuldiges Mädchen – das kann auch das Schwarz ihrer Kleidung nicht überdecken.

Der Prinz dagegen ist ganz in Weiß. Weiße Stoffhose mit schwarzem Streifen, weiße Lackschuhe und weißes Jackett. Silber lackierte Fingernägel. Ein Wolf im Schafspelz? Er kann die Augen nicht von Emilia lassen, scheint überwältigt von ihrer Aura, sinkt vor ihr auf die Knie.

Lessing im Original

Bereits zum 16. Mal spielt der Verein „Klassik am Meer“ Theaterstücke in der Koserower Dorfkirche. Einen ganzen Sommer lang, bis zum September, wird auf den Brettern geschrien, geschmachtet – und gemordet. Am Donnerstag um 19.30 Uhr feiert „Emilia Galotti“ Premiere.

Das Stück von Gotthold Ephraim Lessing ist neu im Repertoire. Darin setzt der von Emilias Schönheit und Unschuld besessene Prinz alles daran, das Mädchen ganz für sich allein zu haben. Sein Handlanger und intriganter Kammerherr Marinelli spinnt einen finsteren Plan, um Emilia von ihrem Verlobten zu trennen – am Ende sind zwei Menschen tot.

Es erklingt Lessings Originaltext. Das ist anstrengend, geben die Schauspieler Ulrich Müller-Hönow und Thomas Wingrich zu. Aber Absicht. Die klassische Sprache soll für sich wirken, denn die Themen sind aktuell. „Auch heute gibt es reiche Eliten, die sich mit Geld und Einfluss Frauen ,kaufen‘“, überlegt Wingrich. Auch das grausige Ende hat moderne Entsprechungen: Ehrenmorde zum Beispiel. Oder die obsessive Verzweiflung junger Menschen, die an Liebeskummer leiden, so Müller-Hönow.

Macht verführt zu folgenschweren Intrigen

„Das Leben ist ein Gefängnis“, sagt Regisseur Jens Schäfer. Das war die Ausgangsthese für seine Inszenierung, der Grund, warum er „Emilia Galotti“ ausgewählt hat. Zwar scheint die Ständegesellschaft aus Lessings Zeit heute überwunden. Aber immer noch, so Schäfer, fragen wir uns, wer oder was uns beherrscht.

Wenig tröstlich: Auch die scheinbar Besseren, Moralischen sind in Wahrheit fanatisch. „Auch Odoardo Gallottis festgefahrene Vorstellung von Moral führt in den Tod“, fasst Wingrich zusammen.

 

 

Weitere Vorstellungen: 3.7, 10.7, 17.7., 24.7., 6.8., 14.8, 21.8., 28.8., 4.9. und 11.9. jeweils 19:30 in Koserow

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