Premiere am Landestheater Neustrelitz:

Der gestiefelte Kater legt jeden rein

Wer die klassische Version des Märchens der Gebrüder Grimm erwartet hatte, den dürfte die Premiere am Landestheater Neustrelitz überrascht haben. Bei der Revue ist alles ein wenig anders.

Mit List und Tücke verhilft Kater El Torro, gespielt von Erwin Bröderbauer, seinem Herrn, dem Müllerburschen Hans (Fabian Quast), zu Reichtum.
joerg metzner Mit List und Tücke verhilft Kater El Torro, gespielt von Erwin Bröderbauer, seinem Herrn, dem Müllerburschen Hans (Fabian Quast), zu Reichtum.

Die zentrale Frage der Märchenrevue „Der gestiefelte Kater“ hätten sich die Verfasser des Ur-Märchens wohl nicht zu fragen getraut. Bekanntlich kommen der Müllers-Sohn und die Prinzessin bei den Gebrüdern Grimm erst am Ende der Geschichte zusammen, so wie es sich für ein züchtiges Märchen gehört. Bei der Märchenrevue, die am Sonntag in Neustrelitz ihre umjubelte Premiere feierte, verlieben sich die beiden Hübschen deutlich früher.

Bereits während der Szene am See wird das Publikum gefragt, ob sich Mann und Frau wirklich erst nackt sehen dürften, wenn sie verheiratet sind. „Nein“, rief ein pfiffiges Mädchen aus dem Parkett. „In der Sauna sitzen die Menschen ja auch nackt zusammen!“ Da ließen sich die Darsteller natürlich nicht lange bitten. Prinzessin Laura springt in ihrem prächtigen Kleid zum nackten Burschen Hans ins Wasser, wo sich beide näherkommen. Sehr zum Amüsement der beiden Rebhühner Hopsa und Falla, die belustigt vor sich hin gackern. Dabei waren sie doch eigentlich als Leibspeise von König Heribert I. gedacht. Doch Prinzessin Laura lässt es nicht zu, dass die Hühnchen geschlachtet werden. Ihr Vater muss gar zum Vegetarier mutieren.

Musikalischer Höhepunkt: der Gacker-Tanz

In der Kater-Version mit Musik von Thomas Bürkholz und Alexander Poike ist halt alles ein bisschen anders als bei den Grimms. Der Kater ist nicht nur ein einfacher Bartputzer, sondern nennt sich El Torro. Entsprechend südländisch-rassig interpretiert der kleinwüchsige Erwin Bröderbauer das schlaue Katzenvieh. Gleich mit seinem Einstiegslied verkündet er seine Philosophie, mit der er seinen armen Herren nach oben bringen will: „Nur wer blenden kann, kommt voran!“

An seiner Seite die beiden Katzen Mura und Sara. Lisa Voß und Amanda Fiedermann spielen herrlich zusammen, zumal sie auch die lustigen Rebhühner darstellen, die immer wieder dankbares Lachen aus dem Publikum ernten. Unbestrittener musikalischer Höhepunkt: Der Gacker-Tanz von Hopsa, Falla und Rebhuhnmutter Agatha (witzig, Martina Block) nach der berühmten Melodie „Der Tanz der Zuckerfee“ aus dem „Nussknacker“. Am Ende presst die Mama gar ein Ei namens Klaus-Peter aus.

Kinder sind von der Aufführung begeistert

Doch Regisseur Wolfgang Bordel übertreibt es nicht mit dem Klamauk. Der Humor kommt an bei Groß und Klein. „Ich fand die Prinzessin schön“, meint die fünfjährige Hedwig aus Wutschendorf bei Neustrelitz nach der Aufführung. Ihre Schwester Anna (7) hat den Kater ins Herz geschlossen, genauso wie die lustigen Hühner. Begeistert sind auch Maila (11) und Miho (9) aus Neustrelitz, die regelmäßig ins Theater gehen. Es sei sehr sympathisch, dass der Müllers-Sohn Hans als so hilfsbereit dargestellt wurde, sagt Miho. Und, mit Blick auf den 1,40-Meter-Mann Bröderbauer: „Ich finde es gut, dass ein kleiner Mensch die Chance bekommt, so ein Rolle zu spielen!“

Spielerisch überzeugen alle Schauspieler, zumal fast jeder mehrere Rollen interpretiert. Überzeugend sowohl als Hans wie auch als Zauberer Karabaß ist Fabian Quast. Herrlich tollpatschig der König und sein Hoftrompeter – Michael Goralczyk und Sven Jenkel schlüpfen gleich in drei Kostüme. Leider können die Qualität des Gesangs und die Musik nicht immer mithalten.

In den nächsten Wochen stehen wochentags zahlreiche Vormittagsvorstellungen auf dem Programm. Aufführungen für arbeitende Eltern mit Kindern gibt es erst am 21. und 28. Dezember wieder in Neustrelitz.