Neu im Kino:

Der Hobbit – Smaugs Einöde

Die Reise geht weiter. Auch im zweiten Teil seiner „Hobbit“-Trilogie untermauert Regisseur Peter Jackson wieder seine Ausnahmestellung im Fantasy-Kino.

Martin Freeman (l) als Bilbo Beutlin und John Callen als Oin in "Der Hobbit: Smaugs Einöde".
Warner Bros. Entertainment Martin Freeman (l) als Bilbo Beutlin und John Callen als Oin in "Der Hobbit: Smaugs Einöde".

Wenn sich ein Regisseur einer Geschichte annimmt, die Generationen von Lesern verschlungen und geliebt haben, kann er eigentlich nur verlieren. Ein Buch eins zu eins in einen Film zu übersetzen, ist bekanntlich ein Ding der Unmöglichkeit. Man kann von einem Filmemacher verlangen, dass er sich der literarischen Vorlage mit größtmöglichem Respekt nähert. Aber selbst beinharte Fans des Stoffes sollten zugestehen, dass man beim Wechsel des Mediums immer auch Kompromisse eingehen muss.

Mit seiner Kino-Adaption der „Herr der Ringe“-Trilogie hat Peter Jackson Filmgeschichte geschrieben. Aus einer Notsituation heraus übernahm der Neuseeländer schließlich auch die Inszenierung der Vorgeschichte der Saga. J.R.R. Tolkiens früher Roman „Der Hobbit“ setzt 60 Jahre vor der epischen Schlacht um Mittelerde ein. Vor Jahresfrist konnten alle Fantasy-Fans im ersten von drei Teilen miterleben, wie 13 tapfere Zwerge, ein Zauberer und ein widerstrebender Hobbit aufbrachen, um das Zwergenreich Erebor zu befreien. Der übermächtige Drache Smaug hat es sich in dem gigantischen Goldschatz des Königs gemütlich gemacht, nachdem er die Bewohner des Reichs getötet oder vertrieben hatte.

Nun nähern sich der Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) und die Zwergen-Bande unter der sportlichen Leitung von Thorin Eichenschild (Richard Armitage) dem Ziel der Reise. Aber bekanntlich gibt es in Mittelerde keine einfachen Wege. Die Reisegruppe muss sich gegen unansehnliche Orks zu Wehr setzen und in übelriechenden Verstecken Schutz suchen, sich aus den Netzen riesiger Spinnen befreien und die Launen eines Hautwechslers ertragen. Kaum einer, der sich auf die Seite der tapferen Anti-Helden schlägt. Am Ende steht man dem Drachen tatsächlich gegenüber. Aber das redselige Vieh ist einfach nicht totzukriegen… 

Der mittlere Teil einer Trilogie gestaltet sich von Natur aus problematisch. Er setzt ein gewisses Vorwissen voraus und kann das Publikum am Ende nie wirklich befriedigt zurücklassen. Das ganze Pulver wird erst am Ende verschossen werden. „Smaugs Einöde“ endet mit einem fiesen Cliffhanger, der das Warten auf den letzten Teil, der im nächsten Jahr eine Woche vor Heiligabend an den Start geht, unerträglich macht. Vorausgesetzt, dieser Film hat dem Zuschauer Freude bereitet.     

Peter Jackson lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen, wenn es gilt, fantastische Schlachtengemälde zu entwerfen, skurrile Helden in spannende Situationen zu werfen und düstere Stimmungen mit Humor aufzuhellen. Die Schauwerte sind einmal mehr beträchtlich, auch wenn man sich in dieser schnelllebigen Zeit bereits an die Kreaturen Mittelerdes gewöhnt haben mag. Die Gruppe von Individualisten aus „Der Herr der Ringe“ hat den Zuschauer allerdings emotional deutlich stärker berührt als die Zwergen-Truppe. Und einen oder zwei kurze Durchhänger im Spannungsbogen gilt es auch zu verkraften.
   
Die Geschichte selbst reicht weit über das Büchlein vom „Hobbit“ hinaus, verarbeitet Tolkiens posthum veröffentlichte Notizen und erfindet Neues hinzu. Das wird nicht jedem Puristen gefallen. Jacksons Filme aber richten sich an ein Millionenpublikum, anders sind die so beeindruckenden Reisen nach Mittelerde gar nicht finanzierbar. Wer keine Änderungen am Originaltext dulden kann, sollte vielleicht mit einer Buchlesung am heimischen Herd Vorlieb nehmen. Stammgäste in Jacksons Universum werden sich dort auch diesmal pudelwohl fühlen.

Wertung:
Anspruch: 2
Spannung: 4
Action: 5
Humor: 2
Erotik: 1

Verleih: Warner Bros. 
Bundesstart: 12. Dezember 2013        
Genre: Fantasy

Mehr Infos unter: www.DerHobbitFilme.de

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