Zum Tod von Dietmar Schönherr:

Der moderierende Weltverbesserer

Seine Sendungen sind ein Schatz der deutschen TV-Geschichte. Mit der „Raumpatrouille“ eroberte er fremde Welten und mit „Wünsch dir was“ die deutschen Wohnzimmer. Er hatte aber auch eine politische Botschaft.

Trauer um den Moderator Dietmar Schönherr. Hier ein Bild von ihm und seiner Frau Vivi Bach aus dem Jahr 2005.
Jörg Carstensen Trauer um den Moderator Dietmar Schönherr. Hier ein Bild von ihm und seiner Frau Vivi Bach aus dem Jahr 2005.

„Mir scheint die Hose nicht das Bemerkenswerteste.“ Trocken kommentierte Dietmar Schönherr im November 1970 den Auftritt einer Kandidatin in seiner ZDF-Show „Wünsch dir was“. Die junge Dame trug abgesehen von der Hose eine höchst transparente Bluse. Ein TV-Skandal um eine fast blanke Brust zur Hauptsendezeit war geboren – eine Provokation ganz nach dem Geschmack des Showmasters. Schönherr liebte das Unangepasste. Er war Schauspieler, Moderator, Friedensaktivist, Entwicklungshelfer. Im Alter von 88 Jahren ist er auf Ibiza gestorben, ein Jahr nach dem Tod seiner Frau Vivi Bach.

Schönherr, der sich durch sein politisches Engagement später den Ruf eines „Weltverbesserers“ verdiente, war in den frühen Jahren eine Art Weltenretter. Am Rande der Unendlichkeit schützte er als Commander Allister McLane mit dem Raumschiff Orion („Raumpatrouille“) die Erde vor Außerirdischen. Die sieben Folgen der Science-Fiction-Serie von 1966 waren nicht nur ein Straßenfeger, sondern sind bis heute Kult. Wohl einmalig in der Filmgeschichte wurde aus Geldmangel ein Raumschiff per Bügeleisen gesteuert.

Probeaufnahmen sind Beginn seiner Karriere

Schönherr war Sohn eines Generals, der heimlich Antikriegsgedichte schrieb. Er wurde in Innsbruck geboren, wuchs in Tirol auf, bis die Familie nach dem „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland 1938 nach Potsdam ging. Bei Probeaufnahmen fiel der Abiturient Schönherr dem Filmregisseur Alfred Weidemann auf – der Beginn einer großen Karriere, in deren Verlauf er rund 70 Filme drehte und in zahlreichen TV-Serien zu sehen war.

Seine spontane Art als Moderator von Talkshows sowie Quiz- und Spielsendungen kam bei vielen gut an. Unvergessen bleiben „Wünsch dir was“ und andere Shows auch wegen Schönherrs dänischer Frau Vivi Bach, die mit charmantem Akzent keck und selbstbewusst die Sendungen mitmoderierte.

Schönherr im Kampf gegen Armut

Doch das TV- und Theaterleben – Schönherr stand unter anderem in Salzburg, Berlin und Zürich auf der Bühne und war Mitbegründer der Tiroler Volksschauspiele in Telfs – war nur die eine Seite des Mimen. Auf der anderen schloss er sich der Friedensbewegung an, nannte US-Präsidenten Ronald Reagan einen „Verbrecher“, blockierte mit anderen Prominenten 1983 den US-Raketenstützpunkt in Mutlangen. Später wurde er mit der Armut in Mittelamerika konfrontiert – und entschloss sich zu helfen. Nicaragua, als ärmstes Land Mittelamerikas, wurde zu seiner zweiten Heimat. Seit 1985 unterstützte er dort Solidaritätsprojekte. Der Kampf gegen Ungerechtigkeit und Armut beschäftigte ihn bis zuletzt.

Zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises für sein Lebenswerk bezeichnete ihn Elke Heidenreich als Mann, „der sich gar nicht verbiegen kann, dessen Stimme so weich und angenehm ist wie sein Herz und dessen Charakter so gerade und unerschrocken ist, dass wir uns davor nur verneigen können.“ Seine letzten Lebensjahre auf Ibiza bescherten ihm viele schöne Momente: „Die meiste Zeit verbringe ich auf meiner Terrasse und schaue stundenlang aufs Meer. Das ist wunderbar.“

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