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Der musikalische Funke springt über

Nach dem Abendkonzert der Nordkurier-Sinfoniker in der Neubrandenburger Konzertkirche waren die Besucher des Lobes voll. Nicht nur die Musik kam bei den Gästen an.

Paukist Sergio Lopez (2. Bild von oben) und seine Musiker-Kollegen hatten einen 13-Stunden-Tag. Von Nordkurier-Chef Lutz Schumacher (Bild Mitte, links), Moderator Juri Tetzlaff und dem Publikum gab es viel Lob für sie.
Nicole Weihmann Paukist Sergio Lopez (2. Bild von oben) und seine Musiker-Kollegen hatten einen 13-Stunden-Tag. Von Nordkurier-Chef Lutz Schumacher (Bild Mitte, links), Moderator Juri Tetzlaff und dem Publikum gab es viel Lob für sie.

Der letzte Ton der Szene aus „Carmen“ von Georges Bizet war längst verklungen. Nach der zündenden Zugabe hatten die meisten Gäste die Neubrandenburger Konzertkirche bereits verlassen. Trotzdem mochten Paukist Sergio Lopez und drei seiner Musiker-Kollegen kurz nach 21 Uhr am Donnerstag nicht so richtig gehen. Sie genossen die Atmosphäre des fast leeren, imposanten Konzertsaals.

„Wenn man den Applaus hört, weiß man, dass sich der Aufwand gelohnt hat“, sagt Lopez. Zu dem Zeitpunkt waren er und die mehr als 50 Musiker des Jungen Sinfonieorchesters Berlin länger als 13 Stunden auf den Beinen: Aufstehen, Abfahrt mit dem Bus um 9 Uhr in Berlin, Ankunft in Neubrandenburg, Proben, Generalprobe und um 15.30 Uhr das Familienkonzert mit „Peter und der Wolf“ und jubelnden Kindern. Die glänzenden Kinderaugen nehme man als Musiker durchaus wahr, sagt Sergio Lopez.

Zwei Bochumer begeistert von der Architektur

Viele glänzende Augen gab es auch beim abendlichen Auftritt der jungen Musiker, die als Nordkurier-Sinfoniker aufspielten. „Der Klang war so sauber. Ganz toll“, sagte Siegfried Lindner (57) nach dem Konzert mit „Tänzen aus aller Welt“.

Er hatte mit seiner Frau Christine Lindner (56) wohl den weitesten Weg aller Gäste. Das Ehepaar besucht für ein paar Tage den Sohn. Mehr als 660 Kilometer hatten sie zurückgelegt, sie kommen aus Bochum. Die Lindners zeigten sich sehr beeindruckt von der „Architektur des Konzertsaals in der Kirche“, aber auch vom Moderator. „Juri Tetzlaff war sehr gut, so witzig“, meinte Christine Lindner.

In der Tat erwies sich der Kika-Moderator als Glücksgriff. Der 44-Jährige zeigte, dass er nicht nur Kinder begeistern kann. Tetzlaff ist ein Kenner klassischer Musik. Nur wenige im Saal dürften gewusst haben, dass Sergej Rachmaninow keine gute Handschrift hatte – eine Tatsache, die für den von den Nordkurier-Sinfonikern interpretierten Ersten Sinfonischen Tanz nicht unwichtig ist.

Schmier-Klaue ließ Dirigenten falsch spielen

Als der Komponist seinen Tanz das erste Mal in den USA hörte, stürmte er danach erbost zum Dirigenten, gab Tetzlaff zum Besten. Das Stück sei viel zu langsam gespielt worden, warf er dem Orchesterchef vor. Der zeigte auf einen Vermerk in den Noten, wonach „Non Allegro“, also nicht sehr schnell gespielt werden sollte.

Weil Rachmaninow so geschmiert hatte, hatte der Verlag aus dem eigentlich vom Meister vorgegebenen „Allegro“ in den gedruckten Noten das Gegenteil gemacht. Bis heute, so Tetzlaff, fänden sich immer noch Partituren des Tanzes mit der falschen Tempoangabe. „Aber wir haben die richtigen Noten“, scherzte er, bevor das Orchester anhob zum Spiel.

Es ist immer wieder schön zu erleben, wie der Funke von jungen Musikern zum Publikum überspringt. Die Schüler und Studenten des Jungen Sinfonieorchesters sind noch keine Profis. Aber sie haben Spaß am Spiel, geben sich locker und sind trotzdem im richtigen Moment voll konzentriert.

Dirigent Andreas Schulz hatte kein leichtes Programm ausgesucht. Die Tänze von Chatschaturjan, Smetana und Tschaikowsky sind zwar längst Klassik-Hits und werden immer wieder von Regisseuren als Filmmusik eingesetzt. Sie sind aber nicht leicht zu spielen.

Dies zeigte sich beim „Bolero“ von Maurice Ravel. Der eine oder andere Bläser verpasste den Einsatz. Aber das machte dem Publikum nicht viel aus. „Das kann man entschuldigen“, meinte Olaf Lesener, der mit seiner Frau aus Blankensee bei Pasewalk gekommen war. „Die jungen Musiker sind mit Freude dabei. Das ist wundervoll.“

Das nächste Konzert ist schon in Sicht

Die Neubrandenburgerin Irmgard Dubbert genoss die Musik mit ihrer Tochter Birgit. Der „Bolero“ live sei einfach wunderbar – wie das gesamte Programm. Die beiden müssen es wissen, sind sie doch Konzertgänger. Die nächste Veranstaltung mit der Neubrandenburger Philharmonie haben sie sich vorgemerkt – das Festkonzert am 3. Oktober.

Apropos Philharmonie. Unter den Gästen war auch Vize-Oberbürgermeister Peter Modemann. Er sieht das Angebot der Nordkurier-Sinfoniker als willkommene Ergänzung. „Genau solche Veranstaltungen wollen wir hier sehen.“

Mitten unter den begeisterten Menschen stand Lutz Schumacher, Geschäftsführer des Nordkurier und Ideengeber für die Sinfoniker. „Ich glaube, dass wir unseren Gästen einen noch schöneren Abend präsentieren konnten als im vergangenen Jahr. Sehr gelungen war die Moderation von Herrn Tetzlaff, sie war kurzweilig, informativ und wundervoll sympathisch vorgetragen“, meinte er. Auf jeden Fall werde es 2017 die dritte Auflage der Nordkurier-Sinfoniker geben.

Kurz vor 22 Uhr fuhr der Bus mit dem Orchester in Richtung Berlin ab. Viele der jungen Musiker saßen schon am Freitagmorgen wieder im Unterricht oder in der Vorlesung. Und am Abend dann erneut in einem Konzertsaal, dieses Mal in der Hauptstadt.