Neu im Kino:

Der tiefe Fall des Michel L.: Nur eine Stunde Ruhe!

In Frankreich ist Christian Clavier längst ein Superstar. Hierzulande erlangte der Schauspieler erst mit der Kulturkonflikt-Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ breite Popularität. Jetzt ist er wieder auf der Leinwand zu sehen.

Christian Clavier als Michel Leproux und Carole Bouquet als seine Frau Nathalie Leproux in einer Szene des Kinofilms "Nur eine Stunde Ruhe!"
Pascal Chantier Christian Clavier als Michel Leproux und Carole Bouquet als seine Frau Nathalie Leproux in einer Szene des Kinofilms "Nur eine Stunde Ruhe!"

Wer kennt das nicht? Man möchte gern eine Zeitschrift lesen, eine Episode der Lieblingsserie anschauen oder die neue CD der favorisierten Band anhören, aber man findet einfach nicht die Zeit dazu, weil immer etwas dazwischen kommt. Genau so ergeht es auch Zahnarzt und Musikfreund Michel Leproux (Christian Clavier), als er auf dem Flohmarkt die Schallplatte seiner Träume ersteht. Nun gilt es, das gute Stück zu Hause auf den Teller zu legen, um eine Stunde lang der Realität zu entfliehen. Aber dieses Glück ist Michel heute nicht vergönnt. Schon auf dem Nachhauseweg will ihn ein Patient in ein Gespräch verwickeln und die Geliebte wünscht ein Treffen. Aber das echte Grauen wartet erst hinter der Wohnungstür. Zwar scheint der Plan, die Ehefrau unter Wellnessversprechen ins Bad abzuschieben, zunächst Früchte zu tragen. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse, die ganze Welt hat sich heute gegen Michel verschworen.

Ein weiteres Mal zaubern die Franzosen aus einer kleinen, dem Alltag entlehnten Geschichte unterhaltsames und gewitztes Kino. Florian Zeller transformierte sein erfolgreiches Bühnenstück in ein Drehbuch, das Regie-Altmeister Patrice Leconte („Ridicule – Von der Lächerlichkeit des Scheins“) zu knappen 80 Minuten Film verarbeitete. Die Schnelligkeit und die erbarmungslose Konsequenz, mit der das Leben des Protagonisten hier demontiert wird, erinnert an das legendäre „Dinner für Spinner“ – wohl gemerkt das französische Original. Christian Clavier wandelt auf Louis de Funes´ Spuren, weil er eigentlich ein ziemliches Ekelpaket spielt, mit dem man aber trotz allem mitfühlt. Im Vorbeigehen demaskiert die Geschichte verschiedene Spielarten der Doppelmoral. So gönnt sich Michel eine Geliebte, während er seiner Frau einen lange zurückliegenden Fehltritt nicht verzeiht. Für eine philippinische Asylantenfamilie sieht Michel im Haus keinen Platz. Beim Anblick der jungen, hübschen Tochter droht er sich allerdings zu überschlagen. „Nur eine Stunde Ruhe!“ zeigt eindrucksvoll, wenn auch auf die Spitze getrieben, wie brüchig unser aller häuslicher Frieden sein kann. Solange man selbst nicht betroffen ist, ist das einfach nur urkomisch.          

Interview mit dem Hauptdarsteller: hier

 

Verleih: DCM Film       
Bundesstart: 16. April 2015       
Genre: Komödie

Mehr Infos unter: http://einestunderuhe-derfilm.de/

Wertung:

Anspruch: 1
Spannung: 3
Action: 3
Humor: 3
Erotik: 0

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