Trauer um Hannes Hegen:

Der Vater der Digedags ist tot

Er hat die Digedags ins Leben gerufen und bei Klein und Groß für die perfekte Unterhaltung gesorgt. Nun ist Johannes Hegenbarth gestorben. Zurück lässt er ein Teil DDR-Geschichte.

Ist im Alter von 89 Jahren gestorben: Hannes Hegen.
Hendrik Schmidt Ist im Alter von 89 Jahren gestorben: Hannes Hegen.

Er hat ein stolzes Alter erreicht. Johannes Hegenbarth ist fast 90 Jahre alt geworden. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb der berühmte Zeichner am 8. November in Berlin, gab der Leipziger Verleger Mark Lehmstedt am Donnerstag bekannt. Auch wenn sich Hegenbarth in den vergangenen Jahren zunehmend zurückgezogen lebte, hat er nichts von seiner Bedeutung für viele Menschen insbesondere aus der früheren DDR verloren. Schließlich galt Hegenbarth als der Vater der Digedags.

Unter seinem Künstlernamen Hannes Hegen gründete er 1955 das Mosaik mit seinen drei Helden Dig, Dag und Digedag. Die SED-Kulturpolitik wünschte sich einen DDR-Comic als Gegenentwurf zu Donald Duck & Co. Hegenbarth setzte die Forderung höchst kreativ und kunstvoll um. "Mit zunächst zwei, später mehr als zehn Mitarbeitern schuf er in seinem Atelier in Berlin-Karlshorst die bedeutendsten Comic-Serien der DDR", urteilt Lehmstedt, Verleger des Mosaik-Handbuchs. Gemeinsam mit dem Textautor Lothar Dräger entwickelte Hegen das einzigartige Konzept des „großen humoristischen Bildromans“, einer über viele Jahre hinweg laufenden Comic-Geschichte. So reisten die Digedags in den Wilden Westen, ins alte Rom, ja sogar ins Weltall.

Digedags prägten Generationen von Kindern und Jugendlichen in der DDR

Auf ein Abonnement für das monatlich erscheinende Mosaik musste man lange warten, obwohl die Auflage bei mehr als 600.000 Exemplaren lag. Auch an Zeitungskiosken galten die Hefte als Bückware. Thomas Möller gelang es 1973, im Alter von zwölf Jahren, ein Abo zu ergattern. Er hält es heute noch. Der Neubrandenburger ist seit einigen Jahren Vorsitzender des Mosaik- und Comic-Clubs (MCC) und gilt als Mosaik-Experte. "Der Tod von Johannes Hegenbarth ist natürlich ein schwerer Verlust. Ohne Zweifel haben die Digedags Generationen von Kindern und Jugendlichen in der DDR geprägt", sagt Möller.

Hegenbarth führte das Mosaik bis 1975. Aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Verlag Neues Leben, der sich im Eigentum der Freien Deutschen Jugend (FDJ) befand, zog er sich zurück. Die Rechte an seinen Figuren behielt er selbst. So wurden aus den Digedags die Abrafaxe, die sogar die Wirren der Wende überstanden. Die Digedags erlebten nach 1990 mit Nachdrucken, Buchausgaben und Sammlereditionen eine unerhörte Renaissance, sagt Lehmstedt. Der Nordkurier ehrte die drei Kobolde im Jahr 2.000 mit der Herausgabe einer Briefmarkenserie.

Hegenbarth zog sich ins Privatleben zurück. Jetzt ist er in aller Stille gegangen. Die Trauerfeier findet am 18. November, 11 Uhr, auf dem Friedhof in Berlin-Karlshorst statt.

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