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Deutschland schickt wieder DDR-Drama zu den Oscars

„Oh Boy“ war der Überraschungserfolg des Kinojahres 2012. Aber zu den Oscars darf er nicht. Deutschland setzt da eher auf Altbewährtes.

Schauspieler Tom Schilling (links) und Regisseur Jan Ole Gerster auf der Premiere des Kinofilms „Oh Boy“.
Jörg Carstensen Schauspieler Tom Schilling (l) und Regisseur Jan Ole Gerster auf der Premiere des Kinofilms „Oh Boy“.

Spätestens seitdem Florian Henckel von Donnersmarck 2007 mit seinem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ den Auslands-Oscar holte, ist klar: In Hollywood steht man auf zeitgeschichtliche Stoffe aus Deutschland. Und so schickt German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, auch im kommenden Jahr wieder einen Film über die DDR-Vergangenheit ins Kino: „Zwei Leben“ von Regisseur Georg Maas geht ins Oscar-Rennen.

Der Film erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte einer Deutschen, die in Norwegen lebt, nach dem Fall der Mauer aber von ihrer geheimen Stasi-Vergangenheit eingeholt wird. Erst Mitte September kommt er in Deutschland in die Kinos. Das Ticket nach Hollywood kommt den Machern zur Promotion also gerade recht. „Wir haben lange für diesen Film gearbeitet und freuen uns immens, dass „Zwei Leben“ als deutscher Beitrag ins Rennen um den Oscar geht“, teilten Maas und die Produzenten mit.

„Der Film ,Zwei Leben‘ überzeugt durch die Beleuchtung eines weitgehend unbekannten Strangs der deutschen Geschichte: der norwegischen Lebensborn-Kinder“, hieß es in München in der Jury-Begründung. „Das Erbe des Dritten Reichs verzahnt sich auf schuldige Weise mit den Machenschaften des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Beeindruckend sind das intensive Zusammenspiel von Juliane Köhler mit Liv Ullmann und die ausdrucksstarke Kinematographie.“ Ob „Zwei Leben“ es unter die fünf Oscar-Nominierten in der Kategorie „Bester nicht englischsprachiger abendfüllender Kinofilm“ schafft, soll am 16. Januar 2014 feststehen, die große Oscar-Gala findet dann am 2. März statt.

Zeitgeschichte aus Deutschland hat erfahrungsgemäß gute Chancen bei der US-amerikanischen Academy. Von zehn Filmen, die in den vergangenen Jahren von der Auslandsvertretung eingereicht wurden, hielt die Hälfte dem Urteil der gestrengen Jury stand und bekam dafür eine offizielle Oscar-Nominierung. All diese Beiträge setzten sich mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinander.

Die deutsche Jury hat sich darauf eingestellt und reicht nahezu ausschließlich diese Stoffe ein. Christian Petzold hatte mit seinem DDR-Drama „Barbara“, einer Liebesgeschichte im einstigen Arbeiter- und Bauernstaat, zwar kein Glück und schaffte es nicht einmal auf die Shortlist. Den Auslands-Oscar gewann damals Michael Haneke mit „Liebe“ – eine deutsche Co-Produktion, aber ein österreichischer Film und für Österreich eingereicht.