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Die Karte meiner Träume

Als der zehnjährige T.S. im stillen Kämmerchen das Perpetuum Mobile erfindet, steht die Welt der Wissenschaft Kopf. Weil er dafür einen Preis bekommen soll, packt T.S. einfach seine Klamotten und reist quer durch die USA.

TS Spivet (Kyle Catlett) und Helena Bonham Carter als seine Mutter Dr. Clair-
Jan Thijs/DCM Filmverleih TS Spivet (Kyle Catlett) und Helena Bonham Carter als seine Mutter Dr. Clair.

Der französische Kinomagier Jean-Pierre Jeunet („Die fabelhafte Welt der Amélie“) hat in dem amerikanischen Debüt-Autor Reif Larsen einen Seelenverwandten gefunden. Die beiden Künstler teilen eine Vorliebe für skurrile Ideen, schöne Bilder, ungewöhnliche Helden und technische Gimmicks. Jeunet hat Larsens Roman im Zuge seiner Adaption modifiziert, so ist der Filmheld jünger und auch seine große Erfindung ist neu. Doch der Geist des Buches bleibt erhalten.

T.S. Spivet (Kyle Catlett) ist zehn Jahre alt und hochbegabt. Das fällt in seiner chaotischen Familie, die auf einer Ranch in Montana lebt, aber gar nicht sonderlich auf. Während seine Mutter (Helena Bonham Carter) im Dienste der Wissenschaft alles aufspießt und katalogisiert, was das kreucht und fleucht, trauert T.S.´ Vater (Callum Keith Rennie) den romantischen Zeiten des Wilden Westens nach. Papa bevorzugt Bruder Layton (Jakob Davies), weil er seiner Idealvorstellung von einem kleinen Cowboy recht nahekommt. Und schließlich ist da noch die große Schwester Gracie (Niamh Wilson), die der Einöde entkommen will, ihr Glück aber an Oberflächlichkeiten festmacht.

Blinder Passagier im Güterzug

Als T.S. im stillen Kämmerchen das Perpetuum Mobile erfindet, steht die Welt der Wissenschaft Kopf. Das renommierte Smithsonian Institut erklärt den schlauen Kopf hinter der Sensation des legendären Baird-Preises für würdig und lädt T.S. nach Washington ein – allerdings in Unkenntnis seines jungen Alters. Da er keine Unterstützung durch sein Elternhaus erwarten kann, packt der Bursche seine Siebensachen und macht sich als blinder Passagier eines Güterzuges auf den Weg quer durch die Staaten. Ihn erwarten atemberaubende Szenerien und faszinierende Begegnungen.

Leider ist in dieser Geschichte der Weg nicht das Ziel. Am Schluss seiner Reise avanciert T.S. zum Medienphänomen. Mit seiner Desillusionierung kehrt eine gewisse Nüchternheit in den Film ein, die (gewollt) im krassen Gegensatz zur berauschenden Optik der ersten Akte steht. Der Fan mag „seinen Jeunet“ aber lieber verträumt, fernab der Realität. Spätestens das Ende stimmt dann wieder versöhnlich. Hauptdarsteller Kyle Catlett ist selbst ein hochbegabtes Kind. Dass er sich mit seiner Figur gut identifizieren konnte, ist in jeder Szene spürbar. T.S. ist gerade so neunmalklug, dass man ihm eine bahnbrechende Erfindung zutraut, aber noch ausreichend kindlich, um ihn zu mögen.

Die gewohnte Bilderpracht á la Jeunet entfaltet übrigens erst in der rundum gelungenen 3D-Version ihre ganze Kraft. Hier lohnt es sich ausnahmsweise wirklich, dass der Zuschauer die Brille auf hat.

Wertung:
Anspruch: 3
Spannung: 3
Action: 3
Humor: 2
Erotik: 0

Verleih: DCM    
Genre: Roadmovie
Bundesstart: 10. Juli 2014 

Mehr Infos unter: www.KarteMeinerTraeume.de

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