Queenz of Piano in Neubrandenburger Konzertkirche:

Die Piano-Königinnen begeistern Jung und Alt

Die beiden Pianistinnen Anne Folger und Jennifer Rüth versuchen die Brücke zwischen klassischer und moderner Musik zu schlagen. Ihr Ziel: Auch junge Menschen für die verstaubte Klassik zu gewinnen. Ein schwieriges Unterfangen.

Charmante Meisterinnen: Anne Folger und Jennifer Rüth.
Wilhelm Charmante Meisterinnen: Anne Folger und Jennifer Rüth.

Was hatten Anne Folger und Jennifer Rüth im Nordkurier-Interview vor ihrem Konzert in Neubrandenburg sinngemäß gesagt: Wer mit Beethoven, Liszt und Co. Schabernack treibt, kann die alten Meister schnell beschädigen. Bei ihrem Auftritt in der Konzertkirche am Sonnabendabend zeigten die beiden "Queenz of Piano", dass sie trotz aller Lockerheit, trotz allen Humors weit davon entfernt sind, die Ikonen der Klassik anzugreifen. Dafür haben die beiden Pianistinnen einfach zu viel Klasse, die sie während ihres launigen und kurzweiligen Programms "Tastenspiele reloaded" immer wieder unter Beweis stellen. In Perfektion beim Piano-Battle - zu Deutsch "Schlacht am Piano" oder einfach Wettstreit an zwei Flügeln. Schon zu Zeiten von Franz Liszt eine Tradition. Wobei sich damals - Mitte des 19. Jahrhunderts - ausschließlich testeterongetriebene Musik-Machos an den 88 weißen und schwarzen Tasten maßen, wie das Damen-Duo erläutert.

Die Hände rasen über die 88 Tasten

Zum Glück sind die Zeiten heute andere, und wir dürfen Anne Folger und Jennifer Rüth im natürlich einstudierten Piano-Battle hören und sehen. Was heißt sehen? Als Anne Folger ein Stück von Franz Liszt in die Tasten hämmert, ist nicht mehr viel zu sehen von ihren Händen, die über die Tastatur rasen. Jennifer Rüth steht ihr aber in nichts nach. Die berühmte Ungarische Rhapsody Nr. 2 für vier Hände an nur einem Klavier muss den Wettkampf entscheiden. Gerade weil sich die Flügel-Grazien die ganze Zeit streiten, wer denn nun oben spielen dürfe - also die hohen Töne intoniert - gibt es ein äußerst vergnügliches Finale. Das Resultat: Ein klares Remis! An den Tasten schenken sich beide ohnehin nichts. Jennifer Rüth punktet zusätzlich mit ihrem ausdrucksstarken Gesang, Schnellsprecherin Anne Folger mit ihrem kabarettistischen Talent.

Mozart klingt auch mit Swing sehr gut

Das ist alles andere als eine Klassik-Klamotte, die die "Queenz" in ihrem zweistündigen Programm abliefern. Die beiden Königinnen des Pianos achten die alten Meister, indem sie sie perfekt interpretieren. Sie geben ihnen aber zugleich auch ein Zukunft, indem sie über 100, 200 Jahre alte Kompositionen neu arrangieren. So wird Mozarts "Türkischer Marsch" mit ein paar Swing-Rhythmen aufgefrischt, was eine völlig neue Hörerfahrung schafft. Nebenbei geben Anne Folger und Jennifer Rüth noch eine kleine Musikstunde, indem sie vorführen, was aus Mozart wird, wenn man Pausen, Akkorde und Halbnoten wegrationalisiert.

Die beiden hören es gerne, wenn ihnen "reine" Klassik-Musiker bescheinigen, dass sie mit ihrer mit viel Humor, Charme und Improvisationskunst gewürzten Show auch jüngeres Publikum für klassische Musik interessieren. Schaut man sich in der Konzertkirche um, ist ihnen das zumindest bei ihrem mittlerweile dritten Neubrandenburger Auftritt gelungen. Viele Kinder und junge Leute sitzen im begeisterten Publikum. Unter ihnen Anton, neun Jahre alt, der selbst Klavier spielt. "Das ist ein tolles Konzert, mit Humor und schön locker", sagt der  Ferdinandshöfer. Und, so der kleine Musikexperte, "sie spielen auch sehr gefühlvoll".

Anne Folger und Jennifer Rüth kündigen an, dass sie gerne wieder in der Konzertkirche spielen würden. Kein Problem: Herzlich willkommen!

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