Von Romeos und "Honigfallen":

Die Weiblichkeit im Hinterland der Stasi

Es gab „Honigfallen“, westdeutsche Sekretärinnen und Partnerinnen, die an der Seite der Genossen kämpften: Ein Ausstellung in Neubrandenburg beleuchtet die Frauen der Staatssicherheit.

Insgesamt gab es 14 000 Mitarbeiterinnen bei der Stasi. Aber die Führungspositionen waren fest in Männerhand.

 „Freundin und Ehepartner – Hinterland eines jeden Tschekisten“ – dieses charmante Kompliment braucht mittlerweile eine kurze Erläuterung. Tschekisten, so nannten sich bis zur politischen Wende die Mitarbeiter der Geheimdienste des Ostblocks, zu denen auch die Staatssicherheit gehörte. Und mit Hinterland war wohl so was wie Rückhalt und Unterstützung gemeint. Was die Freundinnen und Ehepartner jedoch nicht davor bewahrte, ebenfalls gründlich unter die Lupe genommen zu werden. Zu erfahren ist dies in der Ausstellung „Kämpfen an der Seite der Genossen – Die Frauen der DDR-Staatssicherheit“, die derzeit in der Neubrandenburger Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde zu sehen ist.

Darin geht es nicht nur um die Frauen der Stasi-Mitarbeiter, sondern vor allem auch um die weiblichen Mitarbeiter des Geheimdienstes selbst. Etwa 14 000 der insgesamt 90 000 hauptamtlichen Mitarbeiter – also etwa 16 Prozent – waren Frauen, erzählt Marita Pagels-Heineking, die Leiterin der Außenstelle. Und nur die wenigsten davon hatten Gelegenheit, innerhalb der Staatssicherheit wirklich wichtige Positionen einzunehmen, hieß es zum damaligen Verständnis der Gleichberechtigung. Unter den rund 189 000 inoffiziellen Mitarbeitern (IM) der Behörde war unterdessen etwa jeder sechster eine Frau.

Schwerpunkt war das Rotlichtmilieu in Rostock

Ein weiterer Aspekt der Ausstellung sind die „westdeutschen Sekretärinnen“, die oft als kontaktarm und labil beschrieben werden und somit eine perfekte Beute für die sogenannten Romeos waren. Das waren Männer, die sich im Auftrag der Stasi an diese Frauen heranmachten, um eventuell wichtige Informationen aus der bundesdeutschen Politik und Wirtschaft abzustauben. Mindestens 58 dieser Fälle sind belegt, heißt es in der Ausstellung, oft mit tragischem Ausgang.

Herzschmerz kam bei den offiziell verbotenen Prostituierten, die im Auftrag der Stasi Gäste aus dem Westen bezirzten, vermutlich auch vor, wurde aber eher in Kauf genommen. Das haben die Recherchen ergeben, die die Historikerin Steffi Brüning bei der Eröffnung der Ausstellung vorgestellt hat. Schwerpunkt war zwar das Rotlichtmilieu in Rostock, aber auch im einstigen Bezirk Neubrandenburg habe es solche „Honigfallen“ gegeben. Für diese meist gut gebildeten und aussehenden Frauen waren es oft die großzügigen Geschenke ihrer Liebhaber und die relativ gute Vergütung durch die Stasi, die diese Tätigkeit attraktiv machten. Und dann spielten auch Abenteuerlust und die Bekanntschaft interessanter Männer eine Rolle –
abseits des Hinterlandes der Tschekisten.

Die Ausstellung in der Neubrandenburger BStU-Außenstelle (Neustrelitzer Straße 120) ist noch bis zum 26. Juni zu sehen. Montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr, freitags von 8 bis 14 Uhr.

Nordkurier digital: Jetzt 6 Wochen zum Sonderpreis testen!