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Die Wolken von Sils Maria

Regisseur Olivier Assayas („Die wilde Zeit“) richtet den Fokus in seinem neuen Werk auf die Alltagssorgen eines weiblichen Filmstars, der in die Jahre gekommen ist.

Pallas Film/NFP Carole Bethuel/dpa Juliette Binoche (l) als Maria Enders und Kristen Stewart (r) als ihre Assistentin Valentine im Film "Die Wolken von Sils Maria".

Schauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche) hat beim Film alles erreicht, möchte nun aber nicht mehr an Seilen vor der Greenscreen herumgezerrt werden. Sie plant die Rückkehr zur Bühne, mit eben jenem Stück, das einst am Anfang ihrer großen Karriere stand. Die Rolle ist diesmal freilich eine andere. Zwei Frauen stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Früher war Maria die jugendliche Protagonistin, diesmal soll sie die ältere Dame spielen, während eine Skandalnudel im Teenageralter (Chloë Grace Moretz) ihre Nachfolge antritt. Das Selbstwertgefühl der alternden Diva wird einer harten Bewährungsprobe unterzogen. Im Alpenidyll von Sils Maria im Engadin bereitet sich Maria vor, unterstützt von ihrer treuen Assistentin Valentine (Kristen Stewart), die ihrer Chefin gern alle unangenehmen Aufgaben abnimmt…

In ihrem fabelhaften Film „Somewhere“ erzählt Sophia Coppola die Geschichte eines berühmten Schauspielers in der Sinnkrise. Dabei gelingt es der Filmemacherin, die Sorgen und diffusen Ängste des unerreichbaren Stars soweit herunter zu brechen, das sich selbst Zuschauer mit ihm identifizieren können, die am nächsten Tag wieder ins Büro oder die Montaghalle müssen. Wenn Regisseur Olivier Assayas (“Carlos - Der Schakal”) nun seinerseits von einer zweifelnden Schauspielerin erzählt, bleibt die Welt, die er baut, eine ferne. Die Figuren schweben auf den „Wolken von Sils Maria“ und machen es unmöglich, Empathie für sie zu entwickeln. Dabei spielt doch gerade Kristen Stewart auf, als wolle sie die blutarme Vampirbraut hier und jetzt für immer vergessen machen. Juliette Binoche ist freilich die übliche Konstante. Die Geschichte gibt sich oft rätselhaft, ohne Lust oder Neugier auf Antworten zu schüren. Kurzum: Intellektuelles, überambitioniertes Kopf-Kino vor schönen Kulissen, dem große Schauspieler ab und an einen faszinierenden Moment abringen. Entbehrlich.

 

Anspruch: 5
Spannung: 1
Action: 1
Humor: 1
Erotik: 0