Premiere am Landestheater Neustrelitz:

Diese lustige Witwe reißt das Publikum von den Sitzen

„Die lustige Witwe“ von Franz Lehar ist eine der bekanntesten Operetten. Sie verspricht zwar nicht besonders viel Tiefgang, dafür aber jede Menge Vergnügen. Für den Spaß in der Neustrelitzer Inszenierung sorgt ausgerechnet eine der Nebenrollen.

Danilo Danilowitsch (Robert Merwald) soll die schwerreiche Witwe Hanna (Marion Costa) heiraten, damit ihre Millionen im Phantasia-Reich Pontevedro bleiben. Fotos: Jörg Metzner
joerg metzner Danilo Danilowitsch (Robert Merwald) soll die schwerreiche Witwe Hanna (Marion Costa) heiraten, damit ihre Millionen im Phantasia-Reich Pontevedro bleiben.

Wer hätte das gedacht. Ausgerechnet Dieter Köplin, immerhin künstlerischer Betriebsdirektor, spielt die besten Diener am Landestheater Neustrelitz. Schon bei den Festspielen im Schlossgarten brillierte er mehrfach als Stuhl-Träger für die feinen Herrschaften. Bei der Neuinszenierung der Operette „Die lustige Witwe“ krönte er sich selbst. Von der Maske mit einer verrückten Haartracht ausgestattet, spielte er einen grandiosen Kanzlisten Njegus. Der wirkt natürlich nur auf den ersten Blick vertrottelt. Im Zweifel ist er der Einzige, der das verwirrende Treiben am Hofe von Baron Mirko Zeta im Phantasia-Staat Pontevedrio durchschaut.

Verbeugung vor Maestro Franz Lehar

Ehe wir das Ensemble loben, gebührt Maestro Franz Lehar eine Verbeugung. Immerhin ist der Mann schon seit 66 Jahren tot, seine „Witwe“ erlebte vor fast
110 Jahren ihre Uraufführung. Trotzdem wirken Sprache und Melodien wunderbar modern. Die Klassiker dieser Operette wie „Lippen schweigen“ oder „Ja, das Studium dieser Weiber ist schwer“ gehören längst zum Repertoire der Weltmusik und gelten im besten Sinne des Wortes als Ohrwürmer.

Und wer hätte gedacht, dass folgendes, in vielen Abwandlungen existierende Macho-Bonmot aus Lehars Feder stammt: „Graf, mir fehlen die Worte.“ – „Gott erhalte Sie in diesem Zustand. Adieu Madame.“

Strahlende Marion Costa

Apropos Madame: Marion Costa, die die millionenschwere Witwe Hanna Glawari gibt, strahlt eine unheimliche Präsenz aus auf der Bühne des Landestheaters. Augenscheinlich wurde das, als sie, hochgezogen auf einem künstlichen Halbmond, das anrührende Vilja-Lied sang, untermalt vom Tanz des Waldmägdeleins – ein hübscher Regieeinfall. Doch Marion Costa brillierte nicht nur durch ihren Gesang, beeindruckend vor allem auch ihre schauspielerische Leistung – ihre Mimik und Gestik im amüsanten Wechselspiel mit dem Grafen Danilo Danilowitsch, gespielt von Robert Merwald. Der hatte es angesichts der Klasse der Costa schwer, sich als Lebemann an ihrer Seite zu behaupten.

Viel inhaltlichen Tiefgang braucht der Zuschauer von der „Lustigen Witwe“ nicht zu erwarten. Dafür aber herrliche Musik und eine opulente Handlung.

Glänzende Musiker im dunklen Orchestergraben

Für Ersteres sorgte die Neubrandenburger Philharmonie. Die mehr als 30 Musiker haben einen eher undankbaren Job. Unsichtbar im dunklen Graben sitzend liefern sie aber den hochwertigen Klangteppich, der die Operette trägt. Unter der musikalischen Leitung von Jörg Pitschmann spielten sie wieder einmal punktgenau mit Sängern und Tänzern zusammen. Kein Wunder, dass der Funke schon im ersten Akt aufs Publikum übersprang, das fortan fast nach jeder Gesangsnummer dankbaren Beifall spendete.

Insbesondere auch dem Neuling im Neustrelitzer Musiktheater-Ensemble, dem aus Südkorea stammenden Sangmin Jeon. In den Duetten mit der als Valencienne bezaubernden Margret Giglinger beeindruckte er durch seine klare und kräftige Stimme. An ihm dürfte das Musiktheater-Publikum noch viel Freude haben.

Schließlich muss auch Bernd Könnes herausgehoben werden. Nach dem Fürsten Basilowitsch im „Graf von Luxemburg“ im Schlossgarten 2014, interpretiert er diesmal mit seinem gewaltigen Tenor den Baron Mirko Zeta. Tanzkompanie und Opernchor rundeten das bunte Kostümfestival ab. Der minutenlange Beifall des Premierenpublikums war mehr als verdient.

Weitere Aufführungen am Landestheater: 26.10. und 7.12., jeweils 16 Uhr; 19. und 20.12. um 19.30 Uhr

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