Ein Blick hinter die Kulissen:

Digedags wollten keine jungen Pioniere sein

Die Mosaik-Hefte mit den Abenteuern der drei Kobolde waren nicht nur legendär. Sie waren für DDR-Verhältnisse auch unverschämt erfolgreich.

Thomas Möller und seine Digedags - eine langjährige Freundschaft.
I. Diessner Thomas Möller und seine Digedags - eine langjährige Freundschaft.

Auch wenn es in der DDR vielleicht keine freien Wahlen gab, entscheiden musste man sich trotzdem. Für die Puhdys oder Karat. Für Hansa Rostock oder den 1. FC Magdeburg. Für die Digedags oder die Abrafaxe. Thomas Möller ist ganz klar für die Digedags. Und der Vorsitzende des Neubrandenburger Mosaik- und Comic-Clubs (MCC) weiß so gut wie alles über sie. Aber er kennt sich auch aus mit allem anderen, was in der Comic- und Karikatur-Szene der DDR Rang und Namen hatte. Und vor allem sammelt er es. Mittlerweile hat er über 13 000 Stücke in seinem Bestand, kennt 100 Zeichner persönlich und ist quasi immer bereit, weiteres Material aus deren Beständen zu übernehmen, bevor es in Vergessenheit gerät.

Mit seinen „Schätzen“ hat er mittlerweile rund 500 Bilderrahmen bestückt, die er immer wieder bei verschiedenen Ausstellungen zeigt. Und so ist es auch schon passiert, dass Westdeutsche angesichts von Comics aus der DDR erstaunt äußerten, wie „bunt es bei euch“ war. Den Begriff Comics hat der Erfinder und Übervater der Mosaik-Hefte, Johannes Hegenbarth, allerdings nie gemocht. Er sprach stets von Bildgeschichten. Das tat dem Erfolg der Digedags jedoch keinen Abbruch.

Hegenbarth legte sich mit Behörden an

Das erste Heft erschien im Dezember 1955. Ursprünglich sollte es nur vier Hefte pro Jahr geben, weil aber die Auflage stets ausverkauft war, gab es die gedruckten Abenteuer ab Juli 1957 auf Wunsch des Verlages Neues Leben im Monatstakt. Beinahe gleichzeitig gab es verstärkt Versuche, die Digedags für die Erziehung der DDR-Kinder zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ zu benutzen, heißt es im Mosaik-Handbuch von Reiner Grünberg und Michael Hebestreit. Aber die Macher des Mosaiks um Johannes Hegenbarth, der unter dem Namen Hannes Hegen arbeitete, konnten immer wieder erfolgreich verhindern, dass die Digedags zu jungen Pionieren mit blauem Halstuch würden. Zwar musste sich Hegenbarth dafür mit diversen Behörden anlegen, sein bestes Argument war jedoch der Erfolg der Hefte.

Warum die Digedags in den Ruhestand geschickt wurden

Gegen Ende der Digedag-Zeit in der Mitte der 70er Jahre brachten sie dem Verlag einen Reingewinn von 1,5 Millionen Mark. Da der Verlag Neues Leben der Freien Deutschen Jugend (FDJ) gehörte und 90 Prozent des Jahresgewinns an die Jugendorganisation abführen musste, war niemand daran interessiert, diesen Geldhahn wegen politischer Differenzen abzudrehen, heißt es im Handbuch. Auch dem Erfinder ging es dabei nicht schlecht. Hegenbarth soll die für DDR-Verhältnisse astronomische Summe von 150.000 Mark pro Jahr verdient haben.
Als er jedoch im Frühjahr 1973 ankündigte, ab 1975 nur noch sechs Hefte pro Jahr produzieren zu wollen, sah sich der Verlag gezwungen, die Digedags in den Ruhestand zu schicken und ihre Nachfolger, die Abrafaxe, zum Leben zu erwecken.

Der Beliebtheit der Comic-Pioniere tat das keinen Abbruch. Das allererste Heft, das 1955 noch 95 Ost-Pfennig kostete, muss heute für bis zu 6600 Euro ersteigert werden, weiß der Neubrandenburger Thomas Möller. Das allerdings ist eine Summe, die auch er als Riesen-Fan niemals bieten würde. Seine „Schmerzgrenze“ liegt weit darunter bei 550 Euro.

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