Der TV-Film zum Rücktritt:

Doku-Drama über Ehepaar Wulff

Die Dreharbeiten sind kaum vorbei, da gibt es schon die ersten Szenen zu sehen: Das TV-Drama über den Abgang des Ex-Bundespräsidenten macht Wirbel. Auch zahlreiche Anwälte sind aktiv.

Kai Wiesinger und Anja Kling spielen Christian und Bettina Wulff
Bernd Von Jutrczenka Kai Wiesinger und Anja Kling spielen Christian und Bettina Wulff

Sie sehen gut aus, die beiden, Kai Wiesinger und Anja Kling, irgendwie wichtig, berühmt, glamourös. Aber sie können auch anders: niedergeschlagen, erschöpft, gereizt, verzweifelt. Wiesinger und Kling sind Christian und Bettina Wulff. „Der Rücktritt“ heißt der Film, wie sonst. Es geht um die letzten 68 Tage der Wulffs als Präsident und First Lady. Die Dreharbeiten sind beendet, im Frühjahr 2014 soll das Doku-Drama bei Sat.1 laufen.

„Das Risiko ist enorm bei diesem Film“, sagte Produzent Nico Hofmann am Montagabend. Damit seien nicht nur juristische Probleme gemeint, sondern vor allem die Nähe zur Aktualität. Am 14. November beginnt in Hannover der Prozess gegen Wulff wegen Vorteilsnahme in seiner Zeit als niedersächsischer Regierungschef.

Was passierte in jenen Tagen im Schloss Bellevue?

Der Film basiert zum Teil auf dem Buch „Affäre Wulff“ der „Bild“-Journalisten Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch. Die Rechte an Bettina Wulffs Erinnerungen hätte Regisseur Thomas Schadt gerne mit verwertet, sie waren aber nicht erhältlich. Ob sie Mitleid mit Bettina Wulff habe, wird Darstellerin Anja Kling gefragt. „Es hat eine gewisse Tragik“, sagte sie. Und Wiesinger, der den Wulff spielt: „Ich war echt geschockt, wie respektlos man mit ihm umgegangen ist.“

In Berlin gab es jetzt die ersten Bilder zu sehen. Die zweieinhalb Minuten lange Vorschau zeigt eine Schlüsselszene: die letzte Reise Wulffs als Präsident nach Italien. Die begleitenden Journalisten interessierten sich aber nicht für das Reiseziel, sondern nur für die Affäre. Schon wird der umstrittene Ehrensold angesprochen, den Wulff nach seinem Rücktritt erhalten wird. „Treten sie nur aus Angst vor Mittellosigkeit nicht zurück?“ wird er gefragt. So ungefähr war es.

Regisseur Schadt nannte den Wulff-Film ein „Eingeschlossenen-Drama“. Er wolle erzählen, was in den entscheidenden Tagen im SchlossBellevue passiert ist, welche Rolle Wulffs Mitarbeiter und Berater spielten. „Für jede Szene gibt es jemanden, der bezeugen kann, dass es etwa so abgelaufen ist“, sagte er.

Produzent Hofmann („Unsere Mütter, unsere Väter“) zeigte sich ob der juristischen Einwände gelassen. Zwar gebe es viele Schreiben von Anwälten Betroffener, die ihre Persönlichkeitsrechte geltend machen wollten, aber bisher habe niemand geklagt. „Ich würde mich sehr wundern, wenn der Film noch zu verhindern wäre.“