Portret Polonia:

Ein Film wie „Russendisko“ und „Soldat Schwejk“ in einem

Plötzlich in Deutschland: Wie Migranten sich fühlen und was einem von der alten Heimat „anhängt“, betrachten deutsch-polnische Filme-macher in der Reihe „Portret Polonia“ beim Filmfestival dokumentArt in Neubrandenburg. Regisseur Jan Walentek ist einer von ihnen.

Jan Walentek lebt in der Nähe von Stuttgart und blickt in seinem Film ironisch auf Deutschland und Polen.
Schipke Jan Walentek lebt in der Nähe von Stuttgart und blickt in seinem Film ironisch auf Deutschland und Polen.

Jan Walentek befindet sich mit seinem Film „Die Sonne in meinem Fernseher“ in der Tradition vom braven Soldaten Schwejk und Russendiskotheker und Schriftsteller Wladimir Kaminer. Der polnische Filmemacher aus Baden-Württemberg hat sich 2012/13 mit seinem Film an dem Projekt „Portret Polonia“ beteiligt. In Kurzfilmen sollte polnisches Leben in Deutschland gesucht und dokumentiert werden. Träger des Projekts ist das „Schloß Trebnitz Bildungs- und Begegnungszentrum“ aus dem brandenburgischen Müncheberg.

Der alte Herr unter den Regisseuren

Unter den vier Filmemachern, die mit ihren Filmen für die Kurzfilmreihe ausgewählt wurden, ist Walentek der Senior, wie er mit einem leichten Grinsen berichtet. Überhaupt sei die Sicht auf Polen und Deutschland eine Generationsfrage, schiebt er hinterher. Dies habe er bei seinen Söhnen genau beobachten können. Der Blick auf das Leben in Deutschland verändere sich mit dem Lebensalter. Einer der Söhne ist hier fest verwurzelt und der andere zurück nach Polen gekehrt. Und er selbst hat viele seiner Gefühle und Gedanken zu seiner alten und seiner neuen Heimat in diesem Dokumentarfilm untergebracht. Der 1945 geborene Walentek lebt seit 1987 in Deutschland. „Mein Protagonist ist in der gleichen Lage wie ich“, erklärt der Diplom Grafik-Designer. Noch vor Ende des Kommunismus in Polen flüchteten beide in den Westen. Beide mussten einen Deutsch-Sprachkurs für Akademiker absolvieren und leben schließlich vor allem für die Arbeit. Im Ländle lernten sie Kehrwoche und deutsche Ordentlichkeit kennen.

In dem selbstironischen Film denkt Jan Walentek laut darüber nach, was er in Polen verloren und in Deutschland gewonnen hat und umgekehrt. Am Ende ist es in Deutschland die Sonne, die nicht in den Fernsehapparat scheint, weil der Arbeitstag so lang ist, dass am Fernsehabend die Sonne längst untergegangen ist.

Wo er wohl polnisches Leben in Deutschland suchen würde? „Ehrlich oder mit Witz?“, fragt er zurück. „In der Kirche!“, sagt er schließlich mit reichlich Lachfalten in den Augenwinkeln. Er verfolgt ganz offensichtlich die gleiche Lebensmaxime, wie sein filmischer Held: In schlechten Dingen immer nach dem Positiven zu suchen. Bei all der polnischen Schwermut, bestimmt eine gesunde Einstellung.

Polnischer Humor ist einfach anders

Jan Walentek ist gespannt, wie sein Film beim deutsch-polnischen Festival dokument-ART in Neubrandenburg und Szczecin vom Publikum aufgenommen wird. „Für Polen habe ich extra eine neue polnische Fassung mitgebracht“, sagt er. Polnischer Humor sei anders als deutscher erklärt er. Schon wieder Ironie?

Das europäische Festival dokumentART ist ebenso Partner von „Portret Polonia“ wie „goEast“ in Wiesbaden, Ahoj Nachbarn mit dem Festival filmPOLSKA in München, der Greifswalder „Polenmarkt“ und das Polnische Institut in Berlin. Für die Festivals wurden vier Filme ausgesucht: „das ist polen“ von Mirek Balonis, „3fragen – generationen“ von Seweryn Zelazny, „Europa Endlos“ von Anna Maria Roznowska und die Arbeit von Jan Walentek.

Nordkurier digital jetzt ab 3,75 € pro Monat