Zum Filmstart von "Cinderella":

Ein Gespräch mit Lily James und Richard Madden

Lily James (25) und Richard Madden (28) spielen in Kenneth Branaghs zauberhafter Aschenputtel-Verfilmung Cinderella und ihren Traumprinzen. Wir trafen die Schauspieler zum Gespräch.

Lily James als Cinderella und Richard Madden als Kit.
Jonathan Olley /Disney Enterprises, Inc. Lily James als Cinderella und Richard Madden als Kit.

Lily, ist es für junge Mädchen wirklich erstrebenswert, auf den Traumprinzen zu warten

Lily James: Es hängt davon ab, was für eine Sicht man auf dieses Märchen hat. Unser Film greift offensichtlich die Originalgeschichte auf. Wenn ich an meine eigene Kindheit zurückdenke, gab es da natürlich diesen Prinzen. Aber vor allem erinnere ich mich an das Bestreben Cinderellas, mehr aus ihrem Leben machen zu wollen. Sie sehnt sich nach Liebe, aber sie will auch die Welt erforschen. Dann gelangt sie in diese Welt der Magie und der Schönheit und sie erlebt eine Romanze. Ich kann darin nichts Negatives erkennen. Im Mittelpunkt unseres Films steht nicht der Prinz, der Cinderella aus ihrem lieblosen Heim rettet. Die beiden haben wirklich eine Verbindung und er lernt mehr von ihr als umgekehrt. Cinderella trifft ihre Entscheidungen selbstständig.

Haben Sie Recherchen in Sachen Cinderella angestellt?

Lily: Ja. Ich habe all die unterschiedlichen Versionen gelesen. Und ich habe mir jeden einzelnen Disney-Film angeschaut, in dem eine Prinzessin vorkommt, das waren sehr angenehme Hausaufgaben. Auf Kenneths Wunsch hin habe ich mir auch „Amélie“, „Annie Hall“ und „Verwünscht“ mit Amy Adams angesehen. Ich wollte Cinderella zu einer realen, wahrhaftigen Person machen, deren Reaktionen auf die Welt nachvollziehbar sind. Ich wollte sie nicht als passiv darstellen, sie sollte Stärke ausstrahlen. Das schließt ja nicht aus, dass sie sich auch manchmal von ihren Träumen davontragen lässt. Das ist es, was Kids tun.

Richard Madden: Es waren vor allem die praktischen Dinge, die ich vorbereitet habe. Ich hatte Tanz- und Fechttraining. Ich bin so häufig wie möglich geritten. Ich war schon vorher ein ganz passabler Reiter, aber ich musste diesmal auch Dressurreiten und Sprünge beherrschen. Ich habe die Figur des Prinzen mit Kenneth aus dem Nichts entworfen. Wir haben auf keinem Vorbild aufgebaut und eine ganze Biografie für den Prinzen geschrieben. Ken hat ebenso viel Zeit in die Vorbereitung dieser Rolle investiert, als würde er „Macbeth“ inszenieren. Und auch ich habe mein Bestes gegeben.   

Haben Sie von Ihrer „Game of Thrones“-Erfahrung profitiert?

Richard: Ja, vor allem, was das Reiten und das Fechten anbelangt. Aber es gibt auch Parallelen bei den Figuren. Robb Stark wird große Verantwortung aufgeladen, nach der er nicht gebeten hat. Der Prinz in diesem Film befindet sich in exakt derselben Situation. Beide folgen eher ihrem Herzen als ihrem Kopf. Für den Prinzen hat das gut funktioniert, für Robb Stark ist es sehr schlecht ausgegangen.

Vermissen Sie „Game of Thrones“?     

Richard: Ich bin wirklich froh, dass meine Arbeit daran beendet ist. Ich hatte eine gute Zeit mit „Game of Thrones“. Aber ich wusste auch, dass es an der Zeit war, diesen Job zu Ende zu bringen. Vom Pilotfilm bis zu meiner letzten Episode war ich fünf Jahre lang mit der Serie beschäftigt. Man dreht sechs Monate und dann geht man ein halbes Jahr seiner Wege. Dann kehrt man wieder für sechs Monate zurück. Man lebt konstant als diese Figur. Eine Theaterrolle ist nach einer Spielzeit beendet und für einen Spielfilm gibt man bei den Dreharbeiten alles und streift den Charakter danach wieder ab. Es war gut, loszulassen und dann für einen so schönen Film wie diesen engagiert zu werden.

Wie erleben Sie die Erfolgsgeschichten Ihrer Serien?            

Lily: „Downton Abbey“ hat sich zu einem Phänomen entwickelt und ich schätze mich glücklich, ein Teil davon zu sein. Wahrscheinlich hat diese Rolle auch bewirkt, dass ich für Cinderella vorsprechen durfte. Ich arbeite heute sehr viel mehr. Wenn man diesen Film überall auf der Welt vorstellen darf, ist das schon etwas Neues. Aber wenn ich dann wieder Zuhause in meiner Wohnung mit meiner Katze abhänge, fühlt sich das kein bisschen anders an.

Richard: Manchmal habe ich es schon vergessen, da schleicht es wieder an mich heran. Man spricht mich in New York an und sagt, ich sähe aus wie dieser Typ aus „Game of Thrones“. Und dann lüge ich: „Ja, das höre ich öfter!“. Da wird einem bewusst, dass die Serie eine große Sache geworden ist. Ich habe sie zunächst eher für ein Nischenprodukt gehalten. Was sie ganz klar nicht ist.

Lily, wollten Sie als Kind Prinzessin sein?

Lily: Ich glaube, die meisten Mädchen wollen doch eine Prinzessin sein. Das ist fast schon ein Standard. Später manifestiert sich das dann in unterschiedlichen Formen, je nachdem, was „Prinzessin sein“ für dich bedeutet.

War es schon immer Ihr Wunsch, Schauspieler zu werden?

Lily: Ich war mir zuerst nicht sicher, ob das mein Weg sein würde. Aber ich habe es immer geliebt, zu tanzen und zu singen. In diese Richtung sollte es gehen. Ich habe mich dann auf der Schauspielschule eingeschrieben und mich auf diesen Beruf fokussiert.

Richard: Ich hatte niemals einen Plan B. Hätte ich einen, wäre ich vielleicht in die Versuchung geraten, ihn umzusetzen. Das möchte ich vermeiden.

Wie schwierig war die Arbeit mit den riesigen Kleidern, etwa in der Szene mit Helena Bonham Carter?

Lily: Es war hart, aber es hat auch Spaß gemacht. Helena ist einfach traumhaft. Ich habe so viel gelacht und sie hat mir beigebracht, wie man bei all dem Wahnsinn den Humor nicht verliert. Ihr Kleid war beleuchtet und sie trug Batterien darunter. Jeden Tag kam ein Typ, um sie „anzumachen“. Es waren Nachtdrehs. Wir haben um 17 Uhr angefangen und bis 7 Uhr morgens gedreht. Es war eiskalt, meine Lippen waren blau und ich musste immer lachen, obwohl mir gar nicht danach zumute war. Wenn wir beide unsere Kleider trugen, konnten wir uns nicht einmal die Hände reichen, weil sie so groß waren. Wir hatten jeder ein eigenes Zelt, in dem wir uns zwischen den Aufnahmen ausruhen konnten. Wir fühlten uns wie gestrandete Wale. Wenn man mal auf die Toilette musste, dauerte es 40 Minuten, das Kleid an- und wieder auszuziehen. Am Ende habe ich das Kleid gehasst. Wenn ich es jetzt sehe, liebe ich es wieder. Es hat die Zeit der Trennung gebraucht, um mir der guten Dinge unseres Zusammenseins bewusst zu werden.

Im Internet kursierten Gerüchte, man hätte Ihre Taille im Film computertechnisch schmaler gemacht. Offensichtlich war das nicht nötig.     

Lily: Nein. Ich habe wirklich diese kleine Taille. Ich habe breite Hüften, eine schmale Taille und einen Vorbau. Und ich bin kerngesund. Ich würde es schrecklich finden, wenn man da etwas bearbeiten würde.

Sind Sie wirklich in den Glasschuhen gelaufen?

Lily: Ich zerstöre nur sehr ungern die Illusion, aber tatsächlich passt dieser Schuh niemandem. Der Prinz ist wohl immer noch da draußen und sucht seine Prinzessin. Der Schuh wurde aus Swarovski-Kristall gefertigt, man kann ihn nicht wirklich anziehen.

Welcher war Ihr erster gemeinsamer Drehtag?

Lily: Die erste Szene, die wir gedreht haben, war die mit den Pferden. Ken wollte die Energie zweier junger Leute einfangen, die sich zum ersten Mal begegnen. Ich hatte Richard zuvor nur ganz kurz kennengelernt, also war für uns wirklich alles neu. Von Tag eins an herrschte zwischen uns Freundschaft.

Die Ball-Szene ist im Film von zentraler Bedeutung. Haben Sie sich besonders darauf vorbereitet?   

Lily: Wir haben fünf Tage gebraucht, diese Szene zu drehen. Ich hatte mir vorher eine mächtige Erkältung eingefangen und Ken sagte, ich soll sie Zuhause auskurieren. Die erste Szene nach meiner Rückkehr war die im Ballsaal. Ich stand noch ein wenig unter dem Einfluss meiner Medizin. Das war einem leicht benommenen, verliebten Blick sehr förderlich. Diese Szene war wirklich erstaunlich, nicht nur, weil mein Bruder als Statist mitwirkte. Ich hatte ein wenig Angst davor, weil ich zum ersten Mal die Prinzessin sein würde. Ella war ein normales Mädchen, ich wusste, dass ich das spielen kann. Als Prinzessin musste ich der Erwartungshaltung der Zuschauer gerecht werden, die ganz konkrete Bilder im Kopf haben. Aber auch dieses ängstliche Gefühl war der Szene zuträglich.

Richard, hatten Sie die Befürchtung, beim Tanz auf das Kleid zu treten?

Richard: Das war mein allererster Gedanke. Deshalb habe ich auch über zwei Monate lang Tanzunterricht genommen. Der Tanz gehört nicht zu meinen natürlichen Begabungen. Der Prinz mag das Tanzen und die Gesellschaften. Es musste also so aussehen, als mache ich das schon seit Jahren. Drei Tage in der Woche habe ich mit Tanzpartnerinnen geübt, die Probekleider trugen. Es hat lange gedauert, bis man mich mit Lily im echten Kleid proben ließ. Am Ende hat es mir fast ein bisschen Spaß gemacht.

Haben Sie sich in Ihrem eigenen Kostüm wohlgefühlt?

Richard: Es ist nicht möglich, sich in hautengen, weißen Hosen wohlzufühlen. Haben Sie das je probiert? Es ist kein Spaß. Ich habe mich gefragt, wie ich damit eine Maskulinität ausstrahlen soll. Kostümbildnerin Sandy Powell hat mir das Vertrauen gegeben, dass ich trotz der Extravaganz und dem Glitter männlich wirken kann. Und ich war ja nicht allein. Die Hosen von Stellan Skarsgard und den Anderen waren genauso eng wie meine.

Ist es schwer, einen wahrhaftigen Charakter in einem Märchen zu etablieren?   

Richard: Ken und ich wollten einen Sohn zeigen, der mit seinem Vater nicht einer Meinung ist, ihn aber trotz allem liebt. Er weiß, was er tun sollte, macht aber das genaue  Gegenteil. Diese realen Konflikte gibt es im Film, auch wenn es sich um ein Märchen handelt. Einiges macht natürlich nicht wirklich Sinn. Es gibt keine andere Frau im ganzen Königreich, der dieser Schuh passt? Was stimmt mit Cinderellas Füßen nicht? Und wo kauft sie ihre Schuhe? Diese künstlerische Freiheit muss man sich schon nehmen. Das macht doch erst die Magie aus.

Nach was für einer Rolle suchen Sie nun?

Lily: Ich möchte erst einmal keine Kostümfilme mehr drehen. Ich möchte Rollen spielen, in denen ich total frei und wild sein darf.

Was treiben Sie zwischen Ihren Filmprojekten?

Richard: Entweder ich trinke kein Bier, esse keine Pizza und trainiere hart oder ich trinke Bier und esse Pizza. Das sind die zwei Optionen, die man hat. Als Schauspieler muss man heutzutage ein Athlet sein und hart daran arbeiten, gut auszusehen, weil auf den ersten zehn Seiten eines Drehbuchs eine Szene ohne Hemd vorkommt. Dann heißt es, drei Monate lang Hähnchenbrust und Gemüse essen. Danach kann ich wieder mit Freunden zusammen sein, Pizza essen und das Leben genießen. In diesen Zyklen läuft mein Leben ab. Sie haben Glück, Sie erwischen mich in der Pizza-Phase, deshalb kann ich auch lachen.

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