Zum Kinostart von "Der Hobbit – Smaugs Einöde":

Ein Gespräch mit Schauspieler Martin Freeman

Martin Freeman (42) ist nun zum zweiten Mal als Bilbo Beutlin im Kino zu erleben. Wir trafen den Schauspieler und sprachen mit ihm über Humor, den Wunsch nach einem Ring der unsichtbar macht und die Theorie, dass es am Ende immer nur um uns selbst geht.

Martin Freeman bei der Europapremiere von "Der Hobbit - Smaugs Einöde" in Berlin.
Hannibal Hanschke/dpa Martin Freeman bei der Europapremiere von "Der Hobbit - Smaugs Einöde" in Berlin.

Mr. Freeman, etliche Fans kampieren seit Sonntag auf dem Potsdamer Platz, um bei der „Hobbit“-Premiere dabei zu sein.

Sie sind tapferer als ich. Sie setzten sich für diesen Film der Kälte und der Nässe aus. Das ist wahre Hingabe.

Wie fühlen Sie sich bei diesem Fan-Hype?

Wenn es ein Hype wäre, würde ich andere Gefühle hegen. Aber hier handelt es sich um Menschen, die diese Filme aufrichtig lieben.

Hat die „Sherlock“-TV-Serie in Ihrer britischen Heimat eine ähnlich enthusiastische Fangemeinde?

Oh ja. Was mich persönlich anbetrifft, so hat mir „Sherlock“ den stärksten Beweis dafür geliefert, was es bedeutet, Fans zu haben - mehr noch als der „Hobbit“. Die „Hobbit“-Fans sind auf eine positive Weise zurückhaltender.

Wie erklären Sie sich, dass diese vor langer Zeit geschriebenen Charaktere noch immer populär sind?  

Sowohl Tolkien als auch Conan Doyle haben unverwüstliche Geschichten zu Papier gebracht. Wenn die Reinkarnationen anständig gemacht sind, bekommen sie auch ihre Chance. Ich würde „Sherlock“ auch mögen, wenn ich nicht beteiligt gewesen wäre. Und jemand wie Peter Jackson weiß genau, was er tut. Man hält diese Geschichten am Leben, sie gehören zum Alltag der 12- bis 14-jährigen, genau wie Bieber oder „One Direction“.

Aber warum strömen so viele Menschen aus allen Generationen in diese Filme?         

Die literarische Vorlage hat ihre Popularität seit 1937 nie verloren. In vielen Science Fiction-Geschichten kann man DNA-Spuren entdecken, die sich auf Tolkien zurückführen lassen. Aber wenn der Filmemacher keine gute Arbeit geleistet hätte, würde sich trotzdem niemand darum scheren. Die Leute würden Tolkien lieben, aber nicht diese Filme. Pete ist ein begnadeter Filmemacher. Natürlich wollen die Menschen immer ein Stück weit der Realität entfliehen. Sie wollen sich mit Gott, der Schöpfung und unerklärlichen Phänomenen auseinandersetzen. Aber am Ende geht es doch immer nur um uns selbst.

Inwiefern?

Die Welten aus „Der Herr der Ringe“, „Der Hobbit“, „Thor“ oder „Game of Thrones“ mögen fantastisch sein, aber im Grunde dreht sich dort alles um Politik, um Familie, um das Heute. Wir wissen, dass Mittelerde nicht wirklich existiert. Worauf sprechen wir also an, wenn wir uns den „Hobbit“ anschauen? Wir sprechen darauf an, dass jemand plötzlich und unerwartet Mut beweist, wir sprechen auf Loyalität oder althergebrachte Traditionen an. All das lässt sich auf unseren Alltag beziehen. „Der Pate“ erzählte dem amerikanischen Publikum mehr über das Leben in den 1970-er Jahren als über die 1940-er. Es ist ein Film, der die Zeit seiner Entstehung reflektiert. Und der „Der Hobbit“ handelt genau so sehr von uns, wie er von großen Füßen und großen Ohren handelt.

Wann haben Sie zum ersten Mal Ihr Unterhaltungstalent entdeckt?

Ich war vielleicht vier oder fünf, als ich festgestellt habe, dass ich mich gern in Szene setze. Ich wusste instinktiv, wie ich in bestimmten Situationen lustig sein und so einen Nutzen daraus ziehen konnte. Das ist wohl typisch, ich war klein, der Jüngste von fünf Geschwistern, etwas kränklich. Da findet man heraus, welche Dinge einen im Leben weiterbringen. Ich habe meinen Verstand benutzt. Ich hätte mich in der Schule mit niemandem anlegen können, aber ich habe die Leute davon abgelenkt, indem ich sie zum Lachen gebracht habe.

Würden Sie Bilbo gern lustiger anlegen?

Nein. Humor und Leichtigkeit stecken ja bereits in dieser Rolle. Bilbo ist ein wenig aufgeblasen. Ihn in dieser für ihn ungewohnten Welt zu erleben, hat etwas Absurdes. Für Peter Jackson ist er der Archetyp eines Engländers. Ich weiß schon, was er meint, aber man findet solche Typen wohl überall auf der Welt. Bilbo ist nicht abenteuerlustig, nicht gewalttätig und keinesfalls ein Krieger, aber er findet sich in einer Situation wieder, die abenteuerlich und brutal ist. Das für sich genommen ist schon komisch. Ich fragte Pete ständig, wann ich etwas ernster werden darf. Bilbo hat helle und dunkle Seiten, er ist komplexer und facettenreicher, als nur ängstlich dreinzublicken.

Ist die beeindruckende Schatzkammer eine gebaute Kulisse oder ist sie im Computer entstanden?

Es gab ein riesiges Set. Der Schatz, die Münzen und das Gold waren physisch vorhanden. Als ich durchlief, bin ich eingesunken wie in Treibsand. Das war für mich als Schauspieler sehr hinderlich, schließlich muss Bilbo schleunigst und auf leisen Sohlen verschwinden, um nicht gegrillt zu werden. Natürlich befand sich kein Drachen dort und sein Monolog, den Benedict sprechen würde, wurde von jemandem eingelesen. Diese Mischung ist typisch für Pete´s Filme. Es gibt diese Kulissen, die man berühren und riechen kann, andere Dinge muss man sich vorstellen, während man seinen Blick tatsächlich auf einen Tennisball fokussiert. Es ist die Herausforderung, das alles real wirken zu lassen. Das beste Schauspiel entsteht immer als Reaktion auf deinen Schauspieler- oder Drachenkollegen. Wenn da keiner ist, muss man das eben herstellen. Dabei darf man nicht in Pantomime verfallen oder übertreiben.          

Gab es witzige Ausrutscher?

Nein, nicht wirklich. Es gibt beim „Hobbit“ nicht viele Outtakes, ich weiß nicht, warum. Wahrscheinlich, weil es ewig dauert und viel Geld kostet, bis man noch einmal von vorn beginnen kann. Ich habe immer versucht, Fili und Kili - Dean O’Gorman und Aidan Turner – aus der Reserve zu locken. Das ist so einfach, wie einem Baby die Süßigkeiten zu klauen. Man muss sein Gesicht nur von der Kamera abwenden, eine Grimasse ziehen und schon ist es um sie geschehen.

Ihre Popularität bringt sicherlich einige Einschränkungen in Ihrem Privatleben mit sich. Können Sie noch ungestört Menschen beobachten?

Nicht so wie früher. Das birgt eine Gefahr in sich. Die Welt bildet die Arbeitsgrundlage für einen Schauspieler. Wenn man sich ein Stück weit aus ihr zurückzieht, beginnt man Dinge zu recyceln, die ohnehin in einem stecken. Man kann nicht mehr drei Stunden ungestört im Café sitzen und Menschen beobachten. Es ist eine Herausforderung, sich die Dinge zu bewahren, wegen denen man diesen Beruf ursprünglich ergriffen hat.

Wünschen Sie sich manchmal einen Ring, der Sie unsichtbar macht? 

Ständig, in sechzig Prozent der Zeit.

Der britische Schauspieler Martin Freeman (42) erlangte durch die TV-Serie „The Office“ große Popularität, die auch den deutschen Ableger „Stromberg“ inspirierte. Nach Auftritten in Kinofilmen wie „Tatsächlich ... Liebe“ oder „Per Anhalter durch die Galaxis“ ergatterte Freeman 2010 die Rolle des Dr. Watson in der TV-Serie „Sherlock“, die nicht nur in Großbritannien Furore machte. Wenn Martin Freeman nun zum zweiten Mal als Peter Jacksons „Hobbit“ zu erleben ist, ist das auch eine Wiedervereinigung des „Sherlock“-Erfolgsteams. Holmes-Darsteller Benedict Cumberbatch spielte die Vorlage und lieferte die Stimme für den Drachen Smaug, der nicht nur dem Hobbit Bilbo Beutlin die Hölle heiß macht.

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