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Ein Heimspiel für die Weltspitze

Eine Hoffnung könnte in der nahen Zukunft Wirklichkeit werden: Mit dem Blues kommt eine neue Klangfarbe in die Festivallandschaft Mecklenburg-Vorpommerns. „Blues unplugged“ legte am Wochenende einen Grundstein.

Viel Beifall gab es beim Grand Jam Open Air für den Timo Gross (links), Brenda Boykin und Karlos Boes. Foto: Uwe Roßner
Viel Beifall gab es beim Grand Jam Open Air für den Timo Gross (links), Brenda Boykin und Karlos Boes. Foto: Uwe Roßner

Neustrelitz. Einstimmig fiel das Votum aus. Der Blues soll in Zukunft in der Residenzstadt eine Heimstatt finden. Das begrüßten an die zweihundert Musikliebhaber des Grand Jam am Samstagabend im Park der ehemaligen Landesirrenanstalt lautstark. Unterm klaren Sternenhimmel richtete die US-amerikanische Sängerin Brenda Boykin diese Frage nach den letzten Takten eines erstklassigen wie beglückend abwechslungsreichen Freilluftmarathons an das ausgelassene Publikum. Das diesjährige Wagnis, „blues unplugged“ erstmals Open Air zu veranstalten, lief gut an. Zu berücksichtigen ist nicht allein der Umstand, dass Blues in der Liveszene in diesen Breitengraden noch fest zu verankern ist. Hinzu kam auch ein überraschend kräftig einsetzender Regenschauer zwei Stunden vor dem ersten Gig.

Der Anspruch der Festivalmacher ging auf: Qualität setzt sich durch. Dank der hervorragenden Kontakte Rainer Grassmucks in die bundesweiten wie internationalen Musikerkreise fiel das diesjährige zweitägige Aufgebot im Rampenlicht exquisit aus. Die Zusage der Queen Brenda Boykin beweist dies allein. Timo Gross spricht als einer derzeit angesagtesten Gitarristen und Komponisten der deutschen Bluesszene dafür. Ähnliches galt für Roberto Morbioli. Gross´ Kollege ist in den USA wie in Europa auf den wichtigsten Bühnen zu Hause. Seit dem vergangenem Jahr ist der gebürtige Italiener Sideman von Big Daddy Wilson. Der Bassist Kai Struwe und der Saxophonist Karlos Boes gehören Helge Schneiders Combo an. Auch der Pianist Roman Babik und der Schlagzeuger Mickey Neher sind als Gründungsmitglieder von Club des Belugas hierzulande keine Unbekannten mehr.

Anders als im April 2012 eröffnete Timo Gross die Grand Jam als Solist mit einem interessanten Querschnitt seines eigenen Materials. Eine packende Energie entwickelte er im Duo mit Roberto Morbioli. Letzterer setzte auf einige Klassiker und erhielt viel Beifall für eingängige Ohrwürmer aus eigener Feder. Wie viel Spaß und Beschwingtheit der Blues haben kann, bewies Brenda Boykin mit ihrem abendlichen Quartett bestehend aus Kai Struwe, Karlos Boes, Roman Babik und Mickey Neher. Ein nuancenreiches Ensemblespiel rahmte ihre kraftvoll erdige Stimme. Den Solisten gab die in den USA viel beachtet Jazz- und American Roots Singer/Songwriterin Raum und kitzelte das Beste aus ihnen heraus.