Neu im Kino:

Ein Kessel Breakdance: Dessau Dancers

Die filmische Auseinandersetzung mit dem DDR-Regime begann mit eher heiteren Werken wie „Sonnenallee“ oder „Good Bye, Lenin“. Nun wagt ein neues Kinowerk mal wieder den augenzwinkernden Ansatz.

Die allermeisten Tanzfilme funktionieren nach den ewig gleichen Strickmustern. Schöne, junge Menschen ohne Perspektive kompensieren ihren Frust, indem sie sich rhythmisch zur Musik bewegen. Um wenigstens einmal im Leben Erfolg zu haben, trainieren sie für einen großen Wettbewerb. Aber dort tritt auch diese andere Truppe an, die einem schon ewig das Leben schwer macht. Gern würzt man diese Grundkonstellation noch mit einer Liebesgeschichte zwischen Mitgliedern der verfeindeten Ensembles. Auch „Dessau Dancers“ kommt nicht völlig ohne diese Konventionen aus. Aber diese Stereotypen haben auch noch nie ein tanzwütiges Publikum vom Kinobesuch abgehalten.

Als Harry Belafontes Filmproduktion „Beat Street“ über Breakdancer und Graffiti-Künstler aus der Bronx auch die Kinos der DDR erreichte, war es um zahlreiche Jugendliche geschehen. Besorgt beobachteten die Funktionäre, wie der „Brechtanz“ immer weitere Kreise zog. Aber rhythmisch zuckende FDJler auf den Straßen des Arbeiter- und Bauernstaats, das ging natürlich gar nicht. „Dessau Dancers“ erzählt die Geschichte einer Truppe von Jugendlichen, die sich mit den Kulturbonzen arrangieren, um ihre Künste offiziell in der ganzen Republik vorzuführen. Das geht natürlich nur eine Weile gut.

Als ehemaliger DDR-Bürger muss man schon alte „Polizeirufe“ oder Wendezeit-Dokus Revue passieren lassen, um sich wieder daran zu erinnern, dass viele Fassaden und Treppenhäuser damals tatsächlich so marode waren, wie sie in diesem Film dargestellt werden. Wie viele Klischees, die „Dessau Dancers“ genüsslich bedient, steckt auch hinter der deprimierenden Ausstattung mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. So wird der Zuschauer auch Zeuge jener charakteristisch heuchlerischen Dialoge zwischen dem Normalbürger und einer Staatsmacht, die längst nicht mehr an die  sozialistische Sache glaubt. Die Jugendlichen verteidigen ihr Hobby, in dem sie ihre Solidarität zu den unterdrückten Farbigen in der Bronx bekunden. Die Funktionäre reagieren, in dem sie dieses Bestreben unterstützen und so die Aktivposten unter den Tänzern vom Rest isolieren, auf den man weiterhin einschlagen kann. Politisch ist Jan Martin Scharfs Komödie eigentlich nur am Rande. Es dominiert die Lebensfreude junger Menschen, die sich von Mauern und Uniformen bekanntlich noch nie hat zügeln lassen.   

Verleih: Senator/Central   
Bundesstart: 16. April 2015      
Genre: Komödie

Mehr Infos unter: www.senator.de/movie/dessau-dancers

Wertung:

Anspruch: 1
Spannung: 3
Action: 3
Humor: 2
Erotik: 1

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