Weihnachtsmärchen für die ganze Familie:

Ein Lebkuchenmann - zwei Inszenierungen

Weihnachtszeit ist Märchenzeit und so haben auch die Theater des Landes gerade viele fantasievolle Stücke für Kinder und Erwachsene im Programm. Aber lohnt sich auch ein Besuch?

"Der Lebkuchenmann" ist gleich auf zwei Bühnen im Nordosten zu sehen.             
Daniel Karmann "Der Lebkuchenmann" ist gleich auf zwei Bühnen im Nordosten zu sehen.  

Schauplatz ist ein Küchenregal. Um Mitternacht weckt Herr von Kuckuck die Bewohner des Regals. Allerdings hat er einen Frosch im Hals und muss befürchten, wegen des Stimmproblems im Müll zu landen. Fräulein Pfeffer und Herr Salz würden gerne helfen, wissen aber nicht, wie. Hinter dem Nudelholz finden sie den Lebkuchenmann und erwecken ihn zum Leben. Aber Flitsch, die Maus, will dem Lebkuchenmann an die Mandeln und auch der Teebeutel ist gegen ihn. Kurzum, im Küchenregal ist der Teufel los.

Neubrandenburg: Fantasievolle Kulisse und herrliche Kostüme

Publikum (Neubrandenburg):

Bei den Hits aus dem Lebkuchenmann wird rhythmisch mitgeklatscht. Nachdem die Inszenierung in den ersten zehn Minuten etwas zäh anläuft, sorgt ein kleiner Junge im Publikum mit einem Zwischenruf für den ersten Lacher: „Der ist ganz schön zickig“, meint er zum Neffen Wunibald (Christian Arnold). Nach dem Finale wird eine Zugabe gefordert und gegeben.

Kulisse:

Einfach nur fantasievoll: Die große Teekanne, die auf modern getrimmte Senftube und die Honig-Portion im Plastebehältnis. Der Clou: Das Radio Theo, aus dem Alexander Mildner gekonnt und witzig aufspielt.

Kostüme/Maske:

Großes Lob an die Maske (Ela Bumbul) und die Kostümabteilung (Roswitha Gauck/Margit Skowronek-Blendermann): Vor allem die Schrankbewohner sehen kreativ aus. Herausragend die Kostüme des Pfeffer und des streuenden Fräulein Pfeffer mit Kurbel auf dem Kopf sowie des alten Teebeutels, der seine Utensilien als Waffe einsetzen kann.

Schauspieler:

Hut ab vor Fabian Quast als Lebkuchenmann. Trotz seines wuchtig wirkenden Kostüms hüpft er permanent fluffig über die Bühne. Überaus witzig Michael Goralczyk als Herr Salz – Vorname Jod. Martina Block erinnert als Teebeutel an Hella von Sinnen. Herr von Kuckuck (Mario Lohmann) fällt dagegen etwas ab, was vielleicht auch an der Rolle liegt.

Musik/Gesang/Tanz:

Genau die richtige Mischung von Gesang, Spielen und Sprechen. Mut zum mehrstimmigen A-capella-Gesang. Keine überragenden aber auch keine peinlichen Gesangsleistungen. Ein zweites Lob an Alexander Mildner, der auch die musikalische Leitung innehatte und mitspielte (siehe oben „Kulisse“).

Extras:

Sehr schön die Kampfszenen zwischen Flitsch, die Maus (Christian Arnold) und dem Lebkuchenmann beziehungsweise dem alten Teebeutel in Zeitlupe. In Slowmotion sieht der Zuschauer viel besser, was die Schauspieler auf der Bühne leisten. Im Programm findet sich eine Anleitung zum Selberbauen des Lebkuchen-Küchenorchesters.

Anklam: Das Publikum fordert schon in der Pause die erste Zugabe

Publikum (Anklam):

Als die miese Maus die Süßigkeiten der Kinder im Saal einsammeln will, ist das „Nein“ geradezu ohrenbetäubend. Das Publikum geht gut mit und hilft lautstark, wo es kann, wenn zum Beispiel der Lebkuchenmann im Regal eine Etage höher gezogen werden muss: „Hau ruck, Hau ruck“. Und schon in der Pause wird eine Zugabe gefordert, am Ende sowieso.

Kulisse:

Nicht zu verspielt. Eine schöne Idee ist die Kaffeemühle, speziell deren Kurbel, an der die Schauspieler herumturnen können, wodurch sie sich auch den „Luftraum“ der Bühne erobern.

Kostüme/Maske:

Herr von Kuckuck (Sven Jenkel) ist eine regelrechte Augenweide. Ganz in Grün mit hoch toupierter Tolle und flottem Ziegenbart sieht er aus wie ein Meister Nadelöhr (die Älteren erinnern sich vielleicht) in schrill. Fräulein Pfeffer (Nicole Thuß) wurde die Schärfe auf den Leib geschneidert.

Schauspieler:

Der Lebkuchenmann (Maximilian Heckmann) macht seinem Namen alle Ehre, auch wenn die Wissenschaft behauptet, dass Lebkuchen ja gar nicht von Leben kommt. Einmal zum Leben erweckt, kann er nicht genug davon kriegen, ist ständig in Bewegung und hat Angst vor gar nichts. Flitsch, die Maus (Anna-Maria Gesine Schreiber), die sich selbst auch die Mafia-Maus nennt, hat den Saal gleich gegen sich. Einer der großen Momente der Inszenierung ist, wie sie oben im Regal steht und sich quasi ein Brüll-Duell mit dem Publikum liefert.

Musik/Gesang/Tanz:

Der „Lebkuchenmann“ ist ein Musical, also müssen die Schauspieler singen können. Und das können die Eleven des vierten Studienjahres der Theaterakademie Vorpommern ziemlich gut. Allerdings wird auch nicht so viel gesungen, dass es einem überdrüssig werden würde, selbst wenn man Musicals nicht so mag. Die Mischung macht’s und stimmt.

Extras:

Einige Rollen sprechen Dialekt. Herr von Kuckuck hat ein niedliches Schwyzerdütsch drauf, er wohnt ja auch in einer Schweizer Uhr. Der Teebeutel (Anna Thiele) schwäbelt und Herr Salz (Daniel Elias Böhm) kommt kernig norddeutsch daher, wenn auch nicht durchgehend.

 

Weitere Aufführungen:

Neubrandenburg: Schauspielhaus: 3.12, 10 Uhr; 4.12., 9.30 Uhr und 15 Uhr; 5.12., 10 Uhr.
Neustrelitz Landestheater: 10., 11., 17., 18., 19.12., jeweils 10 Uhr; 20.12., 9 Uhr; 22. und 29.12., jeweils 15 Uhr.

Theater Anklam: 12.12., 9 Uhr und 11 Uhr; 13.12., 9 Uhr.
Blechbüchse Zinnowitz: 15.12., 15 Uhr; 16. und 17.12., jeweils 9.15 Uhr

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