Tod mit 88 Jahren:

Eine „Schweigeminute“ für Siegfried Lenz

Mit dem Roman „Deutschstunde“ schenkte er Vertriebenen ihren inneren Frieden. Jetzt ist der Schriftsteller verstorben.

Siegfried Lenz war laut Kollegen ein „ganz Großer“. Die Nachkriegsgeschichte hat er auch literarisch verarbeitet.
Maurizio Gambarini Siegfried Lenz war laut Kollegen ein „ganz Großer“. Die Nachkriegsgeschichte hat er auch literarisch verarbeitet.

Trauer um Siegfried Lenz – einen der großen Schriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur. Der 88-Jährige starb am Dienstag im Kreise seiner Familie. Lenz’ Bücher wurden von Millionen Menschen gelesen. Sein wichtigstes Werk ist der in viele Sprachen übersetzte und verfilmte Roman „Deutschstunde“ (1968) über die Nazizeit und einen falsch verstandenen Pflichtbegriff.

Der Ostpreuße galt vor allem als ein Meister der Erzählung. Dafür stehen humorvolle Bände wie „So zärtlich war Suleyken“ (1955) oder die tragische Novelle „Schweigeminute“ (2008). Vor drei Jahren erschien sein letzter Erzählband „Die Maske“.

Bundespräsident Joachim Gauck nannte Lenz „einen der ganz Großen der deutschen Literatur“. Er habe die Menschen bewegt, begeistert und zum Nachdenken gebracht. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte: „Eine große literarische Stimme ist verstummt, seine Werke aber bleiben.“

Aussöhnung mit Polen und Israel

Neben den Nobelpreisträgern Heinrich Böll und Günter Grass gehörte Lenz zu jenen Autoren, die die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und die Aussöhnung insbesondere mit Polen und Israel als Lebensaufgabe verstanden. 1988 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.

Seine Werke sind nach Angaben des Hoffmann und Campe Verlags in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Die Weltauflage liegt demnach bei über 25 Millionen. Das breite Oeuvre von Lenz umfasst Romane, Erzählbände, Theaterstücke, Hörspiele und Essays.

Vom Redakteur zum Schriftsteller

Lenz wurde am 17. März 1926 in der masurischen Kleinstadt Lyck im heutigen Polen geboren. Nach dem Krieg hatte Lenz ein Lehrerstudium begonnen, er arbeitete als Kulturredakteur für die Tageszeitung „Die Welt“ und wurde nach dem Erscheinen seines Debütromans „Es waren Habichte in der Luft“ 1951 freier Schriftsteller. Seine Nachkriegsheimat Hamburg verlieh ihm zum 75. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde.

Lenz war seit Jahren gesundheitlich angeschlagen. Bereits auf den Rollstuhl angewiesen, hatte er ein Appartement in einer Senioren-Residenz an der Elbchaussee.

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