Neu im Kino:

Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach

Man kommt nicht umhin, den Schweden Roy Andersson („Songs from the Second Floor“) als Ausnahmeregisseur zu bezeichnen. Nicht nur, weil er einen Film mit einem der längsten Titel überhaupt gedreht hat. Sondern vor allem, weil man ein Werk wie dieses tatsächlich noch nie sah.

Sie möchten helfen, Spaß zu haben: Jonathan (Holger Andersson, l) und Sam (Nils Westblom) auf ihrer glücklosen Mission als Vertreter für Scherzartikel in einer Szene des Kinofilms "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach".
Neue Visionen Filmverleih Sie möchten helfen, Spaß zu haben: Jonathan (Holger Andersson, l) und Sam (Nils Westblom) auf ihrer glücklosen Mission als Vertreter für Scherzartikel in einer Szene des Kinofilms "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach".

Sie heißen Sam und Jonathan, pflegen als Freunde eine Art stoischer Hassliebe und sind die wohl traurigsten Vertreter für Scherzartikel, die die Welt je sah. In ihrem Musterkoffer befinden sich Vampirgebisse („Jetzt auch mit extra langen Fangzähnen!“), Lachsäcke und Masken. Die immer gleichen Verkaufsgespräche, dargeboten mit teilnahmsloser Miene, sind für alle Beteiligten eine einzige Qual, außer für den Zuschauer. In Sams und Jonathans Welt gibt es notgeile Flamenco-Lehrerinnen und spektakuläre Todesfälle, die Figuren gelangen zu späten Einsichten oder sie wagen mutige Befreiungsschläge. Und es kann durchaus vorkommen, dass ein schwedischer König auf dem Weg zum Russlandfeldzug in der Eckkneipe einkehrt und sich wie ein Gockel aufführt. Es ist, als hätte man den Jungs von „Monty Python“ psychedelische Drogen verabreicht und sie vor eine fest installierte Kamera gestellt. Das groteske Geschehen zaubert dem Publikum ein Dauergrinsen aufs Gesicht, allerdings gibt es auch Szenen von großer Grausamkeit. Und immer wieder wiederholt jemand am Telefon: „Ich freue mich zu hören, dass es dir gut geht.“

Mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet

Jedes Bild, das Roy Andersson findet, ist ein durchkomponiertes Gemälde. Man könnte sich diesen Film auch stumm anschauen und trotzdem viel Vergnügen haben. Der ganze Witz entfaltet sich freilich erst im Zusammenwirken der Bilder mit den lakonischen und / oder absurden Dialogen. Ob das Ganze nun wirklich einen künstlerischen Nähr- respektive Mehrwert hat, darüber lässt sich trefflich diskutieren. Der Jury der Filmfestspiele von Venedig ist der Film jedenfalls so ans Herz gewachsen, dass sie ihm den Goldenen Löwen zusprach. Fest steht, dass es keinen ungewöhnlicheren Einstieg ins Kinojahr 2015 geben kann.

Anspruch: 3
Spannung: 2
Action: 2
Humor: 3
Erotik: 1

Genre: Tragikomödie

Bundesstart: 01. Januar 2015

Mehr Infos unter: www.einetaube.de

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