Neues Live-Album der Pilzköpfe:

Eine Zeitreise mit den Beatles

Ein neues Album kehrt die letzten noch unveröffentlichten Aufnahmen aus den BBC-Archiven aus. Es ist eine der seltenen Gelegenheiten, die „Fab Four“ live spielen zu hören - und zwar in ungeschöntem Original-Sound.

Die Beatles (l-r) George Harrison, Paul McCartney, John Lennon und am Schlagzeug Ringo Starr treten 24.06.1966 im Münchner Circus Krone auf. Am 08.11.2013 erscheint das Doppel-Album "On Air - Live at the BBC, Volume 2", für das Aufnahmen aus den Archiven des britischen Rundfunk-Riesen restauriert wurden. Foto: Rauchwetter/dpa
Rauchwetter Die Beatles (l-r) George Harrison, Paul McCartney, John Lennon und am Schlagzeug Ringo Starr treten 24.06.1966 im Münchner Circus Krone auf. Am 08.11.2013 erscheint das Doppel-Album "On Air - Live at the BBC, Volume 2", für das Aufnahmen aus den Archiven des britischen Rundfunk-Riesen restauriert wurden. Foto: Rauchwetter/dpa

Die Beatles waren für die Musikindustrie auch in schlimmsten Krisenzeiten eine sichere Bank. Und so wurden in den vergangenen Jahren immer wieder aufgefrischte Neuauflagen sowie unveröffentlichte Aufnahmen oder Mitschnitte auf den Markt geworfen. Inzwischen scheint jeder Stein dreimal umgedreht. Kann es überhaupt noch etwas geben, womit man die Fans beeindrucken kann? Der Mann, der seit über 30 Jahren die BBC-Archive durchforstet, sagt: Ja.

37 nahezu unbekannte Auftritte

Kevin Howlett war die treibende Kraft hinter dem neuen Doppel-Album „On Air – Live at the BBC, Volume 2“, für das Aufnahmen aus den Archiven des britischen Rundfunk-Riesen restauriert wurden. Es enthält 37 bisher nicht veröffentlichte Auftritte. Und zusammen mit dem vor knapp 20 Jahren erschienenen ersten Teil macht es die Ausbeute komplett.

Insgesamt 88 verschiedene Songs hätten die Beatles für die BBC von 1962 bis 1965 eingespielt, davon sind jetzt 81 erschienen, rechnet Howlett vor. „Die restlichen sieben Aufnahmen haben eine so schlechte Qualität, dass wir sie selbst mit heutiger Technik nicht wiederherstellen können.“

BBC zerstörte absichtlich originale Aufnahmen

Denn die BBC dokumentierte zwar jede Aufnahme ausführlich auf Papier – vernichtete aber die Original-Bänder. „Die Sorge war damals, dass Ton-Konserven Musikern die Arbeit wegnehmen würden“, erklärt Howlett. Also bewahrte die BBC nur Mitschnitte ihrer Rundfunk-Übertragungen auf. Das engte den Spielraum bei der Restaurierung ein: „Wir konnten nur versuchen, das Rauschen und Fehler in den Bändern zu entfernen, aber wir konnten die Songs nicht neu abmischen wie bei den jüngsten Neuauflagen.“ Und auch daran, dass es Mono-Aufnahmen sind, ließ sich nichts ändern.

Das Ergebnis ist jedoch überraschend. Verglichen mit dem Hochglanz-Sound der jüngsten Neuauflage der Beatles-Alben von 2009 klingt „Live at the BBC“ zuerst dumpf und leise, ein wenig schmutzig. Doch sobald man sich nach wenigen Minuten daran gewöhnt hat, bekommen die Aufnahmen vielleicht auch dadurch ihren Original-Charme der 60er Jahre zurück.

„Please Please Me“, „She Loves You“ oder „I Saw Her Standing There“ klingen, als kämen sie direkt aus einem der großen alten Rundfunk-Empfänger. Teile von Mini-Interviews und Gesprächs-Fetzen aus den damaligen Übertragungen machen den Zeitreise-Effekt komplett.

Konzert ganz ohne Mädchen-Kreischen

Die BBC-Aufnahmen sind eine der seltenen Gelegenheiten, die Beatles live spielen zu hören. Auf den wenigen Konzert-Mitschnitten überlagert das Kreischen der Fans oft die Musik. Bei der BBC aber wurden die Songs entweder im Studio aufgenommen oder vor einem kleinen Publikum, das sich im Zaum halten musste.

Zudem waren die BBC-Übertragungen damals sogar näher am Original-Sound der Beatles als die Schallplatten. „Die Musikfirma EMI reduzierte bei den Schallplatten den Bass. Sie hatten Angst, die Plattenspieler-Nadel würde aus der Rille springen und sie hätten Ärger mit Kunden“, erklärt der Beatles-Historiker Howlett. Die BBC war frei von solchen Sorgen.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung