Bauarbeiten an Hamburgs Wahrzeichen gehen voran:

Endlich tut sich was an der Elbphilharmonie

Das neue Konzerthaus in Hamburgs Herzen war in den vergangenen Monaten oft in den Schlagzeilen. Zu teuer, die Bauarbeiten dauern viel zu lange und ein Ende scheint noch lange nicht in Sicht, so war es zu lesen. Nun erklingen aber versöhnlichere Töne von der Elbe.

Projektleiter Stefan Deußer und Bauleiter Hagen Schroth sind mit dem Voranschreiten des Baus zufrieden. Foto: C. Charisius
Christian Charisius Projektleiter Stefan Deußer und Bauleiter Hagen Schroth sind mit dem Voranschreiten des Baus zufrieden. Foto: C. Charisius

Hamburg. Majestätisch ragt die gläserne Fassade der Elbphilharmonie an der Spitze der Hamburger Hafencity in den Himmel. Von außen sieht das spektakuläre Konzerthaus der Architekten Herzog & de Meuron fast fertig aus – und wirbt schon jetzt als neues Wahrzeichen in Spielfilmen, Imagebroschüren und auf Touristenfotos für die Hansestadt.

Auf der Baustelle herrschte jedoch bis zum Sommer mehr als eineinhalb Jahre Stillstand. Erst nachdem sich die Stadt und der Baukonzern Hochtief nach einem langen Streit auf den Weiterbau einigten, geht es wieder voran auf Deutschlands teuerster Kulturbaustelle. Jetzt wurde der Rohbau, der am 30. November fertig sein sollte, sogar vier Wochen früher fertig. „Bei einer Bauzeit von drei Jahren, die noch vor uns liegt, sind vier Wochen Puffer jetzt nicht so viel“, sagt der Sprecher der Kulturbehörde, Enno Isermann, bei einem Rundgang über die Baustelle.

Teamwork statt Schuldzuweisung

Dass die Fertigstellungstermine für die einzelnen Bauabschnitte eingehalten werden, zeige jedoch, dass die Neuordnung des Projektes funktioniere. „Die Zusammenarbeit zwischen Hochtief und den Architekten klappt gut.“ Genau an dieser fehlenden Teamarbeit war die Elbphilharmonie bislang gescheitert: Statt an einem Strang zu ziehen, hatten sich Hochtief und die Architekten gegenseitig die Schuld für Bauzeitverzögerungen und Kostensteigerungen gegeben.

Im 24. Stock, rund 100 Meter über dem Wasser, zeigt Hochtief-Projektleiter Stephan Deußer auf den Boden: „Das ist der letzte Beton, der gegossen wurde, damit ist der Rohbau abgeschlossen.“ In den vergangenen Wochen wurden die letzten Decken für die 45 Luxuswohnungen gezogen, die im Westen der Elbphilharmonie entstehen – mit einem atemberaubenden Blick über den Hamburger Hafen. Verkauft ist noch nicht eine einzige von ihnen. Das liegt jedoch nicht an der fehlenden Nachfrage, sondern daran, dass die Wohnungen noch nicht auf dem Markt sind. Im Moment sind die rund 300 Arbeiter, die derzeit auf der Baustelle sind, damit beschäftigt, den „hohlen Zahn“ in der Mitte des Gebäudes zu füllen.

Wellendach ist eine absolute Herausforderung

Auf dem Betondach der „gläsernen Welle“ wird an jeder Ecke gehämmert und geschweißt: Die Arbeiter sind dabei, die Lüftungskanäle für die Klimaanlage und die Entrauchungskanäle für den Brandschutz zu installieren. Andere schweißen die Stahlträger für das Gebäudedach zusammen. Da das Dach wie Wellen geschwungen ist, musste jedes Bauteil für das Gebäude extra dreidimensional geplant und hergestellt werden – eine komplette Sonderanfertigung. Ähnlich spektakulär geht es im Innern des künftigen Konzertsaales mit Platz für 2150 Zuschauer weiter, die wie in einem Weinberg um das Orchester herum sitzen werden.

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