Im Eisland – Die Franklin-Expedition:

Erster Hinstorff-Comic erzählt Eismeer-Tragödie

Im Frühjahr 1845 nahmen zwei Expeditionsschiffe Kurs auf die kanadische Arktis. Sie kehrten nie zurück. Erst 2014 wurde das Wrack eines der Schiffe auf dem Grund einer Meerenge entdeckt. Eine Illustratorin machte jetzt daraus für den Rostocker Verlag einen Comic.

Kristina Gehrmann hat unter anderem historische Darstellungen, Schiffspläne und Fachliteratur gewälzt, um möglichst detailgetreu zeichnen zu können.
Hinstorff-Verlag Kristina Gehrmann hat unter anderem historische Darstellungen, Schiffspläne und Fachliteratur gewälzt, um möglichst detailgetreu zeichnen zu können.

Unter dem Kommando von Sir John Franklin brachen vor 170 Jahren von England aus die beiden Expeditionsschiffe der Royal Navy „HMS Erebus“ und „HMS Terror“ auf. Ziel des britischen Polarforschers war es, erstmals die Nordwestpassage nördlich des amerikanischen Kontinents in ost-westlicher Richtung zu durchsegeln. Doch auf die Crews wartete ein Desaster in eisiger Hölle. Keiner der 129 Männer der legendären Forschungsreise kehrte wieder zurück. Erst im September 2014 orteten Unterwasserarchäologen auf dem Grund der kanadischen Victoria Strait die Wrackreste der „HMS Erebus“. Die Untergangsstelle gilt heute als Ort von nationaler Bedeutung.

Ein halbes Jahr nach dem spektakulären Fund legt jetzt die freiberufliche Illustratorin Kristina Gehrmann einen Comic vor. Ihr Buch „Im Eisland – Die Franklin-Expedition“ ist die erste beim Rostocker Hinstorff-Verlag erschienene sogenannte Graphic Novel. Darin erzählt die aus Nordrhein-Westfalen stammende Zeichnerin in packenden Bildern die Geschichte um das Rätsel der Franklin-Expedition.

Den Zeichnungen ging eine lange Recherche voraus

Aufgewachsen mit Abenteuerromanen und Comics habe sie schon früh eine Vorliebe für historische Themen entwickelt, sagt Gehrmann. Der Wrackfund im vergangenen Jahr habe sie angeregt, ausführlich über das Schicksal der Expeditionsteilnehmer nachzuforschen. Für die visuelle Darstellung seien aufwendige Recherchen erforderlich gewesen. „Ich studierte Schiffspläne der Erebus und der Terror, zog Fachliteratur und historische Zeichnungen heran und tauschte mich in sozialen Netzwerken mit Hobbyforschern aus.“

Im National Maritime Museum Greenwich habe sie Kenntnis und Fotos bekommen, zum Beispiel über Franklins Offiziere und ihre Uniformen. Eine große Herausforderung war die Geschichte selbst. Denn zuletzt waren die Schiffe Anfang August 1845 in der Arktis von Walfängern gesehen worden. „Was danach geschah, beruht lediglich auf Interpretationen verschiedener Spuren und der einzigen schriftlich hinterlassenen Nachricht, die erst 1859 gefunden worden war“, sagt die Autorin.

Menschliche Überreste erst Jahre später gefunden

So wisse man, dass die Expedition von 1845 bis 1846 vor der Beechey-Insel überwinterte, dann weiterfuhr und ab September 1846 im Packeis vor der King-William-Insel gefangen blieb. An irgendeinem Punkt wurden die Schiffe dann aufgegeben. Erst Jahre später waren auf der Insel menschliche Überreste und Gegenstände aus England gefunden worden.

Für ihr Buch wertete Gehrmann die unterschiedlichen Theorien aus der Fachliteratur aus. Künstlerische Freiheit habe sie sich dort erlaubt, wo es mehr als eine oder gar keine Antwort gebe.

Mit dem illustrierten Roman habe der Rostocker Hinstorff-Verlag verlegerisches Neuland betreten, sagt Sprecherin Conny Ledwig. „Maritime Themen gehören von jeher zu unserem Verlagsprogramm, doch erstmals wird jetzt eine Geschichte in vollständig illustrierter Form erzählt.“ Die ausdrucksstarken Bilder würden die Ereignisse der Expedition unmittelbar werden lassen.

Illustratorin Gehrmann, die schon für Verlage in Deutschland und den USA tätig war, arbeitet in Hamburg bereits an der Fortsetzung der Geschichte. Geplant ist eine Trilogie. Nach dem Band „Die Franklin-Expedition“ sollen im Herbst dieses Jahres  Band 2 „Gefangen“ und im Frühjahr 2016 der dritte Band „Verschollen“
erscheinen.

Kristina Gehrmann: Im Eisland – Die Franklin-Expedition (mit Karten, Glossar und Literaturverzeichnis), Hinstorff-Verlag Rostock, 224 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-3-356-01901-8

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