Ein Gespräch mit Schauspielerin Rebel Wilson (Pitch Perfect):

„Es verwundert viele, dass ich im wahren Leben keine Wahnsinnige bin“

Sie ist wieder auf der Leinwand: In „Pitch Perfect 2“ schlüpft Rebel Wilson noch einmal in die Rolle der „Fat Amy“, der Naturgewalt unter den Sängerinnen der A cappella-Gruppe „The Barden Bellas“. Ein Gespräch.

Rebel Wilson liebt ihre Rolle „Fat Amy“.
Hannah Mckay Rebel Wilson liebt ihre Rolle „Fat Amy“.

Ms. Wilson, wie haben Sie herausgefunden, dass Sie die Menschen zum Lachen bringen können?

Ich wollte immer eine ernste Schauspielerin sein. Dame Judi Dench war mein großes Vorbild. Meinen allerersten, professionellen Auftritt hatte ich bei der „Sydney Theater Company“. Ich war der Meinung, ich würde eine ernste Rolle spielen. Aber als ich die Bühne betrat, begannen die Leute zu lachen. Das hat mich schwer beleidigt. Doch je mehr ich mich angestrengt habe, meinen Text ernsthaft herüberzubringen, umso mehr lachte das Publikum. Diese eine Vorstellung hat mir genügt, um zu realisieren, dass ich etwas an mir habe, was die Menschen zum Lachen bringt. Dann war das also mein Weg. Seither ist es mein Trick, eine Rolle so wahrhaftig wie möglich anzugehen. Ich überspitze nur einige Elemente und es wird zur Parodie.

Waren Sie glücklich, noch einmal in die Rolle schlüpfen zu dürfen, die Ihren Durchbruch bedeutet hat?

Ja, sehr glücklich. Ich musste keine Sekunde darüber nachdenken. Wir hatten so viel Spaß, als wir den ersten Teil gedreht haben. Wir sind Freunde geworden. Aber natürlich besteht nach dem großen Erfolg des ersten Teiles nun eine enorme Erwartungshaltung. Beim ersten Mal sind wir völlig unbeschwert ans Werk gegangen. Wir wussten ja nicht, ob sich überhaupt jemand unseren Film anschauen würde. Diesmal war klar, dass es viele Fans gibt und wir eine Verantwortung tragen.

Ihre Figur „Fat Amy“ ist besonders beliebt. Wirft man Ihnen im Alltag häufig ihre flapsigen Sprüche an den Kopf?

Oh ja. „Ich laufe im Liegen“ oder meinen Crystal-Meth-Joke bekomme ich immer wieder zu hören. Meistens sage ich bei jedem neuen Take etwas anderes. Deshalb kann ich mich bei manchen Szenen gar nicht mehr daran erinnern, welcher Spruch es letztendlich in den Film geschafft hat. Und plötzlich spricht mich jeder damit an. Ich finde das sehr schmeichelhaft. Wenn man etwas improvisiert hat und es den Leuten so gut gefällt, bedeutet das wohl, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Bleibt bei einer so großen Produktion wirklich Raum für Improvisationen?

Nur zwei Mitglieder des Ensembles haben einen kompletten Freibrief, Adam DeVine als „Bumper“ und ich. Die anderen Mädchen sind zwar brillante Schauspielerinnen, aber keine professionellen Komiker. Sie halten sich weitestgehend an das Drehbuch. Ich verfolge die arme Brittany Snow und mache ständig Witze über ihre roten Haare. Und sie darf nicht zurückfeuern. Ich bin mir sicher, dass sie das an manchen Tagen ganz schön mitnimmt. Und dann gibt es wieder diese Momente, in denen die Mädchen unheimlich clever auf uns reagieren und wir nur noch staunen können.

Hatten Ihre Eltern eine Vorahnung, als sie Sie „Rebel“ nannten?

Nein. Ich entstamme einer ziemlich konservativen Familie. Meine Eltern mochten den Namen, seit ein kleines Mädchen namens Rebel auf ihrer Hochzeit gesungen hatte. Es stimmt schon, bereits in meinem High School-Report werde ich als Nonkonformistin bezeichnet. Und ich glaube, dass ich etwas anders denke als die meisten Menschen. Aber ich gehe nicht hinaus und überfalle Geschäfte. Ich bin kein Rebell im negativen Sinne.

Stimmt es, dass Sie an der High School tatsächlich in einem A cappella-Chor gesungen haben?

Ja. Wir nannten uns „12 Voices“, weil wir 12 Sänger waren. Zugegeben, es war kein sehr origineller Name. Wir trugen lange Samtkleider und schmetterten auf Hochzeiten und Beerdigungen christliche Hymnen. Wir hatten keine „coolen“ Auftritte. Aber wenn die Stimmen dann plötzlich zusammen geklungen haben, gerade in einer Kirche mit einer tollen Akustik, war das immer ein Gänsehautmoment. Es hat Spaß gemacht.

In Ihren Filmen nehmen Sie sich häufig selbst aufs Korn. Steckt das tatsächlich in Ihnen oder kostet es mitunter Überwindung?

Ich mache mich über mich selbst lustig, weil mich das meiner Meinung nach dazu legitimiert, auch über andere herzuziehen. Was ich sehr gern tue. Einige Schauspielerinnen würden wohl sauer reagieren, wenn man ihnen die Rolle der „fetten Amy“ anbieten würde. Ich sehe das strategisch und suche nach dem humoristischen Potential. Amy hatte komische Szenen und lustige Dialoge. In meinen Augen war sie der witzigste Charakter des Filmes.

Werden Sie wegen Ihrer Rollen als Privatmensch häufig falsch eingeschätzt?

Im wahren Leben bin ich viel sensibler als einige meiner Rollen. Die Leute reagieren auch oft geschockt, wenn sie herausfinden, dass ich Jura und Kunst studiert habe, weil ich oft Figuren spiele, die geistig nicht ganz auf der Höhe sind. Es verwundert viele, dass ich im wahren Leben keine Wahnsinnige bin.

Sind Frauen als Komödianten in Hollywood auf dem Vormarsch?

Es gab zwar schon immer weibliche Komiker, aber historisch betrachtet war es immer eher gelitten, über einen Mann zu lachen als über eine Frau. Ganz besonders in der Stand-Up-Comedy. Ich hatte großes Glück. Mein erster Job in Amerika war „Brautalarm“. Der riesige Erfolg dieses Streifens hat den Weg für weibliche Comedy-Ensemblefilme geebnet. Viele Drehbücher für solche Produktionen werden geschrieben und es gibt auch viel mehr weibliche Autoren.

Wie schwierig war es, als Australierin einen Fuß in die Tür Hollywoods zu bekommen?

Ich wurde in einer Musical-Fernsehshow gesichtet, die ich in Australien geschrieben, produziert und gespielt hatte. Meine jetzige Agentur hat mir angeboten, mich unter Vertrag zu nehmen. Ich hatte großes Glück und wurde schon drei Monate später für „Brautalarm“ besetzt. Heute treffe ich viele Regisseure und auch Studiobosse. Im Vergleich zu vielen anderen Schauspielern, die nach Amerika gegangen sind, ging für mich alles ganz schnell. Ich schätze mich dafür sehr glücklich.

Stimmt es, dass Sie sich mit amerikanischen Fernsehserien auf die US-Kultur eingestimmt haben?

Ja. In Australien sind 90 % der Fernsehsendungen amerikanisch. Ich habe mir Serien angeschaut, um den Akzent zu lernen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich in meinen Filmen eine Australierin spielen darf. Rose Byrne und andere Schauspieler aus Australien sprechen zunehmend häufiger wieder ihren eigenen Akzent. Auch Chris Hemsworth redet als „Thor“, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Noch vor kurzem wurde auf eine amerikanische Aussprache großer Wert gelegt. Also habe ich mir viele Reality-Shows angeschaut, z.B. „Dance Moms“ über eine Tanzschule für Kids. Ich liebe „Survivor“. Ich schaue mir auch gern trashige Sachen an. Was mit der Familie von „Hier kommt Honey Boo Boo“ geschehen ist, hätte sich kein Drehbuchautor ausdenken können. Es war schlimm. Und nun ist die Show gestorben. Ich habe sie geliebt, weil sie mich tatsächlich ein klein wenig an meine Familie erinnert hat. Nur nicht mit diesem bösen Ende.

Ihre eigene, amerikanische Sitcom „Super Fun Night“ wurde leider eingestellt. War es trotzdem eine positive Erfahrung?

Es ist sehr schwierig, in Amerika Autorin, Produzentin und Hauptdarstellerin einer solchen Show zu sein. Man dreht sieben Seiten Drehbuch am Tag, was eine Menge ist. An den Wochenenden habe ich die Episode für die kommende Woche geschrieben. Es blieb keine Freizeit mehr. Wahrscheinlich gibt es deshalb so wenige Autoren und Hauptdarsteller in Personalunion. Ich hatte zuvor noch nie in diesem System gearbeitet. Man hat viel zensiert. Viele von meinen Lieblingssachen wurden herausgeschnitten. Ich habe mich am Set von „Nachts im Museum 3“ mit Robin Williams unterhalten, dessen Serie „The Crazy Ones“ bei einem anderen Sender als direkte Konkurrenz zu meiner Show lief. Wir haben darüber gesprochen, wie schwer es ist, beim Network-TV interessante Comedy zu produzieren. Ich habe jedenfalls mein Bestes gegeben. Es war ein gutes Experiment. Aber wenn ich es noch einmal probieren könnte, würde ich viele Sachen anders machen. Jetzt weiß ich schließlich, was sie durchgehen lassen.

Welche Szene war im neuen Film für Sie die schwierigste?

Die Stunts in luftiger Höhe waren eine große Herausforderung. Ich kam an einen Punkt, an dem ich dachte, dass ich das nie schaffe. Ich bin in dieser Beziehung nicht mit natürlichen Talenten gesegnet. Fünf Wochen lang habe ich hart dafür trainiert. Ich glaube, auf der DVD wird es zu sehen sein. Ich bin froh, dass ich es durchgezogen habe. Nun scheinen mir andere Stunts in kommenden Filmen sehr viel einfacher zu sein.

Wo wird man Sie demnächst erleben?

Ich spiele im neuen Film von Sacha Baron Cohen („Borat“) dessen Ehefrau. Der Film „Die Brüder Grimsby“ wird einige Aufmerksamkeit erregen. Ich habe einige sehr plastische Szenen. Seine echte Ehefrau Isla Fisher spielt auch mit. Penélope Cruz ist der Bösewicht des Filmes. Außerdem drehe ich die Komödie „How To Be Single“ mit dem deutschen Regisseur Christian Ditter („Love, Rosie - Für immer vielleicht“). Dakota Johnson aus „50 Shades of Grey“ ist mit von der Partie, wir spielen beste Freundinnen.

Stimmt es, dass Sie vom US-Präsidenten empfangen wurden?

Ich war bei einem Dinner im „Weißen House“, ja. Aber wir haben nicht zusammengesessen und geredet oder so etwas. Ich weiß, dass die Obamas große „Pitch Perfect“-Fans sind. Michelle Obama hat mir nach dem ersten Teil einen Brief geschrieben. Der offizielle Kurier vom Weißen Haus hat ihn zugestellt. Wir wurden eingeladen, im Weißen Haus zu singen. Das hat nicht geklappt. Aber ich war bei diesem Dinner. Das war eine sehr interessante Erfahrung.

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