Film ab im Nordosten:

Regisseure lieben einzigartige Landschaft

Kino- und TV-Produktionen kommen gern nach Mecklenburg-Vorpommern. Doch Experten sind sicher: Viel mehr würde gedreht, wenn das Land Filme so fördern würde, wie es in anderen Bundesländern üblich ist.

Das ZDF dreht neue Folgen der „Soko Wismar“: Dominic Boeer als Lars Pöhlmann und Claudia Schmutzler als Kriminalhauptkommissarin Katrin Börensen sind natürlich mit von der Partie.
Jens Büttner Das ZDF dreht neue Folgen der „Soko Wismar“: Dominic Boeer als Lars Pöhlmann und Claudia Schmutzler als Kriminalhauptkommissarin Katrin Börensen sind natürlich mit von der Partie.

Rund 20 Filmproduktionen sind im vergangenen Jahr zumindest teilweise im Nordosten gedreht worden. „Das entspricht etwa dem Niveau der Vorjahre“, sagt Antje Naß von der Filmland Mecklenburg-Vorpommern GmbH. Das in Schwerin ansässige, gemeinnützige Unternehmen unterstützt Filmcrews, hilft etwa bei
der Suche nach geeigneten Drehorten.

Doch in anderen Gegenden Ostdeutschlands sind viel mehr Filmteams unterwegs, auch aus dem Ausland. Neben Potsdam-Babelsberg, wo moderne Studios zur Verfügung stehen, ist zum Beispiel Görlitz ein beliebter Drehort für internationale Produktionen. Dort entstanden etwa „Grand Budapest Hotel“ mit Ralph Fiennes (2014), Teile von „Inglourious Basterds“ mit Brad Pitt (2009) oder „Der Vorleser“ mit Kate Winslet (2008).

Der Film „Wir sind jung, wir sind stark“ über die ausländerfeindlichen Krawalle am „Sonnenblumenhaus“ in Rostock-Lichtenhagen war nur zu einem kleinen Teil am authentischen Ort aufgenommen worden, erzählt Antje Naß. „Das meiste wurde in Halle-Neustadt gedreht.“ Ein Grund sei die Geldfrage. „Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben zusammen eine mit Millionen ausgestattete wirtschaftliche Filmförderung.“

Damit werden Produktionen unterstützt, die in der Region gedreht werden. Sie müssen das Geld vor Ort ausgeben, etwa für den Kulissenbau oder die Unterbringung der Crew. „Solche Unterstützung ist auch für Hollywood-Produktionen wichtig“,
weiß Naß.

Regisseur Polanski drehte Polit-Thriller auf Usedom

Als Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren 2009 bis 2012 eine wirtschaftliche Filmförderung von jährlich 400 000 Euro hatte, drehte Hollywood-Regisseur Roman Polanski seinen Film „Der Ghostwriter“ zum Teil
auf Usedom.

Mancher in der Landespolitik würde die wirtschaftliche Filmförderung gerne wiederbeleben, etwa der Oppositionsführer im Landtag, Helmut Holter (Linke). „Es ist nachgewiesen, dass im Schnitt das 1,5fache des Fördermitteleinsatzes in der Region umgesetzt wird“, sagt er. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Wolfgang Waldmüller, räumt ein: „Andere Bundesländer sind dort eindeutig besser aufgestellt.“ Die CDU-Fraktion sei deshalb grundsätzlich bereit, in diesem Bereich mehr zu tun. Die SPD hält hingegen für ausreichend, was getan wird. So werde die Vermarktung des Drehstandorts MV mit jährlich 200 000 Euro unterstützt, sagte der Abgeordnete Ingulf Doning. Das Land konzentriere sich auf das Machbare. Außerdem gibt das Land jährlich 215 000 Euro für die Kulturelle Filmförderung, mit der besonders hochwertige Streifen oder Stoffe unterstützt werden.

Auch Plattenbauten sind beliebt bei Filmemachern

Die Filmcrews, die im Nordosten drehen, kommen vor allem wegen der Landschaft. So setzt die ZDF-Krimiserie „Soko Wismar“ auf das maritime Flair der Welterbe-Hansestadt. Stralsund und Rostock sind ebenfalls regelmäßige Drehorte für Fernsehkrimis.

Aber auch die Platte kann für Filmemacher attraktiv sein. Im größten Plattenbaugebiet Schwerins, dem Großen Dreesch, stand Schauspieler Charly Hübner im vergangenen Herbst als schüchterner Hausmeister Roger für den Spielfilm „Anderst Schön“ vor der Kamera.

Auf der Berlinale hat am Dienstag ein Streifen Premiere, der im Mai 2014 in Vorpommern rund um Gützkow und Jarmen gedreht wurde. Der 40-minütige Film „Ein idealer Ort“ des jungen Regisseurs Anatol Schuster erzählt laut Filmland GmbH eine tragikomische Geschichte
über eine Familie zwischen Techno und Blasmusik und über einen Ort zwischen Naturreservat und Ferkelfabrik. Der Film läuft in der Berlinale-Reihe „Perspektive
Deutsches Kino“.

In Stralsund und Umgebung drehte ein Team im Herbst die Westernkomödie „Matthiesens Töchter“ für die ARD. Als eine Familiengeschichte fern der Idylle, mit trockenem Humor und starken Charakteren kündigt der Sender den Fernsehfilm an.

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