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Frauentyp Zapotek ermittelt wieder an der Ostseeküste

Die Wege von Kripo-Kommissar Henning Zapotek und seiner Bekannten Gitti kreuzen sich ein zweites Mal. Im aktuellen Fall geht es um zwei Edel-Pudel, einen brutalen Mord sowie eine außergewöhnliche Entführung.

Claudia Rusch hat die Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern in ihr Herz geschlossen. Kein Wunder, dass die Schriftstellerin immer wieder über Menschen und Landschaft von Mecklenburg-Vorpommern schreibt.
Mathias Bothor Claudia Rusch hat die Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern in ihr Herz geschlossen. Kein Wunder, dass die Schriftstellerin immer wieder über Menschen und Landschaft von Mecklenburg-Vorpommern schreibt.

Warum nur gibt es keine glücklich verheirateten Kriminalkommissare mit zwei Kindern, Hund und Haus? Egal, ob Nesbøs Ermittler Harry Hole, Mankells Wallander oder aber diverse Tatort-Kommissare – die Männer von der Kripo sind in der Regel kaputte Typen. Claudia Rusch muss schmunzeln. „Die Frage kann ich Ihnen auch nicht beantworten. Ich kann Ihnen nur sagen, warum mein Ermittler beziehungsunfähig ist.“

Claudia Ruschs Polizist heißt Henning Zapotek, zählt 49 Jahre und schweigt sich lieber aus, statt mit seiner Freundin zu sprechen. Trotzdem handelt es sich um einen „Kommissar, in den man sich sofort verknallt“ – ein Urteil, das immerhin die Männer-Versteherinnen der „Brigitte“ nach dem ersten Zapotek-Roman gefällt haben. Trotzdem kommt Ruschs Ermittler auch in der Fortsetzungsgeschichte nicht zu Potte mit seiner Freundin Ulrike. Kein Wunder, so Claudia Rusch: „Henning Zapotek ist feige, und er sonnt sich wohlfeil im Unglück seiner verlorenen Liebe.“

Claudia Rusch muss es wissen: Die Berliner Schriftstellerin hat mit „Zapotek und die schlafenden Hunde“ den zweiten Teil über den Hamburger Ermittler geschrieben, den es immer wieder in seinen Heimatort Klokenzin, ein fiktives Ostseedorf, verschlägt. Das ist die Landschaft, die Claudia Rusch kennt und liebt: Sie hat auf Rügen ihre Kindheit verbracht und später regelmäßig ihre Großmutter in Stralsund besucht.

Spannung braucht ihre Zeit

Auch diesmal – wie schon in „Zapotek und die strafende Hand“ - ermittelt der Kommissar wieder in seiner Freizeit. Die sympathische Gitti bittet ihn um Hilfe, weil ihre zwei Pudel entführt wurden. Die Erpresser fordern eine Million Euro, und natürlich gibt es auch einen brutalen Mord. Fans harter skandinavischer Krimis werden sich auf den ersten 50 Seiten allerdings fragen, ob sie wirklich einen Krimi lesen. Die Autorin lässt sich Zeit mit der Spannung. Sie präsentiert lieber ihr sympathisches Figurenensemble: Neben Zapotek und Gitti gehören gute alte Bekannte dazu: der alte Jasmund, Zapoteks Chef Lüder Hansen sowie seine gute Freundin Lola.

Die Autorin kann über Kritik am mangelnden Thrill milde lächeln. Als die Figur des Zapoteks in ihrem Kopf entstand, habe sie einen Roman und keinen Krimi schreiben wollen. Ohnehin sei sie eher an ihren Figuren und deren Zusammenspiel interessiert als am Blick in die Abgründe der menschlichen Seele. Deshalb würde sie ihr Buch auch lieber als Kriminalroman und nicht als Krimi einordnen. Spannend liest sich die Geschichte, die schnell Fahrt aufnimmt, allemal. Am Ende legt man das Buch nur ungern aus der Hand.

Für ihre Krimis recherchiert Rusch genau

Claudia Rusch ist verliebt in ihre Figuren, das spürt der aufmerksame Leser. Das erfährt man aber auch schnell im Gespräch mit der Autorin. Immer wieder blättert sie im Band, zitiert treffende Sätze über ihren Kommissar oder aber über seinen Freund Kurt Jasmund. Gerade in den freundlichen Alten von der Küste hat sich die Erzählerin verliebt. Voller Spaß lässt sie ihn Sätze sprechen wie: „Wir backen Käsekräkkä. Kuck ma! Willsu kosten?“ Das sei Missingsch, erklärt Claudia Rusch. Missingsch, was? Die Autorin, die sich mittlerweile warm geredet hat, zitiert aus dem Kopf die Definition von Kurt Tucholsky: „Missingsch ist das, was herauskommt, wenn ein Plattdeutscher Hochdeutsch sprechen will.“

Gerade mal einen richtigen Bösewicht bringt sie unter, den Mörder. Trotzdem recherchiert sie wie ein Krimi-Autor. Kommt es, wie in ihrem Buch, zu einem Mordfall in einem Dorf zwischen Stralsund und Greifswald, eilt die Kripo aus Anklam auch in der Realität zum Tatort. Zudem hat sie nachgerechnet, ob zwei Millionen Euro wirklich in den Unterboden eines Hundekorbs passen. „Wie Zapotek war auch ich zu DDR-Zeiten in einer Arbeitsgemeinschaft Junger Mathematiker.“ Schließlich hat sie für jede ihre Figuren eine Biografie parat, deren Stammbaum zwei Generationen zurückreicht. So weiß sie viel mehr über sie, als sie dem Leser verrät.

Dies sei auch nötig, wenn ein Protagonist auf mehrere Teile angelegt ist. Eventuell sogar auf drei Teile? Warum nicht, sagt sie. Demnächst erscheine aber bei Fischer erst einmal ein lustiges Katzen-Buch, in dem sie sicher auch das ein oder andere Erlebnis mit ihrem Kätzchen Mimi verarbeiten wird. Danach könne durchaus ein neuer Zapotek folgen. Sie habe im zweiten Band einige Fäden ausgelegt, die sie in einer Fortsetzung aufnehmen könne. „Wenn der Verlag einen weiteren Fall mit Henning Zapotek wünscht, bin ich dabei.“