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Fulminanter Auftakt für die Festspiele MV

Rund 80 000 Besucher erwartet das drittgrößte Klassik-Festival Deutschlands bis Mitte September. Neben internationalen Stars gibt es junge Talente, ungewöhnliche Spielstätten und Musik-Innovationen.

Schlagzeuger Alexej Gerassimez hat eine ungewöhnliche Ouvertüre für die Eröffnung der Festspiele komponiert.
Jens Büttner Schlagzeuger Alexej Gerassimez hat eine ungewöhnliche Ouvertüre für die Eröffnung der Festspiele komponiert.

„Sch-sch-sch, fffft-sch” – Windgeräusche, Klick-Laute, fernes Trommelgrollen, Fußstampfen und Flüstern, aus dem schließlich Gesang wird. Eine ungewöhnliche Ouvertüre hatte der Schlagzeuger Alexej Gerassimez für die Eröffnung der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern am Samstag komponiert. Gemeinsam mit dem NDR Chor überraschte der diesjährige Preisträger in Residence die rund 900 Zuhörer in der voll besetzten Wismarer St.-Georgen-Kirche mit dem Stück „Das Land” nach einem Text von Rainer Maria Rilke. Percussion kann auch leise sein.

„Im Klang der menschlichen Stimme liegt der Ursprung der Musik. Im Rhythmus der Anbeginn der Zeit und des Seins”, schrieb der 29-Jährige ins Programmheft – und machte damit eine Ansage für die nächsten drei Monate. Alexej Gerassimez, der 2006 gemeinsam mit seinem Bruder Nicolai den Ensemblepreis der Festspiele gewann und seither regelmäßig beim drittgrößten Klassik-Festival Deutschlands zu Gast ist, bestreitet 24 der 131 geplanten Konzerte.

Intendant: „Ouvertüre ist ein Ohrenöffner”

Festspiele-Intendant Markus Fein versprach dem Publikum in seiner Eröffnungsrede: „Er wird Sie in den 24 Konzerten um den Finger wickeln und jedes Mal überraschen.” Die Ouvertüre sei ein „Ohrenöffner” gewesen. Gerassimez will in den kommenden Wochen unter anderem in der Werkhalle der Mecklenburger Metallguss GmbH in Waren an der Müritz spielen, wo er schon einmal riesigen Schiffspropellern faszinierende Töne entlockt hat. Auch das frühere Panzer-Reparaturwerk in Neubrandenburg und das Liebherr-Werk für Hafenkräne in Rostock will der junge Künstler klanglich erkunden.

Fein legt Wert auf große Vielfalt der Angebote für breite Besuchergruppen. Die vor 27 Jahren gegründeten Festspiele stünden nicht allein für Musikgenuss, sondern auch für Teilhabe, Identität, Nähe und eine besondere Art und Weise des Aufeinanderzugehens, sagte er in Wismar. So ist am 9. Juli in Schwerin ein Fahrradkonzert geplant, bei dem sich die Teilnehmer – Hunderte werden erwartet – radelnd zu den insgesamt 13 Spielstätten begeben, auf denen eine große Vielfalt von Klassik über Jazz und Pop bis zu Weltmusik geboten wird.

Erstmals gibt es ein größere Kinderprogramm

Unter dem Titel „Mäck und Pomm” wird erstmals ein größeres Kinderprogramm auf die Beine gestellt. Den Auftakt gab am Sonntag das Kinder- und Familienmusikfest mit vielen Mitmachangeboten in Schloss und Park Hasenwinkel im Landkreis Nordwestmecklenburg. Mehrere tausend große und kleine Besucher wurden erwartet. Stargeiger Daniel Hope gastiert innerhalb der Reihe mit seinem Programm „Daniel und die Zauberfiedel” am 6. August in Rostock.

Zu den internationalen Stars der Klassikszene, die bei den diesjährigen Festspielen in Mecklenburg-Vorpommern gastieren, gehören außerdem die Geigerin Julia Fischer, der Dirigent Gustavo Dudamel und die Chansonsängerin Ute Lemper. Die größte Veranstaltung der Festspiele ist das Kleine Fest im großen Park in Ludwigslust am 11. und 12. August. Dazu werden allein 18 000 Besucher erwartet. Im vergangenen Jahr hatten die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 80 000 Besucher.

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) dankte Fein bei der Eröffnung für dessen glückliche Hand bei der Auswahl von Programmen und Künstlern und sagte die Unterstützung des Landes auch für die nächsten Jahre zu. Neben Gerassimez und dem NDR Chor machten auch die NDR Radiophilharmonie unter Andrew Manze, die Geigensolistin Arabella Steinbacher und der WDR Rundfunkchor das Eröffnungskonzert zum Ereignis.