Opernkritik:

Ganz ohnefolkloristischen Schnickschnack

Hans und Marie lieben sich. Doch die Eltern sind dagegen. Was aus ihnen wird, zeigt das Landestheater Neustrelitz seit Sonnabend.

Andrés Felipe Orozco und Rebekah Rota Foto: Metzner
joerg metzner Andrés Felipe Orozco und Rebekah Rota Foto: Metzner

Kaum erklingen die ersten Töne der schmissigen Ouvertüre zu Bedrich Smetanas komischer Oper „Die verkaufte Braut“, wird der Bühnenvorhang durchsichtig. Dahinter lässt Regisseur Benedikt Bormann währenddessen die Vorgeschichte des Operngeschehens mit pantomimischer Intensität ablaufen. So werden dem Publikum der schließlich anhaltend bejubelten Premiere am Samstag im Landestheater Neustrelitz die Hintergründe der kontraktlichen Verkuppelung der heiratsfähigen Tochter Marie von Bauer Kruschina mit dem stotternden Sohn Wenzel aus der zweiten Ehe des reichen Grundbesitzers Micha deutlich. Doch der hat noch einen Sprössling aus erster Ehe, Hans geheißen. Und der liebt Marie. Was jedoch alle Eltern nebst Heiratsvermittler Kecal zu hintertreiben trachten.

Dass es eine spannende Lesart all dieser Verwicklungen gibt, dafür sorgt die zeitlos gültige, sozial differenzierte, von lebensprallen Figuren erfüllte Inszenierung. Sie, die auf exzellente Personenführung setzt, kommt ohne folkloristischen Schnickschnack aus. Jegliche Personenbeziehungen, jeder Gang und Blick sind psychologisch begründet und daher restlos überzeugend. Für die „erzählenden“ Kostüme und die malerische, poesievoll ausgeleuchtete Einheitsszenerie mit Birken sorgt Ausstatterin Pia Oertel. Der Opern- und Extrachor offenbart seine kraftvolle, geschmeidige, vorzüglich geschulte Stimmkultur (Einstudierung: Gotthard Franke) und hinreißende Spielbegabung.

Auch das Solistenensemble – angeführt vom Traumpaar Rebekah Ruta und Alexander Geller – stellt sich hinter die Intentionen der Regie. Sie singt mit kraftvollem, glänzendem und höhensicherem Sopran eine kämpferische Marie, die bedingungslos ihre Liebe zum geliebten Hans alias Alexander Geller verteidigt. Umso größer ist ihre seelische Fallhöhe, wenn sie erfährt, von ihm wegen schnöden Mammons verkauft worden zu sein. Sie kennt die Gründe nicht: Die Zuschauer schon.

Darüber hinaus können wir uns an der strahlkräftigen, leuchtprächtigen Stimmbandakrobatik des Strahletenors ergötzen. Und uns vom buffonesk auftrumpfenden Andrés Felipe Orozco als tolpatschigen Wenzel berühren lassen. Ryszard Kalus singt einen antibuffonesken, mit kleiner Stimme kaum vernehmbaren Kecal – eine glatte Fehlbesetzung. Die Neubrandenburger Philharmonie unter Romely Pfund spielt routiniert, bevorzugt dabei ein einheitliches Tempo und Laut-Stärke, deckt die weniger voluminösen Stimmen gnadenlos zu. Wird sich’s im Saisonverlauf zum Positiven wenden?

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