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Gibt es weiter Opern aus Neustrelitz?

Schwerin drückt aufs Tempo in Sachen Theaterreform. Bis Ende der Woche sollen die Gemeinden Eckpunkte vorlegen. Jetzt wird sogar an einem Tabu des Landestheaters gerührt.

Wenn die Königin der Nacht in der Zauberflöte singt, lauschen Opern-Besucher gebannt. Auch in Neustrelitz? Die geplante Theater-Fusion könnte die dortige Oper- und Operettensparte arg beschneiden.
joerg metzner Wenn die Königin der Nacht in der Zauberflöte singt, lauschen Opern-Besucher gebannt. Auch in Neustrelitz? Die geplante Theater-Fusion könnte die dortige Oper- und Operettensparte arg beschneiden.

Die Zeit wird knapp bis zum Jahresende. Dann will Kultusminister Matthias Brodkorb (SPD) die entscheidenden Weichen für die Theaterreform in Mecklenburg-Vorpommern gestellt haben. Laut dem von ihm beauftragten Metrum-Gutachten sollen die Theater und Orchester GmbH (TOG) Neubrandenburg/Neustrelitz sowie das Theater Vorpommern Greifswald/Stralsund miteinander fusionieren.

Brodkorbs Staatssekretär drückt jetzt aufs Tempo. Zu einer Sitzung am Freitag in Schwerin sollen die Träger erste Eckpunkte liefern. Nach Konsultationen mit ihren Amtskollegen aus Stralsund, Greifswald und Neustrelitz hat Neubrandenburgs Stadtpräsidentin Irina Parlow (Die Linke) jetzt Prämissen für die Theater-Landschaft in der Seenplatte benannt, die in Schwerin auf den Tisch kommen sollen.

Im Gegensatz zum Metrum-Gutachten wird der Erhalt der Schauspiel- samt Musicalsparte am Neustrelitzer Landestheater gefordert. Auf diesen Konsens einigte sie sich dieser Tage auch mit den Vorsitzenden der Kulturausschüsse der Neubrandenburger Stadtvertretung und des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Lothar Schmidt (CDU) und Michael Stieber (SPD). Immerhin würde damit auf eine komplette Musiktheatersparte mit Oper und Operette verzichtet, was einen erheblichen Einschnitt für Neustrelitz bedeutete, sagte Irina Parlow. Demgegenüber würde der Erhalt einer Schauspieltruppe garantieren, dass sowohl das Theater Neustrelitz als auch das Neubrandenburger Schauspielhaus qualitativ und quantitativ gut bespielt würden.

„Zuschüsse aus Neustrelitz müssen sich erhöhen“

Andere kulturelle Institutionen sind aus Sicht Parlows unangreifbar: die Neubrandenburger Philharmonie samt Konzertkirche, die Schlossgartenfestspiele in Neustrelitz, die dann möglicherweise allerdings durch eine andere Truppe bespielt werden müssten. „Unterbelichtet“ sei zurzeit auch die Rolle der Deutschen Tanzkompanie. Als „Schall und Rauch“ bezeichnete Parlow die Metrum-Idee, eine zentrale Bühnenwerkstatt für alle Häuser im Nordosten in Neustrelitz zu installieren.

Zudem stellten sich Parlow, Stieber und Schmidt auf die Seite von Stralsund und Greifswald. Diese hatten deutlich höhere Zuschüsse von der Stadt Neustrelitz für das Theater gefordert. Zum Vergleich: Neustrelitz zahlt zurzeit pro Jahr 390 000 Euro (19,2 Euro pro Einwohner), Stralsund knapp vier Millionen (69,7). „Die Zuschüsse müssen sich erhöhen“, sagte Schmidt.

Indes forderte Parlow vom Land, den beteiligten Kommunen mehr Zeit für die Reformdiskussion einzuräumen. Bereits Ende 2014 ein Konzept für die Fusion vorzulegen, wie vom Ministerium gefordert, sei aus ihrer Sicht unrealistisch. Zumal Experten nach wie vor starke Bedenken gegenüber den Aussagen von Metrum hegen. „Ich habe starke Zweifel, wonach es keinen Abbruch an kulturellen Angeboten bei der Umsetzung des Gutachtens gibt.“