Premiere im Schauspielhaus Neubrandenburg:

Gogols "Die Heirat" erlebt doppelten Reinfall

Die Schauspieler haben alles gegeben für "Die Heirat" von Gogol. Sie spielten und sangen, was das Zeug hält. Trotzdem fragte sich der Zuschauer am Ende, was der Regisseur eigentlich wollte?

Der kleine Erwin Bröderbauer (links) war überragend.
Martina Krüger Der kleine Erwin Bröderbauer (links) war überragend.

So langsam müssen sich Intendant Joachim Kümmritz und sein Anklamer Schauspieldirektor Wolfgang Bordel Gedanken machen. Nach dem Musical "Lola Blau" Mitte März erlebte eine weitere Premiere im Neubrandenburger Schauspielhaus alles andere als ein ausverkauftes Haus. Gerade einmal knapp 80 Besucher verloren sich auf den Sitzen bei der Komödie "Die Heirat" von Nikolaj Gogol.

Gedanken machte sich vielleicht auch der eine oder andere Zuschauer - über die Sinnhaftigkeit der Inszenierung. Sicher, Gogols Komödie ist auch heute noch witzig. Und: Unbestritten hat das Ensemble der Vorpommerschen Landesbühne auch geglänzt - allen voran Karoline-Anni Reingraber, die eine umwerfend komische, zunehmend beschwipste Brautwerberin Fjokla Iwanowna spielte. Doch warum Regisseur Marcus Kaloff die Geschichte unbedingt um 100 Jahre ins 20. Jahrhundert verschiebt, erschließt sich nicht. Gogols Stück feierte 1842 Premiere. Die Anklamer Inszenierung setzt 1939 ein, signalisiert mit der Orginalrede von Hitler zum Überfall auf Polen, die einem heute noch einen Schauer über den Rücken jagt.

Stalin sorgt für billigen Gag

Mit ein paar billigen Gags wird immer mal wieder auf den Zeitsprung angespielt - etwa, wenn ein Stalinbild an der Wand ab und an umgedreht wird. Zudem hat Mike Hartmann fünf jazzige Musiknummern eingestreut, die mit Gogol so wenig zu tun haben wie Goethe mit den Beatles. Ansonsten hält sich das Stück einigermaßen streng an den historischen Text und die Dramaturgie, so dass man sich fragt: Was soll's? Aktualisierungen um der Aktualisierungen willen bringen nichts außer ein paar willkommene Lacher. Dann doch lieber Klassik pur!

Doppelrolle für Horodynski: Laszives und naives Dienstmädchen

Dabei gibt es durchaus einige schauspielerische Glanzleistungen: Neben der Reingraber machten alle Schauspielerinnen nicht nur eine gute Figur, sie glänzten auch in Dialogen und in Musik-Nummer: Marit Lehmann als wunderbar ängstliche Kaufmannstochter Agafja Tichonowna auf Brautschau, Giulia Weis als ihre gestrenge Cousine sowie Kathrin Horodynski, die gleich zwei Dienstmädchen darstellt - das eine naiv, das andere lasziv. Überragend bei den Männern der kleinste: Erwin Bröderbauer gibt den herrlichen Exekutor Iwan Pawlowitsch Jaitschniza - zu Deutsch Rührei. Wie er beim Tanzen durch das Wohnzimmer der Heiratswilligen Agafja übers Parkett schleicht, das ist einfach nur komisch. Die Anklamer Inszenierung der "Heirat" gehört auch im Theaterzelt Chapeau Rouge zum Repertorie - als heiteres Sommerstück hat das Stück durchaus das Zeug zum Kassenschlager.

Weitere Aufführungen: 12. April, 2. Mai, jeweils 19.30 Uhr, Schauspielhaus Neubrandenburg

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung