Interview mit Freesextett:

Grenzen klassischer und moderner Musik sollen fallen

Freesextett – so nennt sich das erste Projekt der künftigen Akademie der Jungen Norddeutschen Philharmonie. Mit dem Konzert wird das JNP am 13. Mai auch in Neubrandenburg gastieren. Frank Wilhelm fragte den Leiter der Produktion, Clemens Seemann, was die Zuhörer erwarten können.

Julian Maier-Hauff mixt die klassischen Klänge seiner Musikerkollegen am Mischpult neu zusammen. So entstehen völlig neue Klangfarben.
Leonard Higi Julian Maier-Hauff mixt die klassischen Klänge seiner Musikerkollegen am Mischpult neu zusammen. So entstehen völlig neue Klangfarben.

Freesextett – das klingt zuerst nach Jazz. Sie sind aber alles klassisch ausgebildete Musiker?

Das klingt tatsächlich wie ein Widerspruch, den wir aber auflösen möchten. Wir wollen die Verbindung zwischen klassischer und moderner Musik schaffen. Nur weil ein paar Jahrzehnte beziehungsweise Jahrhunderte zwischen der Klassik und heutiger Musik liegen, sind sie längst nicht so unterschiedlich, wie es auf den ersten Blick scheint.

Aber wie funktioniert die Auflösung der Grenzen bei Freesextett konkret?

Jeder unserer sechs Musiker hat sich ein Werk der Kammermusik vorgenommen und neu für das Sextett bearbeitet. Darunter sind beispielsweise Stücke von Ravel und Bartók. Die Stücke werden auf klassischen Instrumenten wie Geige, Querflöte und Horn gespielt und über ein Mikro gemeinsam aufgenommen. Julian Maier-Hauff wird die Klänge dann verstärken, mit elektronischen Klängen und Beats unterlegen und neu mixen.

Das klingt nach Grenzüberschreitung.

Genau darum geht es uns auch. Wir wollen neue Konzertformate schaffen. 88 Prozent der Deutschen betrachten klassische Musik als ein wichtiges kulturelles Erbe. Allerdings hat nur jeder Fünfte im vergangenen Jahr ein klassisches Konzert besucht – von den unter 30-Jährigen sogar nur jeder Zehnte.

Und das wollen Sie ändern?

Wir versuchen es auf jeden Fall. Wir wollen jüngere Besucher anziehen, genauso wie Menschen, die klassische Konzerte aufgrund des elitären Anstrichs meiden. Gleichwohl laden wir aber auch jeden Klassik-Freund ein, seine Lieblingsmusik in einer adaptierten Version zu hören.

Berlin, Leipzig, Neubrandenburg und Lübeck – so die Veranstaltungsorte. Wie gelangte die Viertorestadt in diese illustre Reihe?

Ich selbst komme aus Mecklenburg-Vorpommern und habe einige Jahre im Landesjugendorchester gespielt. Die Konzertkirche war für uns im Orchester schon immer ein wahnsinnig interessanter Ort zum Spielen, die Philharmonie ist ein jahrelanger Partner. Dadurch ergibt sich die Verbundenheit mit Neubrandenburg. Übrigens fand auch das Gründungskonzert der JNP in Neubrandenburg statt – am 13. August 2010.

Passend zum ungewöhnlichen Konzertformat haben Sie auch einen ungewöhnlichen Veranstaltungsort gefunden. Sie spielen in einer ehemaligen Industriehalle, in der heute Yachten gelagert werden.

Zur Vorgeschichte gehört, dass wir 2015 mit dem heutigen Oberbürgermeister Silvio Witt zusammensaßen, kurz vor der entscheidenden Stichwahl. Als wir ihm
von unserem Projekt berichteten, zählte er gleich eine Handvoll möglicher Unterstützer auf. So kamen wir zu dem Verein RWN Art, der uns wiederum die Halle vermittelte. Wir sind selbst gespannt, wie unser Konzert dort funktioniert.

Dann müssen die Besucher wahrscheinlich auch nicht unbedingt mit Anzug und Schlips kommen?

Natürlich nicht, Jeans und T-Shirt gehen genauso wie gediegene Abendgarderobe. Wir wollen ja eben gegen das Klischee vom Konzertbesuch als exklusives Ritual angehen. Wir wollen schließlich den Beweis antreten, dass klassische Musik, Alltagskleidung, Stehplätze und Elektro-Sounds zusammenpassen. Bei uns darf gerne auch getanzt werden.

Zum Freesextett gehören: Juri de Marco (künstlerische Leitung, Horn), Julian Maier-Hauff (Live-Elektronik, Ventil-Posaune), Maria Reich (Geige, Gesang), Helena Montag (Querflöte, Gesang), Konstantin G. Dupelius (Klavier), Jonas Urbat (Tuba, Sousaphon, Basstrompete)

Das Konzert beginnt am 13. Mai um 20 Uhr in der RWN-Halle am Yachthafen Neubrandenburg.
Karten gibt es mit Rabatt über junge-norddeutsche.de/NB16 oder an der Abendkasse.

Wir verlosen zusammen mit der jungen norddeutschen philharmonie 3 mal 2 Karten für das Konzert #freesextett am 13. Mai im Yachthafen Neubrandenburg. Wer gewinnen möchte, braucht nur seinen Namen und Wohnort an info@junge-norddeutsche.de zu schicken. Die Gewinner werden ausgelost und per E-Mail benachrichtigt.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung