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Halleluja, dieses Musical schickt der Himmel!

Nach Hamburg, Stuttgart und Oberhausen kann den göttlichen Klängen der singenden Nonnen von „Sister Act“ auch im Theater des Westens in Berlin gelauscht werden. Ein Schmaus, der sich in mehrfacher Hinsicht auszahlt.

Diese Nonnen wissen, wie man die Gemeinde mitreißt. Doch der Schwung kommt erst in die Runde, als sich Deloris van Cartier (Aisata Blackman, Mitte) unter sie mischt.
Rainer Jensen Diese Nonnen wissen, wie man die Gemeinde mitreißt. Doch der Schwung kommt erst in die Runde, als sich Deloris van Cartier (Aisata Blackman, Mitte) unter sie mischt.

Kaum, dass sich der Vorhang hebt, das grelle Licht der blauen und roten Scheinwerfer mitten in den Publikumsreihen landet, die Glitzersteinchen bis in den Saal funkeln und die Hauptdarstellerin Aisata Blackman zeigt, was aus ihrer rockigen Röhre alles für Töne schnalzen und krachen, ist es um den Zuschauer geschehen. Er möchte aufstehen und sich zweieinhalb Stunden am liebsten nicht mehr hinsitzen. Er möchte im Takt mitwippen, mit den Fingern schnipsen und die Arme in die Höhe schmeißen. Oh ja, das Theater des Westens in Berlin verwandelt sich mit dem Musical „Sister Act“ zu einer riesigen Disco im Charme der Siebziger, der Zeit von Donna Summer, den Bee Gees und des Saturday Night Fevers.

Jeder Titel swingt und groovt und funkt und rappt und wummert und gospelt und kann im nächsten Moment doch wieder ganz choral daherkommen, wenn die braven Nonnen ihre schwarzen Habits gegen Glitzerkutten tauschen. Die neue Produktion in der Hauptstadt gleicht einem Mischpult, das hinter jedem Regler für jeden etwas bereithält. Einfach nur wunderschön und soooo ausgelassen. Halleluja, was ist diese Komödie für ein himmlisches Vergnügen!

Von wegen biederes Leben in Nonnenkutte

„Sister Act“ basiert auf dem gleichnamigen Film mit Whoopi Goldberg und erzählt auf der Bühne ziemlich stringent dem Streifen folgend die Handlung: Nachtclubsängerin Deloris van Cartier (Aisata Blackman) wird Zeugin eines Mordes und von der Polizei in Schutzhaft genommen. Der schüchterne Innendienstbeamte Eddie Fritzinger (Gino Emnes) verfrachtet sie an den sichersten Ort Philadelphias: ein Kloster. Nur unwillig nimmt die strenge Mutter Oberin, verkörpert von TV-Schauspielerin Daniela Ziegler, sie als – sagen wir mal – Klosterschülerin auf. Aus Glitzerfummel-Deloris wird die vom Äußeren her biedere, aber im Herzen noch immer temperamentvolle Schwester Mary Clarence, die das Kloster in Nonnenkutte gehörig durcheinanderwirbelt.

Sicher kann der Zuschauer die Geschichte als arg konstruiert empfinden. Doch spätestens nach der Pause dürfte sich diese Ansicht abrupt ändern. Plötzlich hängt dem ein oder anderen im Publikum ein Kloß im Hals und die Tränen quellen aus den Augen, wenn die Balladen „Die Welt, die ich nie sah“ und „Meine Schwestern“ erklingen. Und dann muss man, man kann gar nicht anders, mehr in dieser Handlung sehen: Sie dreht sich um Selbstbewusstsein, Lebensfreude, wahre Freunde im Leben und der unzerstörbare Zusammenhalt zwischen Menschen.

Überhaupt die Lieder! Selten singen in Musicals durchgängig alle Positionen so derart klar, rein, schön und klangvoll-soulig wie bei „Sister Act“. Dazu kommt ein Orchester, das in bester Big-Band-Manier unter der Leitung von Shay Cohen swingt.

Dieses Musical ist ein Ensembleerfolg. Klar, da sind die energiegeladene Aisata Blackman und die von Daniela Ziegler herrlich spröde und mit trockenem Humor gespielte Mutter Oberin. Aber was wären die beiden ohne Gino Emnes als den süß zurückhaltenden Schwitzefritze oder die völlig beknackten Gangster Joey (Benjamin Eberling), TJ (Alessandro Pierotti) und Pablo (Arcangelo Vignen)?

Doch sind wir mal ehrlich: Der köstliche, charmante, erst zaghafte und dann umso fabelhafter singende Chor um die zurückhaltende Schwester Mary Robert (Abla Alaoui), die dicke Schwester Mary Patrick (Maren Somberg) und die trinkfeste Schwester Mary Lazarus (Regina Venus) geben diesem Stück endgültig die Würze, die es braucht.

Aber nicht nur für die Ohren bietet „Sister Act“ einiges. Klara Zieglerova verwandelt die Bühne in eine Kirche – mit Säulen über farbenprächtige Fenster bis hin zu zwei fünf Meter hohe Madonnenstatuen. Die Statue „Glitter Mary“ besticht von Kopf bis Fuß mit 25 000 Spiegelmosaikplättchen. Selbst wenn es im Schlusssong heißt, dass ein echter Star keine Bühne braucht, sondern von innen, vom Herzen her, strahlt – selten glitterte und funkelte es so grandios in einem Kirchenschiff.

Karten für das Musical „Sister Act“ gibt es im Medienhaus des Nordkurier am Friedrich-Engels-Ring 29 in Neubrandenburg oder unter der kostenlosen Hotline 0800 4575033.